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Veröffentlicht: 22.02.2013, 17:00 Uhr

Kunst-Diebstahl Wer hat unseren Banksy geklaut?

Ein Graffito des Guerrilla-Künstlers ist in London von einer Hauswand verschwunden - und kommt nun in Miami zur Auktion. Die Bürger des Stadtteils toben.

von Verena Straub

Im Mauerwerk klafft eine quadratische Wunde. Dort, wo noch vor wenigen Tagen ein Stencil des britischen Künstlers Banksy zu sehen war, erinnert nur noch ein gemauerter Flickenteppich an das Werk des Street-Art-Künstlers. Die Anwohner des Londoner Stadtteils Haringey dachten sich nichts dabei, als in der vergangenen Woche vor dem Billigkaufhaus Poundland ein Gerüst mit Abdeckplane errichtet wurde. Erst am Samstagmorgen lüftete sich das Geheimnis der Baumaßnahmen: Banksys Kunstwerk samt Mauerstück war spurlos verschwunden. Der barfüßige asiatische Junge, der an einer Nähmaschine sitzt und sich an der Union-Jack-Flagge die Finger wund näht, war als unverblümte Kritik an den Discounter Poundland gerichtet, der 2010 wegen Vorwürfen in die Schlagzeilen kam, seine Billigware in Indien von Kindern produzieren zu lassen. Neun Monate lang verwandelte das Bild am Bordsteinrand die Wohngegend in eine Pilgerstätte für Banksy-Touristen.

Der frische Putz über dem Mauerloch in Haringey war kaum getrocknet, da tauchte der vermisste Banksy auch schon auf der Internetseite des Auktionshauses Fine Art Auctions Miami auf. Am heutigen Samstag soll das Stück unter den Hammer kommen und dem Einlieferer 500 000 bis 700 000 Dollar einbringen. Drei Angebote sind angeblich schon eingegangen. Doch wer bietet das Diebesgut überhaupt an? Das Auktionshaus beruft sich auf das Versprechen der Diskretion gegenüber dem Einlieferer, beteuert jedoch, dass die „Besitzverhältnisse sorgfältig geprüft wurden“. Die von Banksy kritisierte Kaufhauskette Poundland bestreitet, das Werk entfernt zu haben. Und was ist mit den Eigentümern des Gebäudes, die rechtlich gesprochen auch die legalen Besitzer des Werks sind? Sie schweigen. Genauso wie Banksy.

Banksy-Diebe laufen wie Goldgräber durch die Straßen

Schon seit einigen Jahren sorgt der Brite mit seiner Sprühdose für Furore auf dem Kunstmarkt. 2008 erzielte seine Damien-Hirst-Persiflage „Keep it spotless“ 1,7 Millionen Dollar bei Sotheby’s. Seither ziehen „Banksy-Diebe“ wie Goldgräber durch Europas Straßen und spüren die schwebenden Ratten, knutschenden Polizisten oder Blumenstrauß werfenden Rebellen mit Pickel und Presslufthammer auf. Aber auch auf legalem Weg werden die Trophäen fleißig aus Fassaden gehämmert (die glücklichen Eigentümer der Gebäude haben natürlich längst Profit aus Banksys illegalen Besprühungen geschlagen). Eine seiner bekannten Ratten wurde auch von einem Berliner S-Bahnbogen mit Genehmigung der Bundesbahn 2008 „gesichert“, also abgeschlagen, und zwei Jahre später bei Stahl in Hamburg versteigert.

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Auch wenn Graffiti rechtlich immer noch als Vandalismus gilt, sind Banksys Werke längst in den Status denkmalgeschützter Kulturgüter aufgestiegen. Der Gemeinderat von Haringey, Alan Strickland, sagte: „Alle waren begeistert, als das Graffiti letzten Mai hier auftauchte. Die Anwohner waren stolz darauf, einen Banksy zu haben.“ Um das Stencil vor pinkelnden Hunden oder Randalierern zu schützen, schraubte man eine Plexiglasscheibe davor und tat auch sonst alles Mögliche, um den eigenen Banksy massentauglich zu machen. Schon in der Metrostation waren Hinweisschilder angebracht, die die Schaulustigen zum Kunstwerk führten. Ein museales Leitsystem für illegale Guerrilla-Kunst?

Empörung über die Auktion des Diebesguts

Die Londoner sind empört über die geplante Auktion in Miami. „Banksy hat dieses Kunstwerk uns, der ganzen Gemeinde, zum Geschenk gemacht“, so Strickland, „und selbst wenn diese Investmentfirma technisch im Besitz des Bilds sein sollte, gibt ihr das nicht das Recht, es zu verkaufen.“ Zuletzt hat sich sogar das nationale Art Council eingemischt, um den entwendeten Banksy zurückzuholen. Da es sich jedoch um ein Werk handelt, das jünger als fünfzig Jahre ist, sind den Kulturbehörden rechtlich die Hände gebunden. Nun bleibt den Banksy-Fans nur eine letzte Hoffnung: dass das ersteigerte Stück nicht im Wohnzimmer eines anonymen Sammlers verschwindet, sondern irgendwann im Museum landet. Hinter Glas war es ja ohnehin schon.

Quelle: F.A.Z.

 

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