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Mackes „Blaues Zimmer“ Akrobatik auf der Schranktür

 ·  Das „Blaue Zimmer“ von Helmuth Macke gibt es noch in echt - und nicht nur in der Literatur. Die expressionistisch bemalten Möbel zeigt ihr Wiederentdecker Ralph Kleinsimlinghaus.

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© Artax Kunsthandel Wiederentdeckt, bemalt mit frivolen Damen: Helmut Mackes „Blaues Zimmer“, 1925 für den Krefelder Industriellen geschaffen

Das „Blaue Zimmer“ von Helmuth Macke - einem Cousin von August Macke - galt als verschollen. Vom morgigen Sonntag an wird es in der Krefelder Villa Goecke strahlen, frisch restauriert. Worum geht es bei diesem Interieur? Es sind ein Schrank und ein breites Bett, zwei Kommoden und ein Schminktisch, zwei Stühle und ein Spiegel. Und dieses Ameublement wird dann ganz bestimmt über die Grenzen der Tuchmacherstadt Krefeld hinaus für Aufmerksamkeit sorgen.

Geschaffen hatte das „Blaue Zimmer“ Helmuth Macke im Jahr 1925 für den Krefelder Industriellen und Kunstsammler Karl Gröppel. Der Kunsthändler Ralph Kleinsimlinghaus hat die Möbel zufällig im vergangenen Jahr auf einer Auktion in der süddeutschen Provinz entdeckt; er erwarb sie und ließ sie restaurieren. Deshalb lässt sich die phantasievolle, leicht frivole Bemalung vom rheinischen Expressionisten zur Präsentation in der Villa Goecke in neuem Glanz bewundern. Auf leuchtendem Grund in Ultramarin zeigen anmutige nackte Damen akrobatische Kunststücke; Eulen und Hähne schauen ihnen zu, ein nächtlicher Mond bescheint die Szenerie.

Helmuth Macke, der gemeinsam mit Heinrich Campendonk an der Krefelder Werkkunstschule bei Johan Thorn Prikker studierte, schuf das Schlafzimmer-Ensemble für Karl Gröppels Landhaus am Chiemsee. Es blieb 86 Jahre lang im Besitz der Familie, bis die Erben Gröppels sich an verschiedene Museen wandten, darunter auch das Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum, wo sie jedoch auf wenig Interesse stießen. Schließlich entschloss die Familie sich, die Stücke versteigern zu lassen. Ralph Kleinsimlinghaus, dem das Ensemble aus der Literatur über Helmuth Macke bekannt war, konnte kaum glauben, was er da gefunden hatte. Die von ihm angefragten Experten Burkhard Leismann vom Kunstmuseum Ahlen, der das Werkverzeichnis Mackes erstellt, und Ina Ewers-Schultz bestätigten die Echtheit.

Kleinsimlinghaus, der das „Blaue Zimmer“ nun - umgeben von damals zeitgenössischen Werken Helmuth und August Mackes, Heinrich Campendonks und Heinrich Nauens (Preise von 3800 Euro an) - ausstellt, wünscht sich ein Museum als Käufer dafür, welches jedoch einen sechsstelligen Betrag zur Hand haben sollte.

Bis 6. Mai. Preis auf Anfrage.

Quelle: F.A.Z.
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