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Kunstrestitution Eine Entscheidung ist jetzt dringend nötig

Sprechen neue Dokumente zur Provenienz von Paul Klees „Sumpflegende“ für eine Rückgabe an die Erben?

© Lenbachhaus Vergrößern Paul Klee malte die „Sumpflegende“ 1919 in Öl auf Karton. Das 47 mal 41 Zentimeter große Gemälde befindet sich seit 1982 im Münchner Lenbachhaus.

Es wird erneut gestritten: um Paul Klees „Sumpflegende“. Bei der Zivilkammer des Landgerichts München I ist seit dem 23. März eine Klage auf Herausgabe der „Sumpflegende“ an die Erben der einstigen Eigentümerin eingereicht. Derzeit hängt das 47 mal 41 Zentimeter große Ölgemälde auf Karton aus dem Jahr 1919 in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. Gemeinsam mit der Gabriele-Münter-und-Johannes-Eichner-Stiftung hat die Stadt München das Bild im Jahr 1982 erworben, für 650.000 Mark. Seit 1992 gibt es Anträge auf Rückgabe der „Sumpflegende“ an die Erben ihrer einstigen Eigentümerin. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude aber tritt bis heute dem Restitutionsanspruch entgegen, mit dem Buchstaben des Gesetzes auf seiner Seite bislang. Selbst die Interventionen zweier Kulturstaatsminister, zuerst Michael Naumanns, dann Bernd Neumanns - Neumann schlug vor drei Jahren vor, die eigens zur Schlichtung solcher Fälle gegründete „Limbach-Kommission“ anzurufen -, halfen nicht.

Dabei ist unbestritten, dass das Bild Sophie Lissitzky-Küppers gehörte, die es 1926, zusammen mit anderen Kunstwerken, als Leihgabe dem Provinzialmuseum Hannover (heute Niedersächsisches Landesmuseum) übergab. Sie war die Witwe von Paul Küppers, dem Direktor der Hannoveraner Kestner-Gesellschaft, und folgte damals ihrem zweiten Ehemann, dem Maler El Lissitzky, in die Sowjetunion. Elf Jahre später geriet auch Klees kleines Gemälde in den Fokus der Nationalsozialisten, die es am 5. Juli 1937 im Museum beschlagnahmten und es in der Ausstellung „Entartete Kunst“ im selben Jahr in München zeigten, danach noch einmal 1938 in Düsseldorf.

Im Auftrag der Galerie Ernst Beyeler

Erkundet man im Archiv die „Sumpflegende“, stößt man schon vor zwanzig Jahren auf einen Artikel, den der Jurist Hermann J. Knott geschrieben hat (“Handelsblatt“ vom 11. August 1992). Knott rollt dort die Provenienz der „Sumpflegende“ auf. Demnach veräußerte im März 1941 Hitlers Regime das Werk an den Händler Hildebrand Gurlitt für 500 Schweizer Franken. Bis zum Herbst 1962 ist der Verbleib unbekannt; dann versteigert das Kölner Kunsthaus Lempertz die „Sumpflegende“. Knott nennt auch den Verbleib von 1963 bis 1982; das Bild war in der Schweiz. München endlich erwarb es von der Galerie Rosengart in Luzern. Und Knott erwähnt ein Schreiben, in dem erläutert ist, dass die Niedersächsische Landesregierung, die eigentlich an einer Rückführung des Bilds nach Hannover interessiert war, 1962 auf ein Gebot bei Lempertz verzichtet habe - wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse.

Das von Knott genannte Schreiben, das eine Anlage der aktuellen Klageschrift des Leipziger Rechtsanwalts Christoph von Berg darstellt, liegt dieser Zeitung vor. Wilhelm F. Arntz, der 1962 bei Lempertz die „Sumpflegende“ - im zunächst nicht bekanntgewordenen Auftrag der Basler Galerie Ernst Beyeler - ersteigerte, sandte es an Armin Zweite, der damals Direktor des Lenbachhauses war, eingegangen dort am 22. April 1982. Der Ankauf der „Sumpflegende“ durch die Stadt München wurde später, im Sommer 1982, öffentlich bekannt.

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