10.04.2006 · „Neptun und Najade“ am Stand von D & S Antiquitäten und das „Blindekuhspiel“ bei Giese & Schweiger zeugen von der gestiegenen Nachfrage, der sich die Malerei von Hans Makart in jüngster Zeit wieder erfreut. Und auch Ferdinand Georg Waldmüller ist allgegenwärtig.
Von Dagmar GregoriWenn sich das zu feiernde Mozartjahr schon in alle Bereiche des täglichen Lebens mischt, warum sollte es ausgerechnet vor der 31. Kunst- und Antiquitätenmesse haltmachen, die ab heute in den Räumen der Salzburger Residenz stattfindet? D & S Antiquitäten beispielsweise zeigen ihr Uhrenangebot unter dem Motto „Mozart und seine Zeit“. Sie bieten mit sechzehn Uhren aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Schmuckstücke aus der Lebenszeit des Musikers an. Zu den schönsten zählt eine Flötenuhr, verziert mit einer Diana samt Pfeil und Bogen, deren Orgelwerk acht Melodien im Repertoire hat (45 000 Euro).
Für Aufsehen am Stand dürfte Hans Makarts Gemälde „Neptun und Najade“ (Preis auf Anfrage) sorgen, einst wohl als Theater- oder Bühnendekoration gemalt, hat es doch eine Größe von drei mal drei Metern. Ein höchst heiteres Grüppchen ist zu sehen, das da, als wären es Wasserspiele im Park von Hellbrunn, vor sich hin plätschert.
Fleißmedaille und Teeservice
Makart, der für dekorativ in Szene gesetzte Lebenslust steht, erfreut sich in jüngerer Zeit wieder einer größeren Nachfrage, und so zeigen Giese & Schweiger mit einem „Blindekuhspiel“ für 65 000 Euro ebenfalls ein Werk des Wiener Salonmalers. Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller sind wieder häufiger auf Messen zu sehen. Neben zwei Porträts (bei Runge und bei Giese & Schweiger) feiert Konrad O. Bernheimer seinen Salzburg-Einstand mit Waldmüllers Sittenbild auf Papier „Die Fleißmedaille“ (380 000 Euro), das erst kürzlich bei Christie's den Besitzer wechselte. Salis & Vertes präsentieren in ihrer Heimatstadt ebenfalls Messehöhepunkte: Gabriele Münters spätes „Stilleben mit grünem Buch und Rettichen“ (1,5 Millionen Euro) und ihr österliches „Rosa Stilleben“ (Preis auf Anfrage).
Mit einem vierteiligen Teeservice (56 000 Euro), um 1918 von Josef Hoffmann entworfen, ist die Wiener Werkstätte vertreten, von der Galerie bei der Albertina. Eines der raren Exemplare des Thonetschen Schaukelsofas Nr. 7500 bietet Constanze Ilko für 7500 Euro an; und Patric Kovacs verblüfft mit dem Doppelgänger eines aufwendig gestalteten Zierschranks (18 000 Euro) aus dem Wiener Museum für Angewandte Kunst, von Clemens Frömmel entworfen.
Mit Kristallbehang und Geweihstangen
Seltenheitswert hat eine venezianische Blaulack-Kommode mit vergoldeten Schnitzereien (145 000 Euro) am Stand von Uwe Dobler. Bei Wiesinger ist eine kleine, dafür aufwendiger gestaltete Louis-XVI.-Kommode von Bertrand Alexis Chaumond mit Rosenholz-, Palisander- und Ahornmarketerie, Marmorplatte und Bronzebeschlägen zu entdecken (25 000 Euro).
Schlapka lockt mit einem originellen sechsunddreißigflammigen Lüster, 1825 in Neapel entstanden, geschnitzt, vergoldet, mit Kristallbehang und Krönchen obendrauf (78 000 Euro). Und Simon Weber-Ungars Wissenschaftliches Kabinett gibt sich mit zwei Fauteuils samt Tisch aus Geweihstangen (7500 Euro) eher als Jagdstüberl, dem man den plastisch ausgeführten Steinbockhornhumpen bei Moskart (17 000 Euro) hinzudenken möchte.