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Kunst und Antiquitäten Die Vertreibung der Zeit

 ·  Ein rätselhaftes Herrscherporträt aus der Nachfolge Dürers und strahlende Landschaften des 19. Jahrhunderts: Fast tausend Lose bietet Im Kinsky in Wien - die Vorschau.

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© Im Kinsky Aus der Nachfolge Albrecht Dürers, „Philipp der Schöne – Philipp I. von Habsburg“ oder „ Kaiser Maximilian I.“, Öl auf Holz, 35 mal 24 cm (Taxe 80.000/150.000 Euro)

Seit seiner Gründung vor zwanzig Jahren stellt das Auktionshaus Im Kinsky eine fixe Anlaufstelle für Liebhaber von Antiquitäten des Jugendstils und der Wiener Werkstätte dar. Auch bei seiner 91. Auktion, bei der aus fünf Sparten insgesamt 943 Lose zum Aufruf kommen, locken wieder etliche Raritäten aus dem Fin de Siècle.

Neben exquisiten Silberobjekten wird dort nun auch der Trend zu historischen Gartenmöbeln befriedigt: Mit der moderaten Taxe von 12.000 bis 25.000 Euro kommt eine weiß bemalte Garnitur auf den Markt, die Josef Hoffmann 1905 entworfen hat. Die Wiener Eisengießerei Kitschelt produzierte den Tisch samt drei Bänken und zwei Sesseln in der für den Architekten typischen Geradlinigkeit: Fehlen nur noch Hoffmanns silberne Sandwichtasse mit Glaseinsatz (Taxe 18.000/30.000 Euro) oder das elegante Vasenpaar (15.000/25.000) zur stilechten Krönung der sommerlichen Tea Time.

Ruinencapriccios von Giovanni Panini

Rätsel gibt das Bildnis auf, das den Katalog zur Offerte der Alten Meister schmückt. Das kleinformatige, von einem Nachfolger Albrecht Dürers mit Öl auf Holz verewigte Herrscherporträt gleicht Kaiser Maximilian I. ebenso wie seinem Sohn, Philipp dem Schönen. Die Originalwerke von Dürer selbst sowie von Bernhard Strigel dürften als Vorlage für das mit 80.000 bis 150.000 Euro taxierte Brustbild gedient haben, das laut Expertise von 1615 an entstanden ist.

Aus dem Nachlass von Giacomo Casanova soll ein Paar Ruinencapriccios stammen, das Giovanni Panini in seiner Frühzeit gemalt hat (60.000/100.000): Als Wiedererkennungsmotiv für diese Schaffensphase gilt ein schwarzweißer Hund, der die Figurenstaffage begleitet. Im Doppelpack ist auch die Flusslandschaft zu haben, die der Turiner Vittorio Amadeo Cignaroli als Pendants mit Öl auf Kupfer in Sommer- und Winteransichten gemalt hat (50.000/100.000).

In Antwerpen um 1580 entstand die Tafel „Vanitas - Die Vertreibung der Zeit“ eines unbekannten Künstlers, die zuvor Pieter Brueghel III. zugeschrieben war: Von einem Volksauflauf, der Bauern ebenso wie Aristokraten umfasst, wird Chronos mit der Sanduhr aus der Stadt geworfen, und auch Gevatter Tod muss weichen (50.000/100.000). Ebenfalls reich an Figuren haben Jan Brueghel d. J. und Jan van Balen Werkstatt eine vorliegende „Taufe Christi“ komponiert, die besonders durch ihre leuchtende Farbgestaltung überzeugt (60.000/100.000).

Ein Blumenstillleben von Oskar Kokoschka

Der österreichische Stimmungsimpressionismus dominiert die Toplose aus dem 19. Jahrhundert, allerdings fehlen Spitzenwerke dieser Strömung. Marie Egner führt mit dem Ölbild „Blühender Baum am Ententeich“ (35.000/70.000) und mit einer Ansicht aus der Steiermark (25.000/ 50.000) in den Frühling, während ein Wandbild von Olga Wisinger-Florian den Herbstcouleurs huldigt (35.000/70.000). Robert Russ ist mit einer detailreichen Kanal-Landschaft aus Utrecht vertreten (25.000/50.000), Tina Blau schickt in das Abendrot bei „Weissenkirchen in der Wachau“ (18.000/35.000).

Schlicht „Schnee“ titelt eine Bergansicht Alfons Waldes, die im Angebot zur Klassischen Moderne vor blitzblauem Himmel auch zwei Almen zeigt (120.000/200.000). Ebenfalls mit Öl auf Karton malte der Tiroler das Marterl-Bild „Herrgott“ (50.000/ 100.000). Zu Anfang der fünfziger Jahre fertigte Oskar Kokoschka sein Blumenstillleben (50.000/100.000) und Max Weiler seine schon abstrahierten „Auffliegenden Vögel“ (50.000/100.000). In das Inferno führt Anton Koligs farbenprächtiger Entwurf für ein Glasfenster „Höllenhund“ von 1948 (40.000/80.000), der sich gegenüber Zoran Musics düsterem Kadaverbild „Wir sind nicht die letzten“ von 1973 (50.000/70.000) weniger höllisch als heiter ausnimmt.

Unter den Antiquitäten ist ein Renaissance-Kabinettschrank aus der Lombardei hervorzuheben, der auf seinen Einlagen aus Bein Szenen aus dem Marienleben zeigt (28.000/40.000). Eine bemalte gotische Madonna aus Lindenholz um 1420 kommt auf 35.000 bis 40.000 Euro. Aus dem österreichischen Kaiserhaus stammt ein Paar Prunkgirandolen aus Silber vom Ende des 19. Jahrhunderts, die der Hoflieferant Josef Carl Klinkosch mit Wappen, Knaben und Mädchen sowie Widderköpfen geschmückt hat (18.000/ 30.000).

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