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Kunst und Antiquitäten Triumphale Rückkehr unter die hohe Kuppel des Grand Palais: Die 23. Ausgabe der „Biennale des Antiquaires“

16.09.2006 ·  Die jüngste Ausgabe der Biennale steht mehr als je zuvor im Zeichen eklektischer Vielfalt. Die traditionelle Königsdisziplin - französische Möbel und Kunsthandwerk - ist weiterhin glanzvoll vertreten, steht jedoch nicht mehr im absoluten Zentrum.

Von Angelika Heinick
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Paris ist die Hauptstadt des Luxus. Dieses Selbstverständnis hat der 23. Biennale des Antiquaires ihren Anspruch diktiert. Die Rückkehr ins Grand Palais nach vierzehn Jahren gleicht einem Triumphzug. Mit dreißig bis 35 Millionen Euro hat der französische Händlerverband, das „Syndicat National des Antiquaires“, ein - selbst für die Pariser Prestigemesse unerhörtes - Budget aufgeboten. Mit 111 Teilnehmern aus elf Ländern, davon ein gutes Drittel aus dem Ausland, müssen sich noch ein paar Galerien mehr als zuletzt 2004 die auf 4000 Quadratmeter verknappte Ausstellungsfläche teilen. Der Pariser Stardekorateur François-Joseph Graf errichtete eine klassizistische Festung, die ihre Schätze wie ein musealer Bazar im Innern entfaltet. Die sieben Meter hohen Trompe-l'œil-Fassaden, Ergebnis der Projektion eigens gefertigter Aquarellzeichnungen auf Stoff, sind vom Schmuck des Grand Palais inspiriert. Diese Biennale verdankt ihr hochgestimmtes Ambiente zweifellos dem wiedergefundenen - im Ausweichquartier der unterirdischen Säle des Carrousel du Louvre schmerzlich vermißten - Licht, das durch die Kuppel nun großzügig einfällt.

Artemis und Barbarella

Den größten Nutzen ziehen aus dem Dekor die Werke und Objekte, die ihm in Dimension oder Anspruch gerecht werden, wie etwa die Suite von acht zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Paris für Heinrich IV. gewebten Wandteppichen zur „Histoire d' rtémise“, der Witwe des Königs Mausolos von Karien, nach Zeichnungen von Antoine Caron: Die Galerie Chevalier hat die mit Goldfaden gewebten Teppiche restaurieren lassen und hofft nun auf einen Mäzen für das zukünftige „Musée des Gobelins“, das sieben weitere Teppiche dieser Serie besitzt und diese zu ergänzen wünscht (um zwei Millionen Euro). Landau Fine Arts aus Montreal vereint im Grand Palais zwei großformatige Gemälde von Picasso, „Les Dormeurs“ und „Homme et femme nue“ von 1965, die vor genau vierzig Jahren schon einmal dort ausgestellt waren (je 15 Millionen Dollar). Der auf rund zwei Millionen Euro bezifferte Kopf eines „Oba“, eine Bronzeskulptur der Zeit zwischen 1550 und 1650 aus dem Königreich Benin, nimmt bei Alain de Monbrison den königlichen Mittelpunkt ein. Ein nicht weniger eindrucksvolles Meisterwerk hellenistischer Bildhauerei in Bronze bietet Phoenix Ancient Art mit dem Kopf eines „Herakles mit Löwenfell“ aus dem dritten oder zweiten Jahrhundert vor Christus, für drei Millionen Dollar.

Die jüngste Ausgabe der Biennale steht mehr als je zuvor im Zeichen eklektischer Vielfalt. Die traditionelle Königsdisziplin - französische Möbel und Kunsthandwerk - wird von den Pariser Händlern Aaron, Aveline Perrin oder Steinitz - Maurice Ségoura hat seine Galerie im Frühjahr geschlossen - weiterhin glanzvoll vertreten; sie steht jedoch nicht mehr im absoluten Zentrum. Pierre Passebon, Verfechter des immer beliebter werdenden 20. Jahrhunderts, schmunzelt bei dem Gedanken, daß er als erster Objekte aus Plastik auf der Biennale ausstellt: Seine drei Lüster der Sechziger vom Dänen Verner Panton - dabei ein mit blauen Kugeln behängtes, auf rund 140 000 Euro beziffertes Exemplar, dessen Prototyp Roger Vadim 1968 in „Barbarella“ einen Auftritt verschaffte - wurden bei der Eröffnungsgala auf einen Schlag verkauft.

Der diesjährige Star des Art-déco-Angebots ist Jean-Michel Frank, dessen nüchtern-elegante Kreationen der frühen dreißiger Jahre sich bei Vallois zu einem musealen Salon vereinen: Jedes Teil, von der mit Haifischhaut überzogenen Kommode über die Tischlampe aus Elfenbeinlamellen bis zur geschwungenen Jardinière mit sieben beige-rosa Blumenkästen, ist ein Einzelstück. Über die Preise der sämtlich bereits bei der Eröffnung verkauften Objekte - für ein Möbel von Frank ist zweifellos mit einer bis anderthalb Millionen Euro zu rechnen - schweigt man sich aus.

Kleopatra und Lucrezia

Zwangsläufig klassisch gibt sich das Angebot der Alten Meister, angefangen mit einer „Verkündigung“ in Form von zwei Flügeln eines Altars von Spinello Aretino, herrliche Temperagemälde auf Goldgrund der Jahre 1380 bis 1385, die Bob Haboldt für 1,2 Millionen Euro offeriert. „Kleopatra“ und „Lucrezia“, von Lucas Cranach d. J. als ebenso graziöse wie mutwillige Persönlichkeiten porträtiert, bilden ein starkes Paar bei De Jonckheere (480 000 Euro), während der „Blick durch einen Bogen auf den Tempel von Paestum“, eine meisterhafte Landschaft in der Tradition des 18. Jahrhunderts von Antonio Joli, bei Bernheimer-Colnaghi zum meditativen Verweilen lädt. Kunstkammerobjekte haben eindeutig Aufwind: Georg Laue aus München bestreitet sein Biennale-Debüt mit einer Sammlung von Bernsteinobjekten und einer spektakulären Eisenschnittschatulle des Parisers Hugues Briville von 1670 (130 000 Euro); die Galerie Neuse hat die bezaubernde Figur einer Tirolerin aus Elfenbein, Schildpatt und Perlmutt des Bildhauers Lücke von 1730 mitgebracht (500 000 Euro), deren männliches Pendant noch heute im Grünen Gewölbe in Dresden weilt und ihre Rückkehr ersehnt.

Unbeeindruckt vom eitlen Treiben einer Kunstmesse, wacht bei Patrice Bellanger die Terrakottaskulptur „La Parque et l'Amour“ von Gustave Doré (120 000 Euro). Schon hat Moira, die Schicksalsgöttin, die Schere am Lebensfaden von Eros angesetzt: Doch bevor es soweit ist, darf man sich bei der Münzspezialistin Sabine Bourgey der „Versuchung“ einer Jugendstil-Medaille hingeben, die Eva und der Schlange gewidmet ist - mit tausend Euro zum Preis eines Souvenirs.

Bis zum 24. September. Täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 15 Euro, der Katalog 45 Euro.

Quelle: F.A.Z., 16. September 2006
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