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Kunstmesse im Grand Palais : Feste Wurzeln im Pariser Frühling schlagen

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Es geht bergauf: Die Neuausrichtung der „Art Paris Art Fair“ als Kunstmesse für Europa ist gelungen. Das Gastland ist in diesem Jahr Russland.

          Der erste große Schritt zum Wechsel hat schon 2012 stattgefunden, als aus der oft kritisierten „Art Paris“ - die mit der Fiac im Herbst bei weitem nicht konkurrieren konnte - wurde unter der neuen Leitung von Guillaume Piens die „Art Paris Art Fair“. Aber natürlich lässt sich eine Messe, deren Gelingen sich aus dem Zusammenspiel von Galerien, Künstlern und dem Publikum ergibt, nicht durch eine Umbenennung von heute auf morgen umkrempeln. Der nächste Schritt wird in diesem Jahr vollzogen: Von der ehemaligen Art Paris sind nur noch 35 Teilnehmer geblieben. 144 Galerien aus mittlerweile zwanzig Ländern hat Guillaume Piens eingeladen. Sie wurden erstmals von einem Auswahlkomitee gewählt, das sich aus Galeristen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz zusammensetzt.

          Konkretes, Ernsthaftes, Detailversessenes

          Die Folgen dieser Veränderungen sind auffällig: Die Art Paris Art Fair, wie stets im Grand Palais zu Hause, bietet erstaunlich viel Konkretes, Ernsthaftes, Detailversessenes mit Schwerpunkt in der Malerei und im Figurativen. Die neue Sektion Promesses gewährt jungen Galerien einen vergünstigten Standplatz. Catherine Houard aus Paris zeigt im Hauptparcours neben erotischen Grafiken aus Picassos Spätwerk und Aquatinta-Blättern von Le Corbusier Gemälde von George Condo, die sich wunderbar einfügen: Das Porträt „Smiling Female“ erinnert an Picassos Dora-Maar-Phase. Bei Claude Bernard, ebenfalls in Paris zu Hause, sind Werke von Paul Rebeyrolle und David Hockney zu bewundern. Hockneys Digitalgemälde „A Bigger Matelot Kevin Druz“ von 2009 kostet hier 50.000 Euro.

          Die Ausrichtung der Galerie Zürcher, New York und Paris, spiegelt den künftigen Anspruch der Messe wieder: Galerien mit Fokus auf Künstlern aus Europa. Zürcher interessiert sich weniger für die Stars im Markt und sucht ein Gleichgewicht zwischen etablierten Namen und neuen Entdeckungen. Von Marc Desgrandchamps hängen zwei Gemälde am Stand. Ein frühes Frauenporträt lässt jedoch den charakteristischen Stil des Lyoneser Malers noch nicht erahnen. Die „Frau am Strand“ von 2012 aber lässt die irreale Transparenz, die Leichtigkeit spüren, die man von Marc Desgrandchamps kennt: das Bild als Fata Morgana einer glücklichen Erinnerung (Gemälde je 35.000 Euro).

          Kalman Maklary aus Budapest hatte die Messe bereits abgeschrieben und ist nun unter der neuen Leitung zurückgekehrt. Mitgebracht hat er die junge südkoreanische Malerin Hur Kyung-Ae. Materie und nicht die Figur interessiert sie; Farbschichten trägt sie auf Farbschicht, bearbeitet die Leinwand durch Kratzungen und Narben (16.000 Euro).

          Durchwirkt von schwarzen Fäden

          Doch nicht ausschließlich Malerei ist in Paris zu sehen, die Skulpturen der britischen Künstlerin Lucy Glendinning in der Galerie Da-End wirken zerbrechlich und anrührend, gleichzeitig befremdlich und erschreckend. Es sind Kinderkörper aus Kunstharz, die aufgebahrt oder in Fötusposition mit zarten Federn überzogen wurden (13000). Ähnlich beunruhigend ist die Installationen von Chiharu Shiota bei Templon, Paris. Die in Berlin lebende Japanerin ist bei der Performance-Künstlerin Marina Abramovic in die Schule gegangen und zeigt rechtwinklige Gehäuse, in einem steht ein kleiner Kinderwagen, dann schweben dort Spielkarten. Das ganze Ensemble ist durchwirkt von schwarzen Fäden, als hätte ein Spinne ihr Objekt umkreist (Preise von 18.000 bis 35.000 Euro).

          Zu den teuersten Werken der Art Paris Art Fair gehört zweifellos Jawlenskys „Madame Sid Circa“ bei Hélène Bailly für 780000 Euro. Neunzig russische Künstler sind im Schwerpunkt russischer Kunst zu sehen. Die Plattform mit den elf russischen Galerien hätte noch umfangreicher sein können, bietet sie doch lohnenswerte Nebenwege: Bei Rabouan Moussion aus Paris hängt ein Herz aus Wurzelwerk, Erde und Ast-Arterien von Dimitri Tsykalov (45.000 Euro). Suzanne Tarasiève stellt das russische Künstler-Duo Recycle Group mit einem Basrelief aus Kautschuk und Polyethan vor, das wie ein fossiler Felsbrocken die Spuren und Zeichen einer ausgegrabenen Zivilisation zeigt; nur dass man aus der Nähe Schlümpfe und Comic-Figuren erkennt (15.000 Euro). Für den Stand von Christian Berst, Paris, sollte man Zeit mitbringen: Er vertritt die russischen Art Brut Künstler wie Vasilij Romanenkov, dessen minutiöse, unglaublich reichen Gemälde zwischen Spiritualität und Schamanismus vom Universellen inspiriert sind.

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