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Kunstmessen Prinzessin unter Palmen: Die „Palm Beach!“

08.02.2006 ·  In Florida steht die Kunst hoch im Kurs: Neben der Art Basel Miami Beach hat sich auch die feine Messe für Kunst und Antiquitäten „Palm Beach!“ fest etabliert, die durchaus den Anspruch erheben kann, als kleine amerikanische Version der Maastrichter Messe „Tefaf“ zu gelten.

Von Konstanze Crüwell
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Sie war eine elegante Erscheinung, liebte Juwelen, kostbare Stoffe und Pelze, und sie gehörte zusammen mit ihrem Mann, Georg III. von England, zu den wahrhaft königlichen Patronen der Künste in der britischen Geschichte. Das lebensgroße Porträt der schönen Königin Charlotte, einer deutschen Prinzessin aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz, das Nathaniel Dance um 1769 malte, zeigt sie noch als „the last queen of America“, und in dieser Eigenschaft wird ihr natürlich auf der „Palm Beach! America's International Fine Art & Antiques Fair“ die gebührende Aufmerksamkeit zuteil.

Das Bildnis - für 1,3 Millionen Dollar zu erwerben bei Historical Portraits - sei bei der Welfen-Auktion des Prinzen von Hannover auf der Marienburg im vergangenen Jahr als vermeintliche Kopie so hoch unter der Decke plaziert gewesen, daß er es nur von einem Gerüst aus kurz habe sehen können, erzählt Philip Mould, Leiter der Londoner Kunsthandlung. Mittlerweile gelte das aufwendig gereinigte Gemälde als das originale Werk.

Die Trias Sammler - Händler - Museum

Daß man mit Adelsporträts aus dem alten Europa in Amerika glänzende Geschäfte machen kann, hat schon lange vor „Palm Beach!“ Lord Duveen, der legendäre Kunsthändler von Mellon und Frick, bewiesen. Duveen ist auch der Ahnherr jener im 19. Jahrhundert gewachsenen typisch amerikanischen Trias Sammler - Händler - Museum, auf die Michael Mezzatesta, der neue künstlerische Direktor der „Palm Beach!“, bei deren Eröffnung mit Nachdruck hinwies.

Er tat dies vor allem am Beispiel des Sammlers Kay Kimbell, seines Händlers Bernard Newhouse und des Kimbell Art Museum in Fort Worth: Dort war Mezzatesta als junger Kurator tätig und leitete dann bis zu seiner Emeritierung das Duke University Museum of Art. Lorenzo Rudolf, der langjährige Leiter der Art Basel, der seit 2004 die „Palm Beach!“ leitete, nimmt hier nur noch beratende Funktion wahr.

Sein Nachfolger Mezzatesta hat nun große Pläne: Er möchte die Verbindungen der Messe zu Lateinamerika befördern und will vor allem junge Sammler zur „Palm Beach!“ locken. Unter den hundert Ausstellern befinden sich eine ganze Reihe international renommierter Händler, die Kunstwerke von oft hohem Rang präsentieren.

Schöner Wohnen mit Brueghel

Die Liste der Jurymitglieder klingt eindrucksvoll, die Inszenierung wirkt attraktiv - und so kann die „Palm Beach!“ durchaus den Anspruch erheben, als kleine amerikanische Version der Maastrichter Messe „Tefaf“ zu gelten. Undenkbar wäre dort freilich die hier mehr als deutlich demonstrierte Nähe zu life style und Schöner Wohnen: Vor mehreren Ständen sieht man Entwurfszeichnungen amerikanischer interior decorators, die zeigen, wie die jeweils angebotenen Gemälde oder Skulpturen etwa in ein hochmodernes New Yorker Appartement zu integrieren seien.

Überallhin paßt wohl Cornelis Saftlevens kleine Katze, die Noortman für 620 000 Dollar anbietet. Sehr verführerisch wirkt bei Bernheimer-Colnaghi ein um 1732 entstandenes „Menuett“ von Lancret, das für 1,65 Millionen Dollar zu haben wäre. Wer Nachtszenen mag und 95 000 Dollar übrig hat, könnte sich für die mondbeschienene Landschaft von Abraham Pether (1756 bis 1812) erwärmen (95 000 Dollar), das hier älteste Werk, eine Heilige Familie von Sassoferrato kostet 2,45 Millionen Dollar.

