http://www.faz.net/-gyz-xx5d

: Neu ausbetoniert

  • Aktualisiert am

Was macht ein Denkmal mit einem Ort? Und was passiert mit einem Denkmal, wenn sich der Ort verändert? Diesen Fragen ist die Wiener Architekturtheoretikerin Sigrid Hauser in dem katalonischen Dorf Portbou auf der Spur. Hier, an der Costa Brava, nicht einmal tausend Meter von der spanisch-französischen ...

          Was macht ein Denkmal mit einem Ort? Und was passiert mit einem Denkmal, wenn sich der Ort verändert? Diesen Fragen ist die Wiener Architekturtheoretikerin Sigrid Hauser in dem katalonischen Dorf Portbou auf der Spur. Hier, an der Costa Brava, nicht einmal tausend Meter von der spanisch-französischen Grenze entfernt, hatte sich Walter Benjamin auf der Flucht vor der Gestapo 1940 das Leben genommen. Wie für so viele Emigranten während des NS-Regimes wurde Portbou auch für den Berliner Philosophen zum Schicksalsort. In ihrem Buch verfolgt Hauser den Weg, den der herzkranke Benjamin in seinen letzten Tagen einschlug. Ausgangspunkt ist der von Dani Karavan konzipierte und 1994 eröffnete Gedenkort "Passagen": ein stählerner Korridor, der sich vom Friedhofsvorplatz teils unterirdisch durch die felsigen Klippen bis zum Meer erstreckt. Reich und farbig illustriert - von kleinen Triptychen bis zu doppelseitigen Bildern - beschreibt Hauser die Eindrücke und Gefühle, die sie beim Erkunden des Ortes überkommen. Hauser rollt den Weg des Philosophen von seinem Ende her auf, begibt sich zum überdimensionalen Bahnhof und in das einsame Tal westlich von Portbou, wo Benjamins Flucht endete. Das ehemalige Fischerdorf, heute von Arbeitslosigkeit geprägt, versucht mit dem "Monumento Walter Benjamin" Touristen anzuziehen. Und enttäuscht muss die Autorin feststellen, dass die neu ausbetonierte Bucht und der Bau einer Straße zum örtlichen Jachthafen die faszinierende Wirkung des Denkmals zu zerstören drohen. (Sigrid Hauser: "Der Fortschritt des Erinnerns". Mit Walter Benjamin und Dani Karavan in Portbou. Wasmuth Verlag, Tübingen 2010. 192 S., Abb, geb., 24,80 [Euro].)

          grin

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2011, Nr. 11 / Seite 32

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Facebook-Post von Hildmann: „Ein Bild mit einer Pumpgun beim Sportschießen ist noch lange keine Gewaltandrohung“, sagt er.

          Vegan-Koch Attila Hildmann : „Wir werden ja sehen, ob ich ausraste“

          Der Vegan-Koch Attila Hildmann schreibt, dass er einer kritischen Journalistin gerne Pommes „in die Visage gestopft“ hätte. Dann lädt er sie und ihre Kollegen zum Essen ein – dazu stellt er ein Foto, das ihn mit Schusswaffe zeigt. Was soll das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.