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Veröffentlicht: 19.01.2013, 07:00 Uhr

Kunst- und Antiquitätenmesse Der Welt hübschester Setzkasten steht in Belgien

Brüssels liebevoll eingerichtete Kunst und Antiquitätenmesse mischt Licht und Schatten zum begehbaren Kostbarkeitenkabinett.

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Die „Brussels Antiques and Fine Arts Fair“ hat treue Anhänger unter den Ausstellern und den Besuchern, die hier einkaufen, um sich den Alltag zu verschönern, nicht um die Werke als Leihgaben in Museen zu geben. Wenn in diesen Tagen in Belgien von „der Brafa“ die Rede ist, glühen die Gesichter – und dann wird weit ausgeholt, aus alten Zeiten erzählt, bevor der „Aufstieg“ kam. Damals als das Ganze noch „Foire des Antiquaires“ hieß und im Palais des Beaux-Arts stattfand, hätten die wenigen Aussteller noch gemeinsam in den Gängen Zigarre geraucht. Aber jetzt sei man „erfolgreich“, sagt einer, vom „ehrgeizigen Geschäft“ spricht ein anderer. „Die Preise haben mächtig angezogen“, meint eine Besucherin.

Die entspannten Zeiten sind vorbei

Die Messe kann sich ihr Selbstbewusstsein durchaus erlauben – die eher regionale Ausrichtung durch die mehrheitlichen Teilnehmer aus Belgien und Frankreich täuscht. 125 Aussteller zeigen Mittelalterliches neben Silber, Möbeln, Keramik, Kleinkram-Kuriositäten, Gobelins, Handschriften oder Fotografie. Ein bisschen Gegenwartskunst tut da nicht weh. Der Druck ist groß, da die Händler mittlerweile oft abhängig von den Verkäufen auf Messen sind und sie Nachwuchssorgen plagen. Auch das Laufpublikum in den Galerien nimmt immer weiter ab.


Auf der Präsentationsoberfläche sieht man der Messe diese Anspannung nicht an. Die Brafa ist die Kunst- und Antiquitätenmesse mit der liebevollsten Ambientegestaltung unter den kleinen Verkaufsschauen. Seit vierzehn Jahren wird sie im ehemaligen Rangierbahnhof Tour&Taxis in Szene gesetzt – eine Messe, die „einfach nur Spaß macht“, sagt Jean-Franois Taziaux von der Galerie Le Couvent des Ursulines aus Liège. Ein Blick auf seinen Stand macht deutlich, dass hier dem Prunk keine Grenzen gesetzt sind, mit einer Tafel aus vergoldeter Bronze von Claude Galle, um 1810, für 145.000 Euro.

Eine Eule breitet ihre Schwingen aus

Dezent und elegant tritt hingegen David Ghezelbash mit seiner „Archéologie“-Galerie aus Paris auf: Hier öffnet eine Eule, geschützt unter Glas, ihre Schwingen; geschnitzt ist sie aus einer Muschel im 8.Jahrhundert vor Christi Geburt (220.000 Euro). Bekannt sind diese Kunstwerke eher mit menschlichen Köpfen. Über ihre Herkunft ist leider nicht mehr zu erfahren als: englische Privatsammlung. Nur selten greift Gegenwartskunstaufregung durch – ein wenig zu spüren bei Guy Pieters aus Knokke-Heist, der eine wilde Mischung bietet: Er kombiniert Picasso, Julian Schnabel und Christo mit einem Dollarzeichen von Tim Noble&Sue Webster (320.000 Euro) bis zu einer Eisen-Skulptur von Wim Delvoye (325.000 Euro).
Die riesenhafte Halle des Palais ist geschickt mit einer repräsentativen Standarchitektur ausgefüllt, die nah zusammenführt, niemanden in unwirtlichen Ecken isoliert, gleichzeitig großzügig wirkt. Drei Gänge laufen parallel, bewegliche Wände bieten immer andere Perspektiven, brechen den Blick des Flaneurs. Lifestyle-Amerika umarmt europäische Kunsthistoriker-Ernsthaftigkeit.


Übertrieben allerdings wurde mit dem Licht: Teilweise ist es stockdunkel, und strenge Lichtkegel erhellen die Werke. Bei den Alten Meistern der Galerie Florence de Voldère scheinen die Oberfläche der Bilder dadurch eher wie Leuchtkästen; eine Einschätzung der Qualität ist so schwierig. Einer wohl über-restaurierten „Lucretia“ von Lucas Cranachd.J. bei Mullany aus London hilft das grelle Licht auch nicht (295.000Euro), ihr Dolch trifft auf eine Botoxhaut, die Halskette wirkt dilettantisch aufgemalt.

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Fünf Galerien aus Deutschland sind da, die Ikonen-Galerie Brenske aus München, der Spezialist für Antike Kunst Eberwein aus Göttingen, der Skulpturen-Händler aus Straubing Rainer Jungbauer, Tilman Roatzsch aus Haag und Elmar Robert aus Köln und Jörg Schuhmacher aus Frankfurt; wenige für ein Land, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Absicht dürfte das nicht sein – der neue Direktor der Brafa, Harold T’Kint de Roodenbeke wünscht sich jedenfalls neben den vielen Franzosen mehr internationale Teilnehmer. Jörg Schuhmacher hat René Magrittes kleines Gemälde „La belle Lurette – ages ago“ von 1965 mit langer Ausstellungs- und Publikationsgeschichte mitgebracht (Preis auf Anfrage). Intimer ist eine Reihe von Porträts, darunter auch ein Skizzenblatt mit Kopfstudien einer schlafenden Frau, von Koloman Moser aus dem Jahr 1889 (4600 Euro).

Gleich zwei Mal gibt’s Zitronen von Renoir


Außer mit großen Namen wie Renoir, der gleich zweimal mit Zitronen-Stillleben vertreten ist (das qualitätsvollere hängt bei Tamenaga und entstand 1915), reizt die Brafa durch den Fundus an Kleinoden. Die Galerie Honourable Silver Objects aus Antwerpen hat ein Kabinett mit Kuriositäten aufgebaut, das zum Stöbern einlädt. Im kleinteiligen Ensemble versteckt sich ein Thermometer aus Elfenbein, ein Kompass, ein kleiner Globus, fein geschnitzte Dosen oder ein Muschellöffel. In einer Ecke leidet der heilige Sebastian aus dem späten 18.Jahrhundert für 22.000 Euro, weiter unten schaut sich ein Bettler mit zerrissenen Kleidern im Spiegel an; die Elfenbeinskulptur diente im 18.Jahrhundert Wohlhabenden zum Amusement (10.000 Euro). Ein Würfel mit ungewöhnlich vielen Seiten, ebenfalls aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, half Ärzten bei der medizinischen Diagnose (5600 Euro); auch ein Messgerät für den Alkoholanteil aus Tropenholz (980 Euro) verspricht Nutzen. Herrliche handschriftliche Korrespondenz von Künstlern (leider nur Männern), angereichert mit der passenden Schwarzweißfotografie, lässt sich beim Pariser Händler von „Signatures“ nachlesen. Sigmund Freuds Notiz zu seinem Geburtstag mit Foto verkaufte sich schon für 45.000 Euro: Die Psychologie hinter diesem Preis ist kein Rätsel.

Brussels Antiques & Fine Arts Fair. Tour&Taxis, vom 19. bis zum 27. Januar. Geöffnet täglich von 11 bis 19 Uhr. Am Dienstag, den 22.Januar und Donnerstag, den 24. Januar, bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet 20Euro, der Katalog 10Euro.

Quelle: F.A.Z.

 

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