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Kunstgewerbe : Messerscharf: Das Altenstetter Besteck

Am 1. Dezember versteigert Christie's in London das älteste vollständige Tafelsilber-Set des Abendlands. Das „Altenstetter-Besteck“ wurde 1615 gefertigt und ist mit einer Taxe von 300 000 bis 500 000 Pfund beziffert.

          „Gott behüte mich vor Gäbelchen“, klagte Luther 1518. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts stand die Gabel in keinem respektablen Ruf; sie galt als gotteslästerlich und geziert. „Was gereicht wird, hat man mit drei Fingern oder mit Brotstücken zu nehmen“, befand auch Erasmus von Rotterdam. Erst im Verlauf des Jahrhunderts begann sich die Gabel - vom althochdeutschen „gabala“ für gegabelter Ast - durchzusetzen, bis sie Anfang des 18. Jahrhunderts in Adelskreisen zum Symbol für Vornehmheit avancierte.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es ist deshalb eine besondere Trouvaille, was Christie's am 1. Dezember im Rahmen der Londoner Silberauktion zum Kauf anbietet: Das Altenstetter-Besteck - geschätzt auf 300 000 bis 500 000 Pfund - ist das älteste vollständige Tafelsilber-Set des Abendlands. Es stammt aus der Werkstatt des berühmten Augsburger Goldschmieds David Altenstetter und wurde im Jahr 1615 gefertigt.

          Man fand es durch Zufall in einem der ehemaligen Schlösser des Augsburger Bankiers Christian I. von Münch (1690 bis 1757). In den vergangenen zehn Jahren, heißt es bei Christie's, habe es keinen vergleichbaren Fund im Bereich des deutschen Silbers gegeben. Jedes der sechsunddreißig Besteckteile ist mit Blattwerk-Ornamenten reich verziert. Die Messergriffe mit Emailledekorationen hat der Meister signiert und datiert. Weltweit finden sich gerade ein halbes Dutzend signierter Werke David Altenstetters. Das bisher älteste bekannte Besteckset stammt aus dem späten 17. Jahrhundert.

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