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Künstler-Rente Auf die eigenen Werke vertrauen

31.10.2006 ·  Der „Artist Pension Trust“ (kurz auch einfach APT) macht ernst mit dem Kapital, das alle jungen Künstler haben: Er will mit ihren Werken ihr Alter sichern - und auch noch Geld generieren.

Von Florian Mercker/Gabor Mues
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Wer für das Alter vorsorgen möchte, hält nach Anlageobjekten Ausschau, die langfristig eine gewisse Wertstabilität, wenn nicht gar Wertsteigerung versprechen, eine Immobilie in attraktiver Lage zum Beispiel. Für junge Künstler liegt eine solche Anlage aber oft noch in sehr weiter Ferne: Denn das einzige Kapital, über das die meisten jungen Künstler gleich von Anfang an in ausreichendem Maße verfügen, sind die eigenen Kunstwerke.

Diese Tatsache hat sich der „Artist Pension Trust“ (APT) zunutze gemacht, eine weltweit agierende Gesellschaft, die vor zwei Jahren in New York gegründet wurde und die mittlerweile in den Vereinigten Staaten, in Indien, Deutschland und anderen Ländern durch Tochtergesellschaften vertreten ist. Der APT ist eine private Altersvorsorge für Künstler, die ihre Beiträge nicht in Geld, sondern in Form von ihren Werken erbringen: Insgesamt zwanzig ausgesuchte Arbeiten sollen die beteiligten Künstler über einen Zeitraum von zwanzig Jahren in den Trust einbringen. Mit ihrer Aufnahme erwirbt der APT eine Option auf den zukünftigen Verkauf der jeweiligen Arbeit. Das Kunstwerk selbst bleibt bis zur Ausübung dieser Option jedoch Eigentum des Künstlers.

So funktioniert es

Für jedes eingereichte Werk erhält der teilnehmende Künstler Beteiligungseinheiten am Pool. Im Falle eines Verkaufs erhält der Schöpfer des veräußerten Werks vierzig Prozent des Erlöses, 32 Prozent fließen dem Pool zu; die restlichen 28 Prozent behält der APT ein, unter anderem zur Deckung der entstehenden Kosten. Die ersten Gewinne fallen, nach Angaben des APT, etwa zehn Jahre nach Beginn der Teilnahme am Trust an.

Anders als bei der Künstlersozialkasse, die (noch) den meisten hauptberuflich tätigen Künstlern offensteht, muß für die Aufnahme in den Artist Pension Trust manche Hürde überwunden werden: Ein Expertengremium entscheidet über die zahlreichen Bewerbungen, die monatlich in der von Susanne Prinz geleiteten deutschen Dependance in der Reinhardtstraße in Berlin eingehen. Auch darüber, welche Werke von den beteiligten Künstlern eingebracht werden sollen, befindet dieses Kuratorium, das aus erfahrenen Kunsthistorikern und Kuratoren wie Aurélie Voltz und Lars Bang Larsen besteht. Ein wichtiges Kriterium ist natürlich, ob der jeweilige Bewerber das Potential hat, sich langfristig auf dem Kunstmarkt durchzusetzen.

So wirkt es

Die Attraktivität des Trusts besteht aber nicht nur in der Aussicht auf eine Alterssicherung. Die Gesellschaft hat sich auch zum Ziel gesetzt, die Karrieren der teilnehmenden Künstler zu fördern. So will der APT zukünftig eigene Ausstellungen und Publikationen ins Leben rufen. Die eingebrachten Werke sollen öffentlich zugänglich und als Leihgaben für Museen und Galerien verfügbar gemacht werden. Außerdem beabsichtigt der APT, Ausstellungen mit ausschließlich eigenen Beständen zu organisieren. Die eingebrachten Arbeiten sollen musealen Standards gemäß verwahrt und versichert werden. Damit - und mit dem Verkauf der Kunstwerke - wagt sich der Trust deutlich auch ein Stück weit in das Territorium der Galeristen vor, von denen aber, laut Auskunft des APT, diese Aktivität nicht als Konkurrenz empfunden wird.

Die rechtliche Struktur des Trusts ist verhältnismäßig kompliziert. So besteht APT Berlin aus zwei auf den British Virgin Islands ansässigen Gesellschaften, von denen die eine nur Managementaufgaben wahrnimmt, während die andere mit den ausgewählten Künstlern bei der Aufnahme in den Trust ein in englischer Sprache verfaßtes „Artist Participation Agreement“ abschließt. Dieses komplexe Vertragswerk stellt indessen nicht nur den mit angelsächsischer Vertragskunst wenig vertrauten Laien vor Verständnisprobleme. Auch aus steuerrechtlicher Sicht ist der APT für den Künstler möglicherweise nicht so leicht zu handhaben wie eine herkömmliche Altersversorgung.

Hinter dem APT steht übrigens die Mutual Art Inc., eine Gesellschaft, die neue Finanzdienstleistungen im Kunstsektor entwickelt und anbietet. Finanziert wird Mutual Art von einer Reihe von Finanzinvestoren und Privatpersonen, die eine langfristige Anlagestrategie verfolgen und ihr Portfolio um dieses exotische Investment bereichert haben. Mit dem Artist Pension Trust ist Mutual Art eine neuartige Anlageform für Investoren und Künstler gelungen, die sich in steuerlicher und rechtlicher Hinsicht allerdings noch bewähren muß. (Informationen im Internet: Artist Pension Trust)

Die Verfasser sind Rechtsanwälte in München.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.10.2006 Seite K6
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