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Meisterwerk oder Mülltonne : Ein Renoir für sieben Dollar

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Von der Ölskizze, die sie auf dem Flohmarkt erwarb, wollte eine Frau aus Virginia nur den Rahmen behalten. Nun wird ihr Fund als Werk Renoirs versteigert.

          Reine Zufallsfunde, wird jeder Kunstmarktexperte im Brustton der Überzeugung erklären, gibt es nicht mehr. Die Preisrekorde der vergangenen Jahre und Jahrzehnte haben das Bewusstsein dafür gestärkt, dass in jedem Nachlass etwas Wertvolles stecken könnte. Und das Internet bietet längst die Möglichkeit, über Signaturen, Bildvergleiche, Galerieetiketten Gewissheit zu suchen: Kopie oder Original - Meisterwerk oder Mülltonne? Trotzdem kommt nun aus den Vereinigten Staaten die Nachricht, dass dort eine Frau aus dem Shenandoah Valley in Virginia auf einem Flohmarkt eine kleine Ölskizze von Pierre-Auguste Renoir gefunden und für sieben Dollar gekauft hat. Die Uferszene lag in einer Kiste, an der die Käuferin eigentlich eine Spielzeugkuh aus Plastik und eine Puppe der in den Vereinigten Staaten beliebten Holzfällerfigur Paul Bunyan interessierte.

          Weil sie nur den barocken Protzrahmen rund ums uninteressante Bild behalten wollte, entfernte sie das Papier auf der Rückseite und nahm das kleine Gemälde aus der Halterung, um es wegzuwerfen. Es war die Mutter der Käuferin, die dabei das kleine schief angeschraubte Schildchen „Renoir 1841-1919“ entdeckte und einen Termin bei einem Auktionshaus im nahe gelegenen Alexandria vereinbarte. Recherchen ergaben dann, dass es sich tatsächlich um ein Original handelte, das ein Rechtsanwalt aus Baltimore wohl 1926 in Renoirs Pariser Galerie Bernheim-Jeune gekauft hatte. Bislang hat niemand Anspruch auf den Fund erhoben.

          Ein Van-Gogh-Stillleben auf dem Dachboden

          Die Besitzerin kann nun auf einen Zuschlag von 75.000 bis 100.000 Dollar hoffen, wenn das Bild am 29. September als „Landschaft am Seineufer“ unter den Hammer kommt. Sie hatte Glück. Denn seltener sind die Flohmarkt- und Zufallsfunde in den vergangenen Jahren tatsächlich geworden. 1990 erinnerte sich ein Ehepaar aus Milwaukee an ein verstaubtes Blumenstillleben auf dem Dachboden, das es nach dem Krieg von einem verwandten Bankier in Zürich geerbt hatte. Ein Jahr später wurde es nach Anerkennung durch Amsterdamer Experten für 1,5 Millionen Dollar als Werk Vincent van Goghs versteigert. 2003 fand die Schriftstellerin Elizabeth Gibson auf dem Sperrmüll in Manhattan ein abstraktes Gemälde, dass sich als das zwanzig Jahre zuvor gestohlene Meisterwerk „Drei Persönlichkeiten“ von Rufino Tamayo erwies.

          Die ursprünglichen Besitzer erhielten das Bild zurück und ließen es bei Sotheby’s für mehr als drei Millionen Dollar versteigern. Einen Teil davon erhielt die Finderin. Im Schlafzimmer der Bibliothekarin Jean Preston aus Oxford fanden nach deren Tod 2006 die Erben zwei Holztafeln von Fra Angelico, die seit den Napoleonischen Kriegen als verschollen galten. Und im selben Jahr entdeckte ein Rentner aus der Nähe von Ladenburg in Baden-Württemberg auf dem Speicher seiner jung verstorbenen Tochter ein mit „Nolde“ signiertes Frauenporträt, das sich ebenfalls als Original herausstellte - allerdings zwischen 1977 und 1979 aus dem Lagerhaus einer Spedition entwendet worden war.

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