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Kunst erben : Das rechte Maß: Wer bewertet ererbte Kunst?

  • -Aktualisiert am

Es gibt Situationen, in denen der „objektive“ Wert eines Kunstwerks ermittelt werden muß. Zum Beispiel im Erbfall ist für die Berechnung des Pflichtteilsanspruchs oder der anfallenden Erbschaftsteuer ein Geldwert zu ermitteln. Doch wer ist berufen, einen solchen Wert zu bestimmen?

          Was ist ein Kunstwerk wert? Läßt man einmal die Diskussion beiseite, ob es für Kunst ein „iustum pretium“ - einen angemessenen Preis also - überhaupt geben kann, gibt es in der Praxis nicht wenige Situationen, in denen der „objektive“ Wert eines Kunstwerks ermittelt werden muß. Zum Beispiel im Erbfall: Für die Berechnung des Pflichtteilsanspruchs oder der anfallenden Erbschaftsteuer ist ein Geldwert zu ermitteln, der als Berechnungsgrundlage dient. Doch wer ist berufen, einen solchen Wert zu bestimmen?

          Das Oberlandesgericht in Köln (Az. 2 U 153/04) hat sich jüngst hierzu in einem Erbstreit geäußert: Demnach soll für die Wertbestimmung eines Kunstwerks zur Ermittlung eines Pflichtteilsanspruchs die Bewertung durch renommierte Kunstauktionshäuser genügen. Dies gilt selbst dann, wenn zwei Gutachten in ihrer Bewertung voneinander abweichen. Für Gutachten professioneller Kunstgutachterkann nichts anderes gelten: Ausschlaggebend ist die ausreichende Sachkenntnis des Gutachters.

          Gutachten von Auktionshäusern haben ihre Eigenheiten

          Ob es sich auch um einen sogenannten öffentlich bestellten und vereidigten Kunstsachverständigen handelt, ist für die verbindliche Ermittlung eines Werts nicht entscheidend. Dabei haben Gutachten von Auktionshäusern - im Gegensatz zu beispielsweise Verkehrswertgutachten über Grundstücke - durchaus ihre Eigenheiten: Solche Bewertungen entsprechen meist nicht herkömmlichen Sachverständigengutachten, da sie weder ihre Bewertungsmethode beschreiben noch Ausführungen zu alternativen Bewertungsmöglichkeiten machen.

          Die Bewertungsmethoden entsprechen vielmehr einfachen Schätzungen. Als solche werden sie häufig auch bezeichnet. Denn in die Bewertung von Kunst fließen eine Reihe von Parametern ein, die nicht in dem Maße objektivierbar sind wie bei der Bewertung „normaler“ Wirtschaftsgüter. So ist die subjektive Einschätzung des Käufermarkts ebenso entscheidend wie der empfohlene Ort eines Verkaufs. Der objektiven Bewertung von Kunst sind, wie auch von Gerichten mehrfach treffend festgestellt, Grenzen gesetzt.

          Die Bestimmung des gemeinen Werts

          Grundsätzlich gilt es, den gemeinen Wert zu bestimmen. Dies ist der Wert, der dem Preis entspricht, der, so der Jurist, im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der konkreten Beschaffenheit des Werks bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Dabei sind alle Umstände zu berücksichtigen, die den Preis beeinflussen - vor allem der Umstand, daß der Markt eine komplette Sammlung zum Wert der Einzelwerke regelmäßig nicht auf einmal aufnehmen könnte.

          Insgesamt können bei der Bewertung eine Reihe von weiteren Abschlägen geltend gemacht werden; persönliche Ansichten des Sammlers, zum Beispiel die Bereitschaft, einen besonderen Liebhaberpreis zu zahlen, finden aber bei der Bewertung keine Berücksichtigung: Ein Kunstwerk als „Missing Link“ zur Komplettierung einer Sammlung spielt daher - im Gegensatz zur Preisbildung auf dem Kunstmarkt - keine besondere Rolle.

          Objektive Kriterien

          Zu einer Bewertung außerhalb des Steuerrechts können auch der Versicherungswert, die Anschaffungskosten oder ein späterer Verkaufswert herangezogen werden. Maßgebliche Kriterien zur Bewertung eines Kunstgegenstands oder einer Sammlung sind bereits erzielte Auktionsergebnisse wie auch Händlerpreise, soweit diese zugänglich sind. Hier sind internationale Auktionshäuser klar im Vorteil, verfügen sie doch über umfangreiche Datenbanken mit Auktionsergebnissen aus aller Welt. Weitere objektive Kriterien sind die kunsthistorische Stellung von Künstler und Werk sowie die Provenienz, Expertisen zur Authentizität und der Erhaltungszustand.

          Liegen mehrere Gutachten vor, deren Werte voneinander abweichen, muß nicht notwendig ein drittes Gutachten eingeholt werden. Im günstigsten Fall entspräche es genau einem der beiden anderen. Im Zweifel aber stellt es einen unabhängigen dritten Wert dar, der auf denselben Parametern beruht wie die übrigen Bewertungen: Nur deren Gewichtung und die subjektive Einschätzung fallen unterschiedlich aus und führen daher zu einer abweichenden Wertschätzung.

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