Sie ist die bedeutendste Kunstmesse der Welt, zweifellos: Die Art Basel, die am nächsten Mittwoch für das allgemeine Publikum beginnt. Vom 15. bis zum 19. Juni werden wieder mehr als dreihundert Galerien aus 35 Ländern in den Hallen um den runden Innenhof ihre besten Werke zeigen. 60 000 Besucher werden erwartet. Mit 73 Galerien sind die Vereinigten Staaten am stärksten vertreten, gefolgt von Deutschland mit fünfzig und der Schweiz mit 32; noch 31 Teilnehmer verzeichnet Großbritannien, Frankreich tritt mit 23 an. Und jenseits dieser Zahlenspiele?
Erstmals dabei sind, neben anderen, Cabinet aus London, Bortolami aus New York, Bortolozzi aus Berlin oder Vintage aus Budapest. Sonst bleibt fast alles beim Alten, zumindest wenn man auf die Struktur der Messe schaut: Art Unlimited präsentiert wieder mehr als fünfzig monumentale In-situ-Arbeiten in der großen Ausstellungshalle; die Art Statements stehen für junge Künstler offen; der Art Parcour windet sich durch die Stadt mit ortsspezifischer Kunst und Performances; die Art Basel Conversations stellen die Denkerplattform für Diskussionsfreudige; und schließlich gibt es Art Film, für die, die nicht mehr reden und laufen mögen, sondern nur noch abtauchen.
Und doch ist etwas anders im Jahr 2011. Es hat geknistert in der Vorbereitung der 42. Art Basel: Die Galerie von Gerd Harry Lybke – Eigen + Art in Berlin und Leipzig – ist ausgeschlossen worden; das Auswahlkomitee steht, trotz vielstimmiger Kritik, zu seiner Entscheidung. Doch die sonst völlig krisenfreie Messe kam im Vorhinein ins Gerede.
Ein Garant für ein Gelingen der Art Basel war in den vergangenen Jahren neben den Art Galleries auch immer die Sektion Art Unlimited: Wurde das Publikum hier berauscht, hielt das Glücksgefühl meist über weite Wegstrecken an – und auch durch schwächere Parzellen. Dieses Jahr liest sich sie Künstlerliste dort sehr ernsthaft und mit einem erkennbar roten Faden: Carl Andre, Daniel Buren, Dan Flavin, Ulrich Rückriem, John Baldessari oder Fred Sandback – diese Auswahl fokussiert eine Zeit, die schon weit zurückliegt und gleichzeitig sich nachhaltig einwebt in unsere Zeitgeistaugen. Hans Peter Feldmanns Installation zum Beispiel besteht aus 180 Briefmarken aus der ganzen Welt, die historische Aktgemälde zeigen; jede Briefmarke ist in ein Passepartout gefasst: eine ungewöhnliche Porträtgalerie durch die Jahrhunderte.
Ein starker Auftritt für Berlin
Und was haben die Galerien, die Hauptakteure, für ihre Stände dabei? Die Galeristen wollen nicht immer nur „mitbringen“, sie wollen auch selbst Wertschätzung erfahren. Das zumindest verspricht eine neue Sektion: die Art Features. Zwanzig Galerien zeigen nun Ausstellungen, die sie experimentell bespielen dürfen und kuratorisch gestalten sollen – nicht ganz neu ist diese Idee und in Basel häufig von Galerien ohne Sektionszwang sowieso schon umgesetzt –, aber trotzdem eine schöne Unterbrechung im Galerieparcour.
Für diesen Bereich wird viel aus Berlin angekündigt: Baudach zeigt Thomas Zipp und Jürgen Klauke, Michael Janssen hofft auf Gianfranco Baruchello, Tanya Leighton will’s mit John Smith wissen. Bo Bjeerggaard in Kopenhagen setzt auf den farbenfrohen Poul Gernes und Per Kirkeby, Reena Spaulings bringt Klara Lidén aus New York mit. Lidén ist gerade auf der Biennale in Venedig sehr umschwärmt dafür, dass sie Mülleimer aus Berlin mitgebracht hat und sie als Readymades aufhängte. Inhalt für diese Kunst werden wir in Basel wieder selbst suchen müssen.