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Kölner Auktion II : Bilder vom heiligen Eustachius aus den Bergen

  • -Aktualisiert am

Lempertz in Köln auktioniert am 20. Mai Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen Alter Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts. Eine Vorschau

          Anmutig wendet die Dame den Blick vom Betrachter ab, die nach rechts gewandte Halbfigur der jungen Frau ist im Dreiviertelporträt dargestellt. Vor dem dunklen Hintergrund hebt sich das helle, porzellanartige Inkarnat edel hervor, der Luchspelz um ihre Schultern und der kostbare Haarschmuck samt feinem Gazeschleier unterstreichen ihre vornehme Herkunft. In ihren Händen hält sie ein kleines Salbgefäß, das sie als Maria Magdalena identifiziert, die Jesus die Füße wusch: Nach der „Legenda Aurea“ war die Büßerin königlicher Abstammung. Das zwischen 1525 und 1530 in Öl auf Holz entstandene „Bildnis einer Dame als heilige Magdalena“ ist Joos van Cleve und seiner Werkstatt zugeschrieben, befindet sich seit 1930 in einer deutschen Privatsammlung und ist mit einer Taxe von 220 000 bis 250 000 Euro das Spitzenlos der Lempertz-Auktion mit Alter Kunst und Kunst des 19. Jahrhunderts am 20. Mai in Köln. Insgesamt 369 Lose sind im Angebot, erwartet werden dafür 4,2 bis 5,6 Millionen Euro.

          Gleich das zweite Los ist eine Besonderheit: „Vier Tafeln mit Szenen aus der Legende des Heiligen Eustachius“, die zu einem Flügelaltar in der Kirche in Campo di Giove gehörten, einem abgelegenen Bergdorf in den Abruzzen. Ursprünglich bestand der Altar aus einer großangelegten Bilderfolge, in seinem Zentrum stand eine Holzplastik des Eustachius. Der Lebenszyklus, geschaffen vom Maestro di Campo di Giove, wurde auf den Flügeln beidseitig auf je acht gemalten Episoden dargestellt. Bis heute ist ungeklärt, weshalb der Altar vor fast 120 Jahren in seine Einzelteile zerlegt und in alle Welt verkauft wurde. Die Tafeln sind mit 140 000 bis 160 000 Euro beziffert.

          Bei der Holztafel einer „Madonna mit Kind“ handelt es sich offenbar um ein Zitat von Jan van Eycks berühmtem „Van der Paele“-Altar von 1436, der sich heute im Groenigemuseum in Brügge befindet. Der Nachfolger hat sich dabei knapp siebzig Jahre nach van Eyck auf die Muttergottes und das Jesuskind konzentriert: Eingerahmt von einer Balustrade im Vordergrund und zwei Seitenpfeilern mit feinem Renaissance-Dekor, sitzt die Madonna unter einem Baldachin vor einer mit Brokat bespannten Wand, auf ihrem Schoß das nackte Kind mit einem Papagei in der Hand. Die Farbgebung und Figurenkonstellation erscheinen fast identisch mit van Eycks Feinmalerei; die Schätzung liegt bei 150 000 bis 170 000 Euro. Etwa hundert Jahre später, im Jahr 1607, malte Hendrick Vroom eine seiner zahlreichen Marinen; der in Haarlem geborene Maler gilt als einer der Begründer des Genres. Sein 96 mal 159 Zentimeter großes Ölbild zeigt den Strand von Scheveningen mit Fischerbooten, Dreimastern und einem Beiboot zu Wasser, während im Vordergrund Händler ihre fangfrische Ware verkaufen (Taxe 180 000/200 000 Euro).

          Bei den Skulpturen bestechen ein 123 Zentimeter hoher freiplastischer heiliger Georg samt Drachen aus Lindenholz, um 1470/80 in Seeschwaben entstanden (30 000/40 000), und eine geschnitzte „Krönung Mariens“ von 1450/60 aus Südtirol, bei der sich Christus und Gottvater zum Verwechseln ähnlich sehen (60000/70000). In der Sparte des 19. Jahrhunderts überzeugen einige Bilder der Achenbach-Brüder, darunter drei Hafenansichten von Andreas (Taxen von 25 000 bis 40 000 Euro) und die große romantische „Küstenlandschaft an der Bucht von Neapel“ aus dem Jahr 1881 vom zwölf Jahre jüngeren Oswald Achenbach (80 000/100 000). Caspar David Friedrichs zarte aquarellierte Zeichnung „Landschaft mit Wehr“ entstand vermutlich um 1800 und soll mindestens 40 000 Euro einspielen.

          Quelle: F.A.Z.

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