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: Die Kasteiten und Eingeweihten

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Die "Frauen um Stefan George" überschriebene Aufsatzsammlung ist klug aufgebaut. Am Anfang steht Ernst Osterkamps Werkanalyse, die an der strukturellen Misogynie des Dichters nicht den Funken eines Zweifels lässt. Verpackt in den hohen Ton seiner Privatmythologie, wird die moderne, Ehe, Haushalt und Kinder scheuende Frau so erbarmungslos exekutiert, wie es Osterkamp mit Georges Versen tut.

          Die "Frauen um Stefan George" überschriebene Aufsatzsammlung ist klug aufgebaut. Am Anfang steht Ernst Osterkamps Werkanalyse, die an der strukturellen Misogynie des Dichters nicht den Funken eines Zweifels lässt. Verpackt in den hohen Ton seiner Privatmythologie, wird die moderne, Ehe, Haushalt und Kinder scheuende Frau so erbarmungslos exekutiert, wie es Osterkamp mit Georges Versen tut. Am Schluss des Bandes jedoch steht Maik Bozzas Würdigung der Romanistin Clotilde Schlayer, die George am Ende seines Lebens nahestand und sich gemeinsam mit ihrem Mann neben dem Dichter begraben ließ. "Kommen Sie mal her - jetzt werden Sie eingeweiht - das dürfen sonst nur Männer", habe der Dichter sie wissen lassen und ihr vorgeführt, wie man sein Bett herrichtet. Die Ironie wird beidseitig gepflegt. Schelmenhaft-spitzbübisch, wie Schlayer in Briefen fein notiert, "verhandelt George mit ihr ausdrücklich die untergeordnete Rolle der Frau im sozialen Denken und Handeln seines Kreises" und lässt wissen, dass "man", worin sich im gemeinsamen Sprachgebrauch er selbst verbirgt, "eine einzelne Frau manchmal sehr gern" dabeihabe, "das ergäbe eine besondere Note".

          Mit dieser privilegierten Stellung ist Clotilde Schlayer nicht hausieren gegangen. Vielmehr verfolgte sie eine "Strategie der lustvollen Verschließung vor der Öffentlichkeit" und tat alles, um in der Hagiographie des charismatischen Dichters nirgends erwähnt zu werden. Wie die anderen weiblichen George-Jünger war sie durch Intelligenz, Autonomie und Bildung der Inbegriff der modernen Frau. Doch Schlayer legte keinen Wert darauf, die Misogynie der Dichtung öffentlich in Frage zu stellen. Ihr genügte der Beweis an Ort und Stelle: die Erfahrung, dass George ihrer Persönlichkeit nicht standhielt und sich genötigt sah, seine poetische Weltsicht für sie zu akkomodieren.

          Ida Coblenz war die psychisch labile Jugendliebe, die Elisabeth Höpker-Herberg für Georges Frauenbild verantwortlich macht. Vom Dichter, wohl auch seiner latenten Homosexualität wegen, physisch abgestoßen, suchte sie seine Unterstützung als Schriftstellerin, beneidete ihn um seinen Genius und machte ihn als unglücklich Verheiratete zu ihrem Vertrauten. Als sie ihm das "Grauen" offenbart, als das sie den sexuellen Akt empfindet, bewundert der Dichter ihre Offenheit und bekennt: "Haben Sie denn in meinem gesicht nie geraten dass es das nämliche ,grässliche' war, was meines lebens ganze qual gewesen ist?"

          Aus anderem Holze war die angesehene Porträtmalerin Sabine Lepsius, die es selbstbewusst als "Erlösung" für George beschrieb, bei ihr als "einer Frau zu sein, die so absolut frei ist von dem gefälligen Ton": Misogynie war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts offenbar nicht bloße Männersache. Mit der Zulassung von Frauen zum Studium, der Reformbewegung und der Rollenauflösung, die mit dem Ersten Weltkrieg einherging, brach eine Kluft auf zwischen der auf Repräsentation und seelenvolle Gefälligkeit abonnierten traditionellen Weiblichkeit und einer Frau, die sich an männlichen Karrieren orientierte und in akademischen Diskursen mithielt. Pikanterweise ist es genau diese von George dämonisierte Frau, die in seine innersten Kultkreise vordringt und sich seine Verachtung für ihre Geschlechtsgenossinnen in die Geringschätzung des Plappermauls übersetzt. Wie sehr sich Lepsius in die George-Welt hineindachte, lässt sich am unvollendeten Triptychon ablesen, das sie mit ihm im Zentrum plante: "Die beiden Felder rechts und links waren ausgefüllt mit nackten musizierenden Knaben." George hätte sie lieber Flöte als Geige spielen sehen, doch Lepsius wollte "die Vorstellung des Vibrierens der Violine nicht opfern". Später rechtfertigte der Dichter diese Freundschaft mit den Worten: "Wenn Sie wüssten, wie langweilig Deutschland damals war."

          Auch für Gertrud Kantorowicz, die langjährige Geliebte des George nahen Georg Simmel, war es eine Ehre, vom Dichterfürsten wie ein Mann behandelt zu werden. "Endlich eine die schweigen kann", gab er zu Protokoll und nahm ihre Gedichte unter dem Pseudonym Gert Pauly in seine "Blätter für die Kunst" auf. Von George ließ sie sich zur Gründung eines literarischen Frauenzirkels inspirieren und machte Ernst mit jenem "heroischen Dasein", das die von Griechenland schwärmende George-Jugend propagierte: Sieben Jahre bevor sie selbst 1945 in Theresienstadt starb, versuchte die jüdische Fabrikantentochter den Philosophen Ernst Gundolf aus Buchenwald freizubekommen, "indem sie dorthin fuhr und mit dem Kommandanten verhandelte". Dass sie auf Wunsch Georg Simmels ihre gemeinsame Tochter ein Leben lang versteckte, quittierte George mit dem Ausspruch: "Eine solche diskretion könne einem den glauben an den menschen wiedergeben."

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