Wunderbare altniederländische Malerei in staunenswerter Fülle hat der Pariser Händler de Jonckheere zu seinem Debüt in Palm Beach mitgebracht, etwa zwei Winterlandschaften: von dem hier mehrfach vertretenen Pieter Breugel d. J. (2,2 Millionen Dollar) und als Tondo von Hendrick Avercamp (1,6 Millionen Dollar) oder eine Flußlandschaft von Jan Breugel d. J. (1,5 Millionen Euro).

Wiener Wurzeln

Besonders lohnt ein Besuch beim New Yorker Galeristen Ira Spanierman, der nur amerikanische Malerei aller Epochen vertritt. „Waiting“ist eine junge Frau auf einem bezaubernden Gemälde von Winslow Homer (850 000 Doller), dessen Werkverzeichnis Spanierman herausgegeben hat. 1875 hat William Morris das traurige Einwandererbild „The Promised Land, Ferry to Appledore“ (350 000) gemalt, ein früher Vertreter der „ash cane cool“, die sich um 1890 gegen die heitere und oberflächliche Weltsicht der amerikanischen Impressionisten wandte und mehr Alltagsnähe propagierte. Von Georgia O'Keeffe sind hier vier schöne Gemälde zu sehen (zwischen 450 000 und 2,5 Millionen).

Eine weite Reise hat der formvollendet schlichte Schreibtisch hinter sich, den Ernst Freud mit 44 anderen Möbeln 1929/30 für die Familie Fritz Michael gefertigt hat. Der Sohn von Sigmund Freud und Vater des Malers Lucian Freud arbeitete bis zu seiner Emigration nach England 1933 als Architekt in Berlin, sichtbar vom Bauhaus inspiriert. Sein Schreibtisch, das einzige Möbelstück, das Michael in die Emigration mitnahm, ist jetzt bei Rita Buchheit zu bewundern, einer Chicagoer Händlerin mit Wiener Wurzeln. Hinreißend ist die Terracotta-Skulptur zweier Kinder in muschelbesetzten Umhängen, wohl ein Werk des Potsdamer Künstlers Johann Matthias Jansen, der für Friedrich den Großen gearbeitet hat. Die preußischen Putti werden für 145 000 Dollar angeboten.

Zigarrenrauchender Streichholzkönig

Vielleicht weil Königliches in Amerika so hoch im Kurs steht, präsentiert man bei Silver Fund einen erstaunlich monumentalen Humidor, der bei Georg Jensen für den zigarrenrauchenden schwedischen Streichholzkönig Ivan Kruger hergestellt wurde. Die Silberkiste, auf deren Deckel ein Relief mit Elch und Hund (oder Wolf) zu sehen ist, kostet 150 000 Euro. Silver Fund ist seit langem auf Jensen-Silber spezialisiert, für das in Florida offenbar großes Sammlerinteresse besteht. Ein Paar unübersehbare 112 Zentimeter hohe Kandelaber des Pariser Silberschmieds Odiot, entstanden um 1870, könnte man gegen Hinterlassung von einer Million Dollar nach Hause tragen.

Ein Dorado ist Palm Beach für Antiken: Ein herrlicher Marmorkopf, Alexander den Großen als Dioscuros darstellend, hat bei Royal-Athena Galleries den Preis von 365 000 Dollar. Erlesene Kunstwerke zeigt auch Phoenix Ancient Art, etwa einen betörenden Kopf des Apollo aus dem 2. römischen vorchristlichen Jahrhundert für 450 000 Dollar. Faszinierend: ein griechischer Bronzehelm mit grünlicher Patina, verziert mit Silber und Elfenbein, der im sechsten oder frühen fünften Jahrhundert in Korinth mit außerordentlicher Kunstfertigkeit hergestellt wurde und zum Preis von 300 000 Dollar zu haben wäre. Und Ariadne schließlich offeriert einen römischen Mosaikboden (3. Jahrhundert vor Christus, 310 000 Dollar) mit dem schönen Argument: It makes a statement in any interior setting.

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