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: Willkommen im Landerziehungsheim!

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Die Wege zwischen Elite und Avantgarde sind verschlungen, aber manchmal unheimlich kurz. Die Geschichte von dem Säbel, den Oberfähnrich Schenk Graf von Stauffenberg, 1929 Jahrgangsbester der Kavallerie an der Kriegsschule des Heeres in Hannover, als Auszeichnung erhielt, beschreibt so einen unheimlichen ...

          Die Wege zwischen Elite und Avantgarde sind verschlungen, aber manchmal unheimlich kurz. Die Geschichte von dem Säbel, den Oberfähnrich Schenk Graf von Stauffenberg, 1929 Jahrgangsbester der Kavallerie an der Kriegsschule des Heeres in Hannover, als Auszeichnung erhielt, beschreibt so einen unheimlichen Weg: Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde der stauffenbergsche Ehrensäbel von einem gewissen Herbert Mies, der als Rentner in Mannheim lebte, einem rheinischen Museum übergeben, das sich der Geschichte der Bundesrepublik widmet.

          Das sind erst einmal nicht mehr als zwei Namen mit unterschiedlichem Bekanntheitsgrad. Sie werden aber für jemanden, der wie der Autor dieser Zeilen in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre in der sozialistischen Schülerbewegung an einem Gymnasium in der Nähe von Hannover aktiv war, sofort zu einem unheimlichen Erinnerungsfaden. Herbert Mies, das war damals der ewige Vorsitzende der 1968 als Nachfolgeorganisation der 1956 verbotenen KPD neu gegründeten Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Mies war für alle, die sich als undogmatische Linke verstanden, so etwas wie das Schreckgespenst des ewigen Bürokommunisten, dessen Utopie sich zuerst an der Pünktlichkeit der Schweizer Post orientierte.

          So einer mochte als Avantgarde der Werktätigen ja seinen Sinn haben. Für das, was wir wollten (keine Macht für niemand), war dieser Herr mit seinem immer gleichen Anzug aber sterbenslangweilig und zugleich irgendwie bedrohlich. In gewisser Weise genauso bedrohlich wie Schenk von Stauffenberg, der uns gerade von jenen Geschichtslehrern als leuchtendes Beispiel des deutschen Geistes vorgehalten wurde, die die Nazis aufrichtig hassten, methodisch aber noch nicht einmal in der Weimarer Republik angekommen waren.

          Unheimlich heimlich.

          Der Zusammenhang zwischen Mies und Stauffenberg, von dem Ulrich Raulff in seiner gerade erschienenen George-Studie "Kreis ohne Meister" gleich zu Anfang berichtet, lässt die sozusagen schon immer befürchtete Verbindung von deutschem DDR-Kommunismus und Preußentum zur Gewissheit werden. Es gehört, um das vorwegzunehmen, zu den Eigenheiten dessen, was Raulff in diesem Buch erzählt, dass es so viele Punkte der Geschichte der Bundesrepublik berührt, dass es für politisch, sozial und historisch interessierte Leser fast unmöglich scheint, nicht irgendwo auch selbst berührt zu werden und als Autor in dieses Buch hineinsprechen zu wollen.

          Ein Wunder ist das nicht. Ulrich Raulff gehört selbst zu den Figuren der alten Bundesrepublik, die aus den Verirrungen der in Gewalt oder Kaderparteien steckenden Linken einen Weg wiesen. Raulff war hierzulande einer der ersten Übersetzer der Arbeiten des französischen Philosophen Michel Foucault. Und auch wenn er über die Stationen als Feuilletonchef der F.A.Z., als leitender Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", mittlerweile als Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, so haben Raulffs Wahrnehmung und Methodik vieles von dem, was der französische Philosoph von Wahrheit, Sexualität und Gegengeschichte praktiziert hat, mitgenommen und angewendet.

          Raulffs erklärtes Vorhaben ist es, eine Geschichte des Nachlebens des "geheimen Deutschlands" zu schreiben. Als "geheimes Deutschland" hatte sich der Kreis um den am 4. Dezember 1933 verstorbenen Dichter Stefan George verstanden. Für Raulff sieht es so aus, dass dieses geheime Deutschland aber erst mit dem Tod Georges zu leben begann. Deshalb heißt das Buch "Kreis ohne Meister", deshalb geht es um das Nachleben Georges.

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