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Manchmal keine gute Verbindung Champagner und Kunst

 ·  Je privater das Umfeld, desto größer der Kunstgenuss? Von einem Abendessen mit Konzeptkunst und einem strengen Beigeschmack.

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Seit ein paar Wochen läuft in der Neuen Nationalgalerie in Berlin die große Gerhard-Richter-Retrospektive „Panorama“. Die Besucher strömen, die Eintrittskarten sind knapp. Der Künstler selbst liebt das Bad in der Menge nicht, wie er in zahlreichen Interviews erzählte. Und dann sagte er noch etwas: Er, der als teuerster deutscher Maler der Gegenwart gilt, pflegt keinen Kontakt zu seinen Käufern. In einem Interview meinte er, nachdem er gelesen hatte, welche Summen vermögende Leute für Schmuck, Partys, Yachten und eben auch seine Gemälde ausgeben: „Zu denen in die Wohnung zu gehen und zu sehen, wo die Bilder hängen, das wäre mir ein absolutes Grauen.“

Ein wenig kapriziös, könnte man meinen. So dachte ich, bis ich kürzlich bei entfernten Bekannten im Berliner Speckgürtel zum Abendessen eingeladen war. Dass die Gastgeber reich sind, wusste ich, nur nicht, wie reich sie sind. Ein Gemälde von Gerhard Richter haben sie zwar nicht in ihrem Haus, jedoch eine Arbeit von Jenny Holzer. Es ist ein kleiner Würfel, in dem ein Schriftband durchläuft, wie man es von anderen Werken der Konzeptkünstlerin kennt, die auch schon in der Neuen Nationalgalerie gezeigt wurden.

Schreckensbotschaften im Sekundentakt

Die Worte, die im Eiltempo vorbeiflitzen, lassen auf Vergewaltigungen und Misshandlungen im Bosnienkrieg schließen. Man hätte länger hinschauen müssen, um die Sätze lesen zu können. Beim beiläufigen Hinsehen allerdings wurde die Sache noch ärger, den die einzelnen Worte setzten schlimme Assoziationen in Gang. Und während wir Champagner tranken und vorzüglich speisten, während wir über Sauerkirschen und Navigationssysteme sprachen, flimmerte neben uns an der Wand Jenny Holzers Schreckensbotschaft vorbei.

Ich habe nicht darum gebeten, die Installation auszuschalten, und ich habe meine Gastgeber nicht gefragt, wie es sich neben einem solchen Kunstwerk täglich frühstückt. Ich habe nicht gegen eine so eklatante Missachtung der gefolterten, getöteten Menschen protestiert und der Kunst, die sich ihnen widmet. Warum? Weil ich die mir großzügig gewährte Gastfreundschaft nicht verletzen wollte. Allerdings habe ich mich im Nachhinein auch schon lange nicht mehr so geschämt. Gerhard Richter freilich habe ich noch nie so gut verstanden wie seit diesem Abend.

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