Das Museum kannte sie schon, als es noch gar nicht gebaut und nur eine vage, doch hartnäckig verfolgte Idee war: Neben dem Bahnhof Rolandseck - den er vor dem Abriss gerettet und in ein Kulturzentrum verwandelt hatte - vor den Toren der alten Bundeshauptstadt Bonn wollte Johannes Wasmuth ein eigenes Haus für Hans Arp schaffen. Damals, Mitte der siebziger Jahre, war Margarethe Posselt mit ihrem Mann gerade von Frankfurt ins Rheinland, und zwar „fast in die Nachbarschaft“ gezogen, und so hat sie viele Veranstaltungen dort besucht.
Kunst hat sie damals noch nicht gesammelt, nur „ein paar Bilder zusammengetragen“. Erst um 1985 begann sie ihre Vorlieben zu präzisieren und informelle und abstrakte Kunst aus der Zeit zu erwerben, „in der ich selbst jung war“. Als sie 1992 in Bonn, wo sie inzwischen wohnte, den „Kunstraum MI Posselt“ in der Kurfürstenstraße eröffnete, setzte sie gezielt auf junge Künstler und (Wieder-)Entdeckungen: Fünfundsechzig Ausstellungen hat ihre Galerie bis 2003 gezeigt - und am Anfang viele kritische Positionen aus der gerade untergegangenen DDR präsentiert.
Wahlfreiheit für das Museum
Was sich in Rolandseck tat, hat Margarethe Posselt weiter aufmerksam wahrgenommen, und als 2007 endlich der Neubau von Richard Meier auf der bewaldeten Anhöhe über dem Rhein stand, traf sie dort Künstler wieder, mit denen sie als Galeristin zusammengearbeitet hatte: Erwin Wortelkamp etwa oder zuletzt K. O. Götz, dem in Rolandseck 2010 eine große Werkschau ausgerichtet wurde. „Durch Zufall“, so Margarethe Posselt, sei sie mit Museumsdirektor Oliver Kornhoff ins Gespräch gekommen, der sich für ihre Sammlung interessierte.
Was sich daraus entwickelt hat, wurde Mitte dieser Woche festlich begangen: Margarethe Posselt hat dem Haus eine Schenkung von einundzwanzig Werken überlassen, Arbeiten von K. O. Götz vor allem, darunter ein seltenes Stahlrelief, Gouachen und Lithographien, dazu Holzskulpturen und Zeichnungen von Wortelkamp sowie eine mehrteilige Edition von Victor Vasarely. Bedingungen hat die Sammlerin keine gestellt, im Gegenteil: „Ich habe angeboten, was dort hinpasst. Das Museum konnte selbst die Auswahl treffen.“
So hatten es Margarethe und Klaus Posselt schon mit dem Städel Museum in Frankfurt gehalten, dem sie im vergangenen Jahr Werke deutscher Künstler aus den fünfziger und sechziger Jahre stifteten, dreizehn Gemälde, neun Objekte und achtundvierzig Graphiken. Und erst im Januar haben sie dem Kunstmuseum Bonn hundertfünfzig Papierarbeiten zum Geschenk gemacht. „Das Beste ist weg, nur ein Bodensatz ist noch da“, sagt Margarethe Posselt, auch ihre drei Kinder haben sich schon Arbeiten ausgesucht: „Kunst findet ihren Ort“, ist sie überzeugt - und steht für einen Typ Sammler ein, den es, fast schien es vergessen, auch noch gibt.