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Kunstmessen : Größer und schöner: Die 51. Foire des Antiquaires de Belgique in Brüssel

  • -Aktualisiert am

Auf 12 000 Quadratmetern entfalten 120 Händler, davon gut ein Drittel aus dem Ausland, ein Spektrum von der Antike bis zur Moderne, das erstmals um Mobiliar und Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts erweitert wurde.

          Nicht nur runde Zahlen geben Anlaß zu großartigen Veranstaltungen. Die 51. Foire des Antiquaires de Belgique tritt diesmal noch größer und schöner in Erscheinung als zu ihrer Jubiläumsausgabe 2005. Zum dritten Mal hat sich die Traditionsmesse in den Hallen des ehemaligen Rangierbahnhofs Tour & Taxis niedergelassen. 120 Händler, davon gut ein Drittel aus dem Ausland, sind dem Ruf in die Stadt gefolgt, die ein internationales Publikum wie eine sammelfreudige und kaufkräftige heimische Kundschaft verbürgt.

          An der Spitze der veranstaltenden Chambre Royale des Antiquaires de Belgique hat die Antwerpener Händlerin Grethe Zeberg den Brüsseler Galeristen Jan de Maere abgelöst; Streit über eine zu kostspielige Verwaltung haben de Maere, dessen energischem Vorgehen die Messe ihre radikale Modernisierung verdankt, zur vorzeitigen Niederlegung seines Vorsitzes bewegt.

          Auf 12 000 Quadratmetern entfaltet sich das Spektrum von der Antike bis zur Moderne, das erstmals um Mobiliar und Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts erweitert wurde. Der Geschmack des belgischen Publikums gilt als „klassisch“, und auch wenn die Liebe zur Tradition weiterhin die Messe prägt, versucht man, dem sich wandelnden Sammlerprofil vom Spezialisten einer Epoche zum für alle Stile offenen Eklektiker Rechnung zu tragen. In einem bei aller Pracht unaufdringlichen Dekor, breiten Alleen und geräumigen Kojen warten die selektierten Objekte auf rund 30 000 Besucher. Die Ambition Brüssels, aus dem Schatten von Maastricht herauszutreten, könnte nicht deutlicher sein.

          Teuflische Frauen und Dalís Dinnerjacket

          Die obligate „Prévernissage“ für handverlesene Sammler hat einer Reihe von Teilnehmern gleich zu Beginn manches Geschäft beschert. Bei Ronny van de Velde aus Berchem, der seine Rückkehr auf die Messe mit einer musealen Schau zelebriert, trägt nicht nur James Ensors Öbild von 1927, „La mort et les masques“, schon einen roten Punkt. Ein ganzer Raum ist mehr als hundert Zeichnungen von Félicien Rops gewidmet mit erotischen Szenen bis hin zu den „teuflischen Frauen“, Barbey d'Aurevillys „Les Diaboliques“, die Rops 1884 mit sieben Illustrationen versah - für die Kohle-, Pastell- und Gouachezeichnungen „Le Dessous des cartes d'une partie de Whist“, die unter dem Mantel bürgerlicher Konventionen ein Geheimnis schwärzester Natur offenbart, und „A un dîner d'athées“ mit einer Szene lustvoller Gottlosigkeit sind je 75 000 Euro anzulegen.

          Dalís „Veston aphrodisiaque“, ein 1967 rekonstruiertes Dinnerjacket mit Likörgläsern von 1936 aus der Sammlung Perrot-Moore (100000 Euro) nimmt sich dagegen beinah konvenabel aus. Der Brüsseler Pascal Polar hat sich dem Werk des rätselhaften Karl Waldmann verschrieben und zeigt mehr als hundert der in den letzten Jahren gefundenen knapp tausend Collagen der Zeit zwischen 1915 und 1950/60. Über Waldmann weiß man nur, daß er um 1890 in Dresden geboren wurde und seine Spur sich 1958 in einem sowjetischen Arbeitslager verlor. Die vom Dadaismus inspirierten Collagen mit versteckten politischen Anspielungen kosten zwischen 3500 und 55 000 Euro.

          Gekreuzigter mit beweglichen Armgelenken

          Das edle „Porträt eines Mannes mit einem Ring“ in Öl auf Holz des flämischen Malers italienischer Herkunft Ambrosius Benson (1495 bis 1550) hat bei Dr. Riedl aus München schon das Interesse des Museums von Brügge geweckt (165 000), während Rainer Jungbauer aus Straubing mit einer seltenen Holzskulptur des Gekreuzigten dessen Arme sich zur Grablegung durch Scharniere bewegen lassen (12 000), die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

          Extravagantes wie eine kleine italienische Halbmond-Kommode mit Elfenbeinmarketerie und Goldmalerei (180 000) ist nicht nur bei dem Wahlpariser aus Turin Giorgio Salvai zu finden, die Galerie Omagh führt ein vergoldetes Salonmobiliar von Jacques Majorelle im reinsten Jugendstil der Schule von Nancy (35 000) ins Feld, während Sismann (ebenfalls Paris) zum gleichen Preis mit einem Paar neugotischer Wasserspeier aus Kalkstein in Gestalt phallusbewehrter Fantasietiere aufwartet, die vom Loire-Schloß Candé stammen, wo der Herzog von Windsor und Wallis Simpson sich das Jawort gaben. Wem das noch nicht schick genug ist, für den hält Autegarden-Rapin aus Brüssel ein Paar Ende der sechziger Jahre von Gucci entworfene Schränke aus Stahl und Wildleder (15 000) parat, passend zu Handtasche und Gürtel.

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