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Veröffentlicht: 15.12.2012, 06:09 Uhr

Legendenbildung Kokoschka selbst soll die Fälschung leidgetan haben

Trotz einer langen Liste an Einwänden: Wie ein Internetauktionshaus an einer Zuschreibung festhält, und der Maler selbst mit einem Freundschaftsdienst nachhilft.

von Stefan Koldehoff

Sollte dieses Bild tatsächlich ein echter Kokoschka sein, dann hat irgendjemand in der vergangenen Woche beim Internet-Auktionshaus „Auctionata“ ein gutes Geschäft gemacht. Sollte es sich allerdings, wie führende Kokoschka-Experten glaubhaft versichern, um eine Fälschung handeln, dann hätte jemand 7500 Euro zu viel bezahlt: So hoch lag der Zuschlag für das Gemälde, über das Régine Bonnefoit, Kuratorin der Oskar-Kokoschka-Stiftung im schweizerischen Vevey, in einer Stellungnahme vor der Auktion unmissverständlich schrieb: „Nach eingehender Untersuchung der Sachlage und Anhörung der beiden international anerkannten Kokoschka-Spezialisten Prof. Dr. Heinz Spielmann und Frau Dr. Katharina Erling erklärt die Fondation Oskar Kokoschka das von Auctionata in Berlin angebotene Stillleben ,RosenII‘ zu einer Fälschung.“

Kurz vor der Versteigerung veröffentlichte Auctionata die Negativexpertise auf seiner Website - mit dem trotzigen Hinweis allerdings, das Urteile beruhe nur auf Fotografien und: „Materialwissenschaftliche Untersuchungen wurden nicht durchgeführt.“ Auf sie konnte allerdings auch Auctionata nicht verweisen. Und das Faltblatt zur ersten Internetauktion des Unternehmens mit Teppichen, Kunstwerken, Plüschtieren, Druckgrafik und Schmuck, das verschiedenen Medien beilag, setzte auch kein Fragezeichen hinter den Künstlernamen.

Von Kokoschka als eigenhändig bestätigt

Von einer „faszinierenden Geschichte“ und „unglaublichen Entdeckung“ war stattdessen die Rede, unter dem Werbeslogan „So versteigert man heute“. Eher am Rande erfuhren Interessenten, dass schon in den neunziger Jahren ein mit der Schätzung des Bildes beauftragter Experte Zweifel an der Echtheit des Gemäldes hatte - unter anderem, weil sich auf der Rückseite ebenfalls ein Blumenstillleben befindet. Es hat stilistisch mit Kokoschka nicht das Geringste zu tun und entstand, so Werkverzeichnis-Autorin Katharina Erling, auf jeden Fall vor dem angeblichen Kokoschka.

Gleichzeitig aber wurde bei Auctionata darauf hingewiesen, dass Kokoschka selbst auf der Rückseite eines Fotos die Eigenhändigkeit bestätigt habe: „1925, Scheveningen, Skizze“. „Es ist nicht auszuschließen, dass Kokoschka das Gemälde als Freundschaftsdienst nachträglich anerkannte, um den finanziellen Schaden von Willy Hahn zu begrenzen“, hält Régine Bonnefoit dagegen: Kokoschkas Sammler-Freund Hahn hatte das Rosenbild 1949 in München ohne vorherige Absprache mit dem Künstler erworben. Denkbar sei auch, so Katharina Erling, dass Kokoschka das Rosenbild mit einem anderen, damals noch verschollenen Blumenstillleben verwechselte, das tatsächlich in Scheveningen entstand und sich heute im Kunsthaus Zürich befindet.

In Köln für 80.000 Mark versteigert

Tatsächlich geht aus der Korrespondenz zwischen Kokoschka und Hahn hervor, dass beide später nicht mehr von einem authentischen Werk ausgingen. „Auch mir tut die Fälschung leid“, schrieb Kokoschka am 2.April 1953 an Hahn. Dieser antwortete acht Tage später im Zusammenhang mit einem anderen Kokoschka-Gemälde: „1949 erwarb ich es zusammen mit dem Ihnen ominösen Blumenstück in München. Ich kann immer noch nicht recht glauben, dass das eine veritable Fälschung sein soll.“

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