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Veröffentlicht: 12.11.2012, 06:05 Uhr

Kunst, Design, Afrikana Pink ist gut für die Kantine

Geiger, Kirkeby und andere: Bei Neumeister in München werden auch Werke aus dem Besitz von Siemens versteigert. Vorschau auf die Auktion mit Kunst, Design und Afrikana.

von Brita Sachs, München

Die Firma Siemens gönnt sich an alter Stelle eine neue Konzernzentrale im Zentrum Münchens. Für das Riesenensemble wird nicht nur fast der gesamte gewachsene, in seiner Kleinteiligkeit gut zur städtebaulichen Situation passende Altbestand abgerissen, sondern dort wird offenbar auch Kunst aussortiert, obgleich es an Platz künftig nicht fehlen sollte: Bemerkenswerte Werke aus der Siemens-Sammlung hat nun Neumeister im Programm der Moderne-Auktion am 17. November.

Zum Beispiel ist da Rupprecht Geigers siebeneinhalb Meter breites „845/91 (Pink moduliert)“, 1991 für das Betriebsrestaurant von Siemens in Auftrag gegeben, wo der leuchtende pink-rote Streifen, knapp unter der Decke installiert, ganze Arbeit als Spender positiver stimulierender Energie geleistet haben dürfte. Die kann sich, für geschätzte 70.000 bis 90.000 Euro, nun ein neuer Empfänger ins Haus holen.

Verfremdete Fahrradklingeln

Auch eine Folge von zehn Ölgemälden Per Kirkebys gibt Siemens her: 1997 schuf der Däne zwischen Landschaftserinnerung und Abstraktion gelagerte Kompositionen, deren Farbenpracht von warmem Ocker und Rot über erdige Grau- und Grüntöne zu leuchtendem Blau und Türkis mit weißen Inseln wandert. Auf diese Serie entfällt mit 280.000 bis 320.000 Euro die Spitzentaxe der Auktion.

Aus anderer Quelle kommen „Vier Herzen am Abend“, ein Gemälde rätselhafter tropfenartiger Gebilde von Konrad Klapheck; der Katalog weiß Rat: Es handle sich, heißt es dort, um verfremdete Wiedergaben von Fahrradklingelgehäusen und ihren Hebeln, der Meister technoider Motive malte sie 1961 in Grisaille-Tönen (Taxe 100.000/150.000 Euro). Ebenfalls rätselhaft schlingt Andreas Schulzes große graue Verwandte einer Brezel ihre geschmeidige Form bildfüllend vor primärfarbig gestreiftem Hintergrund (5000/ 7000).

Unter den Papierarbeiten der zeitgenössischen Abteilung sticht, neben zwei Aquarellen Sean Scullys (je 20.000/ 25.000), Warhols „Unidentified Male-Flower Power Thinker“ hervor, die Umrisszeichnung eines Männerkopfs mit Blume auf der Stirn und in die Hände gestütztem Kinn, die 1954 noch die geübte Hand des einstigen Werbegraphikers spüren lässt (40.000/50.000). Das Spitzenstück in einer kleinen Anzahl Fotoarbeiten zu werden verspricht Thomas Ruffs 2001 aufgenommenes Porträt einer jungen Frau in passbildhafter Frontalansicht und außergewöhnlichem Großformat, wie sie den Becher-Schüler einst berühmt machten (50.000/70.000).

Eine Winterlandschaft von Nolde

Im Angebot zur Klassischen Moderne gilt Willi Baumeisters Gemälde „Im Gespräch“ von 1942 eine Erwartung von 90.000 bis 100.000 Euro: Heimlich in der Zeit seines Malverbots entstanden, spiegelt das Bild seine Beschäftigung mit prähistorischer Kunst. Noch unter dem Eindruck der Fratzen der Vergangenheit schuf Otto Dix 1948 sein Ölbild „Vier Masken“, auch unter dem Eindruck alemannischer Fastnacht, wie man sie am Bodensee feiert, seiner Wahlheimat seit 1933 (60.000/70.000). Dass Nolde fünfzehn Jahre in der Schweiz lebte und oft dorthin zurückkehrte, vergisst man leicht angesichts der Menge seiner norddeutschen Marschlandschaften: Das im Katalog „Winterlandschaft in Sils Maria“ betitelte Aquarell eines stillen verschneiten Sees erfordert 100.000 bis 120.000 Euro.

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Von Heckel stammt die 1911 signierte hübsche Kohlezeichnung eines jungen Mädchens beim Schminken eines Augenlids; das Blatt ist im Nachlass-Archiv dokumentiert (20.000/30.000). Ein Antlitz abstrahiertester Art gehört in Jawlenskys Serie der „Meditationen“: Diese in „Grün-Gelb-Orange“ gehaltene soll 30.000 bis 40.000 Euro einspielen. Der Abend des Auktionstags gehört den Afrikana. Den Anführer gibt dort eine aus belgischer Sammlung stammende magische Figur der Songye Beneki, geschmückt mit Antilopenhorn, Raffiaröckchen und blauen Perlen (12.000/15.000).

Quelle: F.A.Z.

 

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