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Schweizer Ergebnisse : Fremde Schöne, ruhige Berge

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Die Ergebnisse der Juni-Auktionen bei Koller in Zürich, Kornfeld in Bern und Beurret & Bailly in Basel mit Schweizer Kunst, Moderne und Zeitgenossen

          Zum Abschluss der Frühjahrssaison sorgten die Auktionen mit Schweizer Kunst, Moderne und Zeitgenossen bei Kornfeld in Bern, Koller in Zürich und Beurret & Bailly in Basel für gute Profite und einige Überraschungen. Den Anfang machte Kornfeld mit seinen Veranstaltungen, die stets parallel zur Art Basel stattfinden und vom internationalen und kaufwilligen Publikum stark profitieren – so auch diesmal wieder: Das Auktionshaus in Bern spielte insgesamt 40,5 Millionen Franken ein – die Hammerpreise kamen zusammen auf 33 Millionen – gegenüber einer Erwartung von 31,5 Millionen Franken. Im Juni 2016 lag der Gesamtumsatz bei 20,8 Millionen Franken.

          Fünf Zuschläge konnten bei Kornfeld mehr als eine Million Franken erzielen: Zum Spitzenlos wurde die Kohlezeichnung von Paul Gauguin „Tête d’une jeune femme Tahitienne avec un deuxième portrait sur sa droite – Portrait de Teha’amana“ aus dem Jahr 1891/92 (F.A.Z. vom 10. Juni). Die dunkle Schönheit brachte es auf einen Hammerpreis von 7,2 Millionen Franken, ihre Schätzung hatte bei einer Million gelegen. Das Ergebnis bedeutet einen neuen Weltrekord für eine Papierarbeit von Gauguin – und ist gleichzeitig der höchste Zuschlag, der jemals bei Kornfeld erzielt wurde.

          Wiederentdeckte Landschaft von Giacometti

          Emil Noldes farbprächtiges Ölgemälde „Begonien (Rot und Gelb)“ von 1929 ging für 1,4 Millionen Franken (Taxe 1 Million) an einen Schweizer Sammler, und auch Paul Klees niedliches, 1933 entstandenes abstraktes Bild „Kleiner Blauteufel – Blauteufelskopf“ wechselte für 1,35 Millionen (1,25 Millionen) in Schweizer Privatbesitz. Pablo Picassos komplette Graphikfolge der „Suite Vollard“, die zwischen 1930 und 1937 entstand und nach dem Pariser Verleger und Kunsthändler Ambroise Vollard benannt ist, fand für 1,27 Millionen Franken (1,5 Millionen) eine neue Heimat, gefolgt von Albert Ankers zierlichem „Suppe essendem Mädchen – Mädeli“ aus dem Jahr 1898, das nach langem Bietergefecht seine Schätzung von 500 000 Franken verdoppelte und für 1,05 Millionen in internationalen Handel ging. Max Beckmanns 73 mal 54 Zentimeter große Landschaft „Le Lac im Winter – Bois de Boulogne im Winter“ in Öl von 1939 hatte weniger Glück und blieb hängen. Bei Kornfelds Gegenwartskunst überzeugten die beiden Toplose: „Study for Moby Dick“ von Sam Francis aus dem Jahr 1958 mit einem Zuschlag von 730 000 Franken (400 000) und Donald Judds unbetitelte Wandplastik aus lackiertem Aluminium und galvanisiertem Stahl von 1972 für 620 000 (500 000).

          Auch Koller in Zürich konnte mit seinen Auktionen punkten, insgesamt wurden sechzehn Millionen Franken umgesetzt, davon zwölf Millionen mit Schweizer Kunst, Moderne und Zeitgenossen. Im Juni 2016 lag der Umsatz allein mit Schweizer Kunst bei 9,2 Millionen Franken, der Gesamtumsatz bei 18,1Millionen. Zum teuersten Los wurde Alberto Giacomettis ruhige Landschaft des „Monte del Forno“ (F.A.Z. vom 24. Juni), ein Ölgemälde von 1923, aus der frühen Phase seiner künstlerischen Laufbahn, das erst vor kurzem in einer Privatsammlung wiederentdeckt wurde: Taxiert auf 300 000 bis 400 000 Franken, reüssierte das Bergpanorama mit starken 800 000 Franken. Auch Arbeiten von Albertos Vater, Giovanni Giacometti, waren gefragt: Drei Werke des Schweizer Malers konnten im sechsstelligen Bereich verkauft werden, darunter der wunderschöne lesende Akt „Theodora“ aus dem Jahr 1914 (F.A.Z. vom 24. Juni) – deutlich unter Taxe für 450 000 Franken (600 000/900 000). Für besonderes Aufsehen sorgte das 1916 entstandene Farbstift-Bild „China-Engel“ des Art-brut-Künstlers Adolf Wölfli, das weit über seiner Schätzung von 40 000 bis 60 000 erst bei 180 000 Franken zugeschlagen wurde. Das Toplos unter den Schweizern, Albert Ankers „Schreibender Knabe mit Schwesterchen“ von 1875, blieb bei einer Taxe von 1,2 bis 1,8 Millionen Franken unverkauft.

          Die Moderne-Sektion wurde von Max Liebermanns „Großer Seestraße in Wannsee“ angeführt, zugeschlagen für 470000 Franken, knapp unter Taxe. Emil Noldes „Kleiner Dampfer“ von 1910 erreichte mit 310000 Franken etwas mehr als seine Obertaxe. Und Ernst Wilhelm Nays „Mit vielfältigem Gelb“ von 1958 wurde mit dem Hammerpreis von 155 000 Franken zum teuersten Zeitgenossen bei Koller.

          Beim Basler Auktionshaus Beurret & Bailly sorgte ein mehr als hundert Jahre verschollenes Ölgemälde vom finnischen Maler Akseli Gallen-Kallela für einen Auktionsrekord: Taxiert war das naturalistische „Wundfieber“ von 1889 auf 30 000 bis 40 000 – der Hammer fiel erst bei 440 000 Franken. Matisses acht Jahre später entstandene „Rochers à Belle-Île“ schafften mit 380 000 Franken fast die Untertaxe von 400 000, ebenso Félix Vallottons kesse Nackte „Les trois coussins rouges“ von 1924, sie wurde für 250 000 Franken (300 000/500 000) zugeschlagen. Das Spitzenwerk der Auktion – mit geschätzten 1,3 bis 1,6 Millionen Franken Ferdinand Hodlers „Der Mäher“ von 1909/10 – blieb hängen. Insgesamt erzielte das Haus einen Umsatz von vier Millionen, erwartet waren sieben bis acht Millionen Franken.

          Quelle: F.A.Z.

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