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New Yorker Ergebnisse : Ein Feldarbeiter rackert sich nach vorn

  • -Aktualisiert am

Claude Monet. „Les Arceaux de Roses, Giverny“, 1913, 81,5 mal 93,8 Zentimeter: Zuschlag 17 Millionen Dollar Bild: Sotheby’s

Das atemberaubende Ergebnis von Leonardos „Salvator Mundi“ lässt beinahe das restliche Angebot vergessen. Hier sind die New Yorker Ergebnisse des Impressionismus und Moderne bei Christie’s und Sotheby’s.

          Jussi Pylkkänen ist der Präsident weltweit von Christie’s und er ist der Auktionator am Abend mit den Zeitgenossen. Manchmal lehnt er sich auffordernd, dann wieder leicht ironisch abwartend in Richtung der Bieter im Saal und an den Telefonen. Er gibt ihnen Zeit. „Das ist ein historischer Moment, wir warten“, sagt er, als sich die Gebote bei fast dreihundert Millionen Dollar kurz verlangsamen, dann wieder beschleunigen. Bei jedem Fünf- oder Zehn-Millionen-Schritt raunen die Besucher im Saal des Rockefeller Center. Als das Gebot von 332 auf 350 Millionen Dollar, dann von 370 direkt auf vierhundert Millionen Dollar springt, gibt es tosenden Beifall. Jemand wollte den „Salvator Mundi“ des Leonardo da Vinci unbedingt haben. Jetzt hat er ihn, am Telefon vertreten von Alex Rotter, dem Co-Chairman für Nachkriegskunst und Gegenwart, es hat weniger als zwanzig Minuten gedauert.

          Christie’s hat den „Weltenretter“ in der Abendauktion für zeitgenössische Kunst versteigert. Wie berichtet, ging die Holztafel, um 1500 entstanden, für die Rekordsumme von gut 450 Millionen Dollar an einen bisher anonymen Käufer. Damit liegt der Gesamtumsatz der Auktionswoche für Christie’s bei knapp über 1,3 Milliarden Dollar, davon brachte die Abendauktion der Zeitgenossen knapp 789 Millionen ein. Ebenfalls dort kam Andy Warhols mit Spannung erwartetes, aber dann wenig spektakulär, weil sehr rasch versteigertes „Sixty Last Suppers“ zum Aufruf. Der zehn Meter breite Siebdruck ist das letzte, 1986 kurz vor seinem Tod fertiggestellte Werk. Der Zuschlag erging bei 56 Millionen Dollar, die Schätzung lag bei fünfzig Millionen. (Weiterer Bericht folgt.)

          Das Bieten verlief schleppend

          Zuvor waren die New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne an der Reihe. Christie’s machte den Anfang; der Abend brachte 480 Millionen Dollar, sechzig von 68 Losen wurden verkauft. Der Saal war nicht ganz gefüllt, das Bieten verlief ruhig, manchmal fast schleppend. Ein Moment der Beschleunigung war Picassos „Femme accroupie“ von 1954, das seine Gefährtin Jacqueline Roque zeigt. Es brachte in raschem Paddle-Takt einen Preis von 37 Millionen (Gebühren inklusive) und lag so ein gutes Stück über dem Schätzwert von 30 Millionen.

          Vilhelm Hammershøi, „Interior with Woman at Piano, Strandgade 30“, 1901, 55,9 mal 44,8 Zentimeter: Zuschlag 5,3 Millionen Dollar Bilderstrecke
          Vilhelm Hammershøi, „Interior with Woman at Piano, Strandgade 30“, 1901, 55,9 mal 44,8 Zentimeter: Zuschlag 5,3 Millionen Dollar :

          Van Goghs flirrender „Laboureur dans un champ“ von 1889, versehen mit einer Erwartung von fünfzig Millionen, kam am Ende auf einen Preis von 81,3 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld). Fernand Légers strahlendes Gemälde aus der „Contraste de formes“-Reihe trug eine Schätzung von 65 Millionen; mit dem Resultat von 70,1 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) bedeutet das einen Auktionsrekord für Léger. Vuillards „Misia et Vallotton à Villeneuve“ schaffte 15,5 Millionen Dollar (Taxe 7/10 Millionen), mit Aufgeld sind das 17,75 Millionen und ebenfalls ein Rekord.

          Am folgenden Abend ging Sotheby’s im gleichen Segment an den Start. der Umsatz des Abends belief sich auf 269,6 Millionen Dollar; 92 Prozent der Lose wurden verkauft. An einen russischen Privatsammler am Telefon ging das Spitzenlos des Abends: Chagalls „Les Amoureux“ von 1928, der Künstler in inniger Umarmung mit seiner ersten Ehefrau Bella Rosenfeld. Weit über der Schätzung (12/18 Millionen), kam auch Chagall zu seinem Auktionsrekord mit 25Millionen Dollar. Ebenfalls einen Rekord erzielte das stille „Interior with Woman at Piano“ von Vilhelm Hammershøi, bei 5,3 Millionen Dollar (2,5/3,5 Millionen). Im Jahr 1993 hatte es bei Sotheby’s noch 101 500 Dollar gekostet. Leicht enttäuscht hat Picassos „Buste de femme au chapeau“ von 1939: Das Amalgam aus Marie-Thérèse Walters und Dora Maars Gesicht ging mit dem Hammer für neunzehn Millionen Dollar (18/25 Millionen) an einen europäischen Privatsammler.

          Insgesamt wirken die Ergebnisse für Impressionismus und Moderne – bei Christie’s wie bei Sotheby’s – doch eher blass, zumal gegenüber den Zeitgenossen. Weiterhin aktiv sind die Käufer aus Asien. Bei Sotheby’s engagierten sich Bieter aus China, Taiwan, Japan und Hongkong am Telefon von Patti Wong, Chairwoman von Sotheby’s Asia. Sie erwarb für ihre Kunden gleich fünf der wichtigen Lose des Abends. Darunter sind Cézannes um 1890 entstandene „Nature morte“, mit dem siegreichen Gebot von sieben Millionen Dollar (7/10 Millionen), und Monets „Les Arceaux de roses, Giverny“ von 1913 für siebzehn Millionen Dollar (18/25 Millionen).

          Quelle: F.A.Z.

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