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Langen Foundation verkauft öffentliche Kunstwerke : So kann man Steuern sparen

Dreißig Kunstwerke verlassen die Langen Foundation im Rheinland. Gemälde von Picasso, Kandinsky und Braque sollen verkauft werden. Der Grund: Ein Steuersparmodell?

          Als im September 2004 die Langen Foundation auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss eröffnet wurde, galt es, ein kulturelles, architektonisches und auch kulturpolitisches Ereignis zu feiern. Auf dem Gelände des ehemaligen Luftwaffenstützpunkts der Nato hatte der Architekt Tadao Ando für die Sammlung des Industriellen Viktor Langen (1910 bis 1990) und seiner Frau Marianne (1911 bis 2004) ein Ausstellungshaus errichtet, das eine Synthese aus funktionalistischem „béton brut“ und traditionellem japanischen Reduktionismus eingeht. Es bescherte der Museumsinsel – „Kunst parallel zur Natur“ – jenseits der Landstraße in den Erftauen, die der Mäzen und Sammler Karl-Heinrich Müller 1987 eröffnet und seitdem mit Pavillons, Skulpturen und Ateliers ausgebaut hatte, ein konzentriertes Gegenüber. Ein Stück Nippon am Niederrhein.

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Privat und ohne Städtebaufördermittel finanziert, schuf sich dort eine Unternehmerfamilie ein vielbeachtetes und seitdem vielgelobtes Forum, mit dem sie der Öffentlichkeit ihre Kunstschätze zugänglich machte und der Gesellschaft etwas von ihrem Wohlstand zurückgab. Der Sammler Viktor Langen, Inhaber einer Lenkgestängefabrik in Düsseldorf, hatte zwei große Vorlieben: die japanische Kunst, die er auf seinen Geschäftsreisen früh kennenlernte und von der er Werke aus acht Jahrhunderten zusammentrug, und die Klassische Moderne, wo er selektiv der privaten Ambition folgte, von jedem prominenten Künstler ein Bild aufzunehmen. Das macht diesen Teil der Kollektion, die er seinen drei Kindern vererbte, für Museen kaum, um so mehr aber für den Markt interessant.

          Jäger oder Sammler

          Gestern wurde bekannt, dass die Erben von Viktor und Marianne Langen nun dreißig Werke der Klassischen Moderne verkaufen werden: Die zehn wichtigsten – wohl auch teuersten – wird Christie’s am 6. Mai in der New Yorker Abendauktion mit Impressionismus und Moderne zum Aufruf bringen, zwanzig weitere werden im Juni in New York und im Juli in London folgen.

          Die Ankündigung des Auktionshauses stellt vier Spitzenwerte heraus: Picassos „Portrait de Femme (Dora Maar)“ von 1931 ist mit einer Schätzung von 25 bis 35Millionen Dollar das teuerste Bild, gefolgt von einer „Strandszene“ Kandinskys, einem „Moment de Transition“ von Dalí und „Le Modèle“ von George Braque. Damit dürften vom abendländischen Teil der Sammlung nur zweit- und drittrangige Stücke übrigbleiben.

          Dagegen würde, so wird versichert, der asiatische Teil erhalten bleiben und auch das Haus weitergeführt: „Alle haben das Kunstinteresse unserer Eltern geerbt“, sagt Sabine Langen-Crasemann, „alle wollen weitersammeln, so wie unsere Eltern es auch immer gemacht haben: mit Blick nach vorne.“ Und ihre Tochter, die Eventmanagerin Karla Zerressen, findet, dass der „Verkauf richtig weh tut“. Die üblichen Floskeln. Offiziell heißt es nur – „persönliche Gründe“.

          Trittbrettfahrer befürchtet

          Die Langen Foundation, die 2002 gegründet wurde, ist eine Stiftung nach privatem Recht und gemeinnützig. Die zur Veräußerung bestimmten Werke aber sind nicht Teil der Stiftung, die im Wesentlichen aus dem Gebäude, selbst ein Kunstwerk, besteht. So wird der Verkauf auch steuerlich interessant: Denn seit 1959 gibt es (§13 Erbschaftssteuer) eine Vorschrift, dass es zur Steuerermäßigung kommt, wenn die Erhaltung eines Kunstwerks im öffentlichen Interesse liegt. Die Voraussetzung ist gegeben, wenn es aufgrund seiner Qualität als Leihgabe einer Sammlung zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus müssen „die Gegenstände in einem den Verhältnissen entsprechenden Umfang den Zwecken der Forschung oder Volksbildung nutzbar gemacht“ werden. Geschieht das für zehn Jahre, ist eine Steuerbefreiung von sechzig Prozent gegeben.

          Ist die Langen Foundation also (auch) ein Steuersparmodell? Umstände und Fristen legen diesen Schluss nahe, zumal die Kosten für Bau und Betrieb nur einen Bruchteil der zu erwartenden Erlöse betragen und das exquisite Gehäuse als wertsteigernder Durchlauferhitzer gedient haben dürften. Die erbenden Kinder müssen das Interesse der Eltern an Kunst („sie war ihnen kein Luxus, sondern Bedürfnis“) – auch wenn sie das Gegenteil behaupten – nicht fortführen, das ist ihr gutes Recht.

          Was an dem Vorgang irritiert, ist etwas anderes: Sich erst als Wohltäter hinzustellen und feiern zu lassen, um dann mit Steuerersparnis und damit zu Lasten der Gemeinschaft die besten Werke zu versilbern, folgt einer opportunen Moral, die mit tätigem Mäzenatentum und nachhaltigem Kunstengagement nichts zu tun hat.

          Dieses Muster, das der Energiekonzern Eon mit einem Gemälde von Jackson Pollock gerade vorgelegt hat, findet Nachahmer unter privaten Sammlern. Das Rheinland beklagt den nächsten Verlust.

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