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Art Karlsruhe 2017 : Messe mit Biss

  • -Aktualisiert am

Die 14. Ausgabe der Art Karlsruhe überrascht mit ihrem frischen Auftritt. Die Schau im deutschen Südwesten setzt deutlich stärker auf Auswahl und Qualität.

          Diesmal hat man etwas anders gemacht: Zwar sind 211 Aussteller auf der Art Karlsruhe vertreten, aber sie driften in der Qualität deutlich weniger auseinander als in früheren Ausgaben. Entstanden ist eine Mischung aus Bewährtem – Expressionismus und Zero-Kunst sind gut vertreten – und ansprechenden zeitgenössischen Arbeiten. Es gibt viel weniger Fotografie als 2016, nur vereinzelt finden sich attraktive Angebote.

          Das Kraftzentrum der Art Karlsruhe bleibt die Halle 3, mit Klassischer Moderne und Gegenwart: Ausdrucksstark geht es gleich zu Beginn bei Schlichtenmaier aus Grafenau zu: Dort lockt Heinz Macks knapp zwei Meter breites Gemälde „Großes Fenster“ von 1999 mit seiner Farbigkeit schon von weitem (280 000 Euro). Mack ist in dieser Ausgabe der am häufigsten vertretene Zero-Künstler, vor seinen Kollegen Otto Piene und Günther Uecker. Die Galerie Maulberger aus München bietet an ihrem Stand Werke von allen dreien – darunter eine leuchtend rote Feuergouache auf Leinwand von Piene für 159 000 Euro –, ergänzt durch mehrere Papierarbeiten von Herbert Zangs, seine „Blasenbilder“ (um 6000 Euro).

          Ein Hochzeitsgeschenk für Jolanthe

          Ludorff aus Düsseldorf hat drei kleine abstrakte Ölbilder von Gerhard Richter dabei, darunter zwei Kompositionen aus den neunziger Jahren (für 550 000 und 650 000 Euro). Werke des in Karlsruhe geborenen Karl Hofer findet man zahlreich auf der Messe: Sein melancholisches „Mädchenbildnis“ von 1944, ebenfalls bei Ludorff, kostet 245 000 Euro. Gleich nebenan bei Thole Rotermund aus Hamburg hängt die zarte Bleistiftzeichnung einer schlafenden Frau von 1925 (43 000 Euro), und bei der Galerie Rudolf aus Kampen findet sich Hofers halbnackter „Stehender Jüngling“ von 1920 (180 000 Euro). Neben ihm strahlt ein Aquarell mit dem Titel „Tiefe träumende Blumen“: Es war das Hochzeitsgeschenk Emil Noldes an seine junge Frau Jolanthe, wie die Widmung zeigt (100 000 Euro).

          Die Berliner Galerie Tammen & Partner richtet Marion Eichmann eine Einzelschau aus: In Petersburger Hängung zieren ihre plastischen Collagen aus bunten Papierschnipseln die Wände (bis 18 000 Euro). Und auf dem „Skulpturenplatz“, der zur Galerie gehört, lässt Eichmann ihre 2016 und in diesem Jahr aus Papier nachgebauten Elektrogeräte täuschend echt aussehen (von 25 000 bis 65 000 Euro). Eine entfernte Verwandtschaft zu Eichmanns Papierarbeiten ließe sich feststellen für das zarte, dabei mit klaren Konturen umrissene Ölgemälde „Der Duft“ von Hannah Höch aus dem Jahr 1937 (150 000 Euro): Es hängt am Stand von St. Gertrude aus Hamburg, zusammen mit hinreißenden Aquarellen und kolorierten Linolschnitten der Künstlerin.

          Die Galerie Valentien aus Stuttgart widmet ihren Stand den Schöpfungen von Horst Antes. Neben den gemalten Kopffüßlern überzeugen auch die Stahl-Plastiken, wie das kleine „Kopf-Haus“ aus Edelstahl mit eingraviertem Gesicht von 2001/2002 (9500 Euro). Skulptur auch am Stand von Michael Werner: Eine von Per Kirkebys gemauerten „Backsteinskulpturen“, die der dänische Künstler seit den siebziger Jahren konzipiert, füllt den gesamten Platz vor der Koje, mit knapp drei mal drei Meter Fläche, die aus mehreren Steinbögen besteht (270 000 Euro). Ergänzt wird die Arbeit durch eine Vielzahl von Kirkebys Gouachen (von 3000 bis 12 000 Euro). Gegenüber füllen die wunderschön farbigen Linienphantasien von Bernard Schultze die Außenwand des Stands von Henze & Ketterer. Die Galerie aus dem schweizerischen Wichtrach hat, wie in jedem Jahr, ein großformatiges Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner als Blickfang dabei. Der „Kopf Wehrlin“ von 1924/26 trägt den Preis von 1,4 Millionen Euro – ist damit diesmal jedoch nicht das teuerste Werk der Messe.

          Fotogramme von Barbie-Puppen

          Dieses findet sich in der Halle 2: Günter Ueckers drei Meter lange, fünfteilige Nagelskulptur „Weißer Vogel“ aus dem Jahr 2000 ist für vier Millionen Euro bei Michael Schultz aus Berlin zu haben. Nicht nur preislich setzt Schultz auf das große Format. Sigmar Polkes zwei mal 1,5 Meter messende, unbetitelte Mischtechnik auf Pappe von 1999 kostet 650 000 Euro, zwei abstrakte Richter-Bilder sind für 2,1 und 2,6 Millionen Euro zu erwerben. Und Baselitz’ zwei mal zwei Meter große „Berghütte–Ernst Ludwig“ von 1988 soll 1,35 Millionen Euro bringen. Großformatig geht es auch bei Nothelfer aus Berlin zu, wo Emil Schumachers feuerrote Leinwand „Tamalan“ von 1996 die Blicke auf sich zieht (800 000 Euro). Bei Peter Femferts Die Galerie aus Frankfurt fällt André Massons mit wenigen Linien fein getuschtes Selbstporträt von 1945 besonders auf (49 000 Euro).

          In den Hallen 1 und 4 finden sich „Fotografien, Editionen und Zeitgenössisches“. Bei der Kölner Galerie In Focus kann man – neben Fotogrammen von Barbie-Puppen, die Floris Neusüss 1993 anfertigte (um 2100 Euro) – einige eindrucksvolle, magisch realistische Silbergelantine-Abzüge vom Franzosen Gilbert Garcin erwerben (je nach Auflage von 3500 bis 5400 Euro). Bei Carlier/Gebauer aus Berlin finden sich drei große Abzüge aus Andreas Mühes aktueller Foto-Serie „Neue Romantik“ von 2014 (je 40 000 Euro). Außerdem beherbergt die Halle1 zwei Sonderausstellungen: Die eine präsentiert unverkäufliche Werke von Tomi Ungerer aus der Sammlung Würth, die andere ist allgemein der Druckgraphik gewidmet. Gut hundert Aussteller haben Blätter beigesteuert, eine hübsche Vielfalt; die Preise liegen zwischen 150 und 78 000 Euro, für eine „Jaqueline“-Lithographie von Picasso.

          Art Karlsruhe, Messe Karlsruhe, bis 19. Februar.

          Am heutigen Samstag von 12 bis 20 Uhr, am Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

          Eintritt 20 Euro, Katalog 25 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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