07.07.2007 · Nach den Russen erobern auch die ungarischen Bieter die deutschen Auktionshäuser, wenn es um die Versteigerung der Kunstwerke ihrer Heimat geht. Diese Erfahrung machte Neumeister bei seiner jüngsten Auktion, bei der auch ein Rekord für die Op-Art-Künstlerin Bridget Riley bejubelt werden konnte.
Von Brita SachsDie Frühjahrssaison hatte für Neumeister extrem erfolgreich damit begonnen, dass die Moderne-Auktion das beste Gesamtergebnis seit Bestehen dieser Abteilung im Hause einfuhr: Es gelang ein Rekord für die britische Op-Art-Künstlerin Bridget Riley. Ihr „Byzantinum“, ein Breitformat flirrender Diagonalen von 1969, schnellte in einem Gefecht auf 1,32 Millionen Euro, die der in Auktionssälen omnipräsente Kontaktmann eines griechischen Reeders bewilligte. Er will das Bild, das ihn das Dopppelte der Schätzung kostete, in seinem in Planung befindlichen Museum zeigen.
Dort dürfte auch Fruhtrunks Gemälde „Skansion“ landen, das, oft ausgestellt und zudem noch einstiges Eigentum von Max Imdahl, 49.000 Euro erforderte (Taxe 30.000/35.000 Euro). Beide Bilder entstammten einer in den achtziger Jahren begonnenen Sammlung im Rheinland, aus der auch das blaue Bild „Quasar II“ von Vasarély eingeliefert wurde. Diesem einst umjubelten Künstler widerfährt nach Jahren der Ablehnung neuerdings Genugtuung. Heiß begehrt ging das Werk, zu verdoppelter Obertaxe, bei 120.000 Euro telefonisch in den deutschen Handel. Eine Münchner Privatsammlerin, die sich von Warhols vierblättriger Serigraphiefolge „Goethe“ trennte, freute sich über das Ergebnis von 72.000 Euro (25.000/30.000).
Picasso wirbelt auf
Lovis Corinth landete bei der klassischen Moderne mit dem duftigen „Geburtstagsstrauß Lovischens“ von 1912 für 240.000 Euro vorn (200.000/220.000). Ein Sonnenuntergang am Staffelsee schafft tatsächlich 180.000 Euro (120.000/150.000), wenn er von Gabriele Münter zwar erst 1934, aber im Stil der frühen Jahre gemalt wurde. Hoch hinauf zog es Kolbes „Kniende“ aus demselben Jahr, die als Frühguss erst für 72.000 Euro (25.000/28.000) an einen Telefonbieter ging. Quirlig geriet die Auktion, als fünf Picasso-Zeichnungen von 1961 und 1971 aufs Pult kamen, die Zuschläge zwischen 35.000 und 73.000 Euro weit über das Erwartete hoben.
Nach den Russen engagieren sich nun auch die Ungarn immer stärker für Kunst aus ihrem Land: Erst trieben sie ein Konvolut Papierarbeiten des 1955 verstorbenen Budapester Malers Béla Kádár auf 181.000 Euro und dann vier Blätter seines Freundes Hugo Scheiber auf 53.000 Euro (14.500). Beide Künstler sind bei uns mitnichten Unbekannte, stellte sie doch schon Herwarth Walden in seiner „Sturm“-Galerie aus - doch erst das Interesse aus der Heimat bringt die Preise auf Trab.
Russen auf dem Vormarsch
In Budapest trug im ausgehenden 19. Jahrhundert Pál Holitscher seine Sammlung von Fayencen aus der mährischen Manufaktur Holitsch zusammen, mit der die Auktion von Kunst und Kunsthandwerk startete: Eine Terrine in Kohlkopfform und mit Schneckenhaus als Deckelknauf legte hier mit 5500 Euro (300) am markantesten zu. Alte Meister aus dem Nachlass des Malers Hans Best waren gefragt: Eine „Heilige Familie mit dem Hl. Hieronymus“ aus dem Umkreis des ferraresischen Künstlers Garofalo endete nach hartnäckigem Ringen bei 68.000 Euro (20.000). Bei der Malerei des 19. Jahrhunderts man sah dann erneut die Russen auf dem Vormarsch: Roubauds „Falkenjagd“ steigerte sich von 6000 auf 75.000 Euro. Und den ersten Platz der gesamten Auktion konnte Aiwazowskis „Stürmische Meeresküste“ von 1897 erobern: Der erstaunlicherweise deutsche Käufer des stimmungsvollen Bildes bewilligte 400.000 Euro (60.000).