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Art Basel 2006 Perfektion à la Basel: Alle Messen wollen so sein wie die Schweizer Paradeschau

13.06.2006 ·  Eine steht wie der Fels in der Brandung: die Art Basel. Jetzt öffnet sie wieder ihre Tore für eine Klientel, die ihr keine Konkurrenz weltweit bisher streitig machen konnte. Und mit ihren Messehallen öffnet sich die ganze Stadt Basel, von der die Gäste dieser Schau empfangen werden.

Von Rose-Maria Gropp
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Eine vergleichbare, so zutreffende wie präzise Selbstdefinition kann sich keine andere Messe weltweit erlauben: „Die 290 führenden Galerien aus allen Kontinenten zeigen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, von den Klassikern des letzten Jahrhunderts bis zum neusten Kunstschaffen: Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Fotografie, Editionen, Performances, Video und digitale Kunst von über 2000 Künstlern.“ So kündigt sich die 37. Ausgabe an, und so wird sie auch sein. Das läßt sich schon vor der Preview und der Vernissage behaupten; denn der Rest ist persönliche Bewertung und Einschätzung - der ganze wichtige Rest ist eben die gezeigte Kunst selbst samt ihrer Kundschaft: Für sie einen Tempel auf Zeit zu bauen ist die Domäne der Schau.

Und ganz Basel arbeitet an diesem Modell mit; in der gesamten Stadt herrscht Messestimmung. Vom animierten Publikum profitieren die ambitionierten Nebenveranstaltungen „Liste 06“ und „Voltashow 02“; die Museen fahren auf mit phänomenalen Auftritten, von Holbein dem Jüngeren (im Kunstmuseum) über Matisse (in der Fondation Beyeler) bis zu Tacita Dean und Francis Alys (im Schaulager). Sprechen wir also ruhig von Perfektion, wenn von der Art Basel die Rede ist.

Man kommt sich nicht in die Quere

Eine annähernd starke Position hat in Europa nur noch „The European Fine Art Fair“ (Tefaf), die stets im März mit den ersten Frühlingsgefühlen den europäischen Messezirkus im holländischen Maastricht einläutet. Mit ihrem geschliffenen Profil, das bis vor kurzem sich maßgeblich auf die Alte Kunst konzentrierte, auf hochrangiges Kunsthandwerk, auf Antiken, auf Gemälde und Zeichnungen der Alten Meister bis hin zu den Klassisch-Modernen, kam sie der Basler Schau bislang nicht in die Quere. Das wird sich auch kaum dadurch ändern, daß die Tefaf an ihrer Erscheinung weiterarbeitet und kraftvoll bis in das Hochqualitäts- und Hochpreissegment der Gegenwartskunst ausgreift. Dennoch wird Maastricht Basel absehbar keinen internationalen Galeristen abspenstig machen und auch nicht die Kaufkraft des Publikums, das traditionell im Juni in die Schweiz zum Einkaufen reist.

Perfektion à la Basel: Alle Messen wollen so sein wie die Schweizer Paradeschau

Ein wesentlicher Grund für ein solches konfliktfreies Nebeneinander in Augenhöhe liegt darin, daß die Schnittmenge der Klientel, die einerseits von der Tefaf und andererseits von der Art Basel angesprochen wird, relativ gering ist. Das ist so - nicht obwohl, sondern gerade weil es für beide Schauen jeweils um die internationale Crème unter den Sammlern geht. Deren individuelle Beuteschemata sind freilich höchstentwickelt, und entsprechend wählen sie sich ihre je eigenen Reviere gezielt aus.

Die Probleme mit derartigen Revierverteilungen haben dann die anderen; denn daß Konkurrenz zwingend das Geschäft belebt, ist keineswegs in allen Fällen ausgemacht. Derartig starke Konkurrenten können auch massive Schwierigkeiten verursachen: In Köln sieht man sich schon seit einigen Jahren den Auswirkungen vor allem der beispiellos erfolgreichen Baseler Strategien gegenüber. Tatsächlich galt die Art Cologne, einst die erste deutsche Messe für moderne Kunst überhaupt, als die unumstößlich feste deutsche Größe im internationalen Messekalender: Der Herbsttermin gehörte eben dem Kölner Kunstmarkt. Und zu den einst sprichwörtlich kauf- und sammelfreudigen Kunden aus dem umgebenden Rheinland kamen die so unerläßlichen Käufer aus dem Ausland hinzu. Diese ersehnte Population jedoch machte sich in Köln zunehmend rarer in den vergangenen Jahren.

Klare Konturen für Köln

Deshalb hat Köln nun zu einschneidenden Maßnahmen gegriffen. Wesentlich kleiner soll schon die nächste Ausgabe der Messe im kommenden November werden, abgespeckt auf 180 Teilnehmer. Bei weitem gravierender indessen ist der Schritt, die Art Cologne vom angestammten Herbsttermin herunterzunehmen und im Frühjahr anzusetzen, erstmals bereits im kommenden Jahr. Als Begründung ließ die Köln Messe verlauten: „Das Kaufverhalten der Marktpartner (Galerien und Sammler) hat sich...vom Herbst weg mehr ins Frühjahr verschoben. Die Art Cologne als eine in erster Linie von professionellen Sammlern bevorzugte Kunstmesse profitiert ab 2007 davon mit ihrem Apriltermin und kann den teilnehmenden Galerien ein kauffreudiges und kaufkräftiges Publikum bieten.“

Das klingt zwar erstens ein bißchen wie Theorie nach Wunsch und zweitens noch sehr viel verhaltener als die oben angeführte stolze Selbstbeschreibung der Art Basel; aber etwas Bescheidenheit ist erst mal kein Fehler. Außerdem hat sich die Art Cologne jetzt mutig dort positioniert, wo sie die Maßstäbe für ihre Orientierung abgesteckt sehen will: zwischen Tefaf in Maastricht und Art Basel.

Alles entscheidend wird jedoch sein, ob Köln seine Konturen wieder klar ausziehen kann; denn ihre aufgeweichten Umrisse haben der traditionsreichen Messe am ärgsten geschadet. Entsprechend ist anzunehmen, daß die avisierte Reduzierung der Teilnehmer vor allem eine Schrumpfung im Bereich der Gegenwartskunst bedeutet. Das kann Köln, wie die Dinge zuletzt lagen, nur guttun; vom Glanz oder auch nur Glamour des ganz Zeitgenössischen, der Basel durchzieht, war da nämlich wenig zu sehen. Wenn man sich also entschließen könnte, Köln wieder als eine starke Stätte der Moderne ganz im Wortsinn zu gestalten - dann eben wüßten auch die umworbenen Sammler wieder, was sie erwartet.

Denn wie ist er, der Sammler, das unbekannte Wesen, das in Basel schon ungeduldig mit den Hufen scharrt? Ein prominenter Angehöriger dieser Spezies, gesegnet mit Ausdauer, nötigen Mitteln und Passion, hat es so formuliert: Ein Sammler will viel sehen auf einer Messe. Und er will auf einer Messe viel sehen. Und dann einen elektrischen Schlag kriegen, wenn er das Richtige gesehen hat. Gemeint ist: kaufen.

Quelle: F.A.Z. Kunstmarkt extra 12. Juni 2006
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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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