Home
http://www.faz.net/-gz4-77bo2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Vor Gericht Ich will meine Fälschung zurück!

Der Skandal um die zweifelhaften Werke aus der New Yorker Galerie Knoedler zieht weite Kreise - und erlebt nun eine kuriose Wendung.

© Anne Haeming Vergrößern „Honest Ed’s“ sieht aus wie ein Vergnügungspalast, ist aber ein Kaufhaus. Das Geschäft gehört David Mirvish, der jetzt klagt, um seine Fälschungen zurückzubekommen.

In Toronto steht ein Kaufhaus mit dem Namen „Honest Ed’s“. Es sieht aus wie ein Vergnügungspalast aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Das flache Gebäude ist über und über verziert mit altmodischen Leuchtreklamen; handgeschriebene Plakate in den Schaufenstern verheißen unerhörte Attraktionen. Der Witz der Installation: Mit den durchschaubarsten Tricks des Schaugewerbes wird die Sensation beworben, dass es im Ladeninneren mit rechten Dingen zugehen soll, dass der Käufer nicht hereingelegt wird. Das Geschäft ist das Werk von Ed Mirvish, der jeden Tag im Laden stand, bis er 2007 im Alter von 92 Jahren starb. Er war ein genialer Marketingstratege, der die Leute mit Niedrigpreisen lockte und mit lustigen Aktionen bei der Stange hielt. Die Kunden kommen wieder, weil sie sehen, was sie bekommen: Ramsch, der seine Herkunft nicht verbirgt.

Ein Kaufhaus und einige Theater als Erbe

Patrick Bahners Folgen:      

David Mirvish, geboren 1945, hat von seinem Vater das Kaufhaus sowie mehrere Theater geerbt. Als Impresario holt er Broadway-Spektakel wie „Les Misérables“ und „The Lion King“ nach Toronto. Im Oktober 2012 enthüllte er die Pläne für einen Komplex aus drei Hochhäusern im Theaterbezirk seiner Heimatstadt, den der aus Toronto gebürtige Architekt Frank Gehry entworfen hat. Hier soll auch ein Museum entstehen, das David Mirvishs Kunstsammlung aufnehmen wird. Als Achtzehnjähriger eröffnete Mirvish in Toronto eine Galerie, die er zwölf Jahre lang betrieb, spezialisiert auf die amerikanische Farbfeldmalerei. Mirvishs Sammlung enthält Werke von Helen Frankenthaler, Morris Louis, Robert Motherwell, Kenneth Noland und Frank Stella.

Werke von Pollock als Handelsware

Die zwei Gemälde mit der Signatur Jackson Pollocks, die Mirvish 2003 und 2007 von der Knoedler Gallery in Manhattan kaufte, wollte er nie ausstellen, sondern von vornherein weiterverkaufen. Sie blieben deshalb im Besitz der Galerie, des ältesten Kunsthandelshauses in New York. Schon 2002 hatte sich Mirvish zur Hälfte an einem Gemälde beteiligt, das Knoedler ebenfalls als Werk Pollocks anbot. Dieses Bild fand einen Käufer. Der belgische Hedgefonds-Manager Pierre Lagrange zahlte siebzehn Millionen Dollar. Im November 2011 stellte Knoedler nach 165 Jahren von einem Tag auf den anderen den Geschäftsbetrieb ein. Lagrange hatte der Galerie ein Materialgutachten vorgelegt, wonach der Maler des Bildes eine Farbe verwendet hatte, die erst 1962, sechs Jahre nach Pollocks Tod, patentiert worden war.

Nach Darstellung von Knoedler stammte das Bild aus dem Nachlass eines Sammlers, der es direkt bei Pollock gekauft habe. Seine Erben, hieß es, wollten anonym bleiben. Die Provenienzangaben auf der Rechnung erwähnten nicht, dass Knoedler selbst (gemeinsam mit Mirvish) der Eigentümer des Bildes war und es einer auf Long Island wohnhaften Kunsthändlerin namens Glafira Rosales abgekauft hatte. Lagrange verklagte Knoedler sowie Ann Freedman, die langjährige, 2009 entlassene Direktorin der Galerie, wegen Betrugs vor dem Bundesgericht für den südlichen Bezirk des Staats New York (F.A.Z. vom 21. Juli 2012). Vier weitere Sammler, die bei Knoedler unbekannte Werke von Großmeistern des Abstrakten Expressionismus gekauft hatten, die alle aus derselben Quelle stammen, haben Klage eingereicht, zuletzt im Januar der liechtensteinische Baumaschinenfabrikant Michael Hilti (F.A.Z. vom 2. Februar) und am Donnerstag vergangener Woche die kalifornische Philanthropin Frances Hamilton White. Dem Eigentümer der Galerie, Michael Hammer, wird die Organisation bandenmäßigen Betrugs gemäß dem Gesetz über das organisierte Verbrechen vorgeworfen. Mit Lagrange hat Knoedler inzwischen einen Vergleich geschlossen, über dessen Inhalt wie üblich Stillschweigen vereinbart wurde.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streit ums Original Freispruch in Paris 

Der Geschäftsmann Gary Snell hat in Italien Plastiken von Auguste Rodin kopiert und verkauft. Das Musée Rodin hat ihn deshalb verklagt. Nun wurde das Urteil in Frankreich gesprochen. Mehr Von Jürg Altwegg

15.12.2014, 15:19 Uhr | Feuilleton
Nürnberg Hitler unterm Hammer

Ein Auktionshaus in Nürnberg will ein angeblich von Hitler gemaltes Bild verkaufen. Auf die Echtheit des Bildes deuten ein Schreiben eines einstigen Mitarbeiters Hitlers und die Verkaufsliste des Vorbesitzers hin. Mehr

18.11.2014, 17:26 Uhr | Gesellschaft
Im Weihnachtsgeschäft Überfall auf KaDeWe

Mehrere Täter haben das Berliner Kaufhaus des Westens überfallen. Die maskierten und bewaffneten Männer schlugen Schmuckvitrinen ein und entkamen wenige Minuten später. Das Kaufhaus blieb nur kurzzeitig geschlossen. Mehr

20.12.2014, 11:18 Uhr | Gesellschaft
Wir werden nicht vergessen

Präsident Barack Obama selbst bestätigte bei seinem Besuch in Tallinn am Mittwoch die Echtheit des Videos, dass die Enthauptung des US-Journalisten Steven Sotloff zeigt und richtete eine klare Botschaft an die Täter. Mehr

03.09.2014, 12:25 Uhr | Politik
Velázquez-Austellung in Wien Die Unschärfe in ihrem Blick

Das Kunsthistorische Museum in Wien zeigt das Werk des spanischen Malers Diego Rodriguez de Silva y Velázquez in einer Ausstellung, wie es sie so noch nicht gab. Worin genau liegt die Magie seiner Bilder? Mehr Von Rose-Maria Gropp

19.12.2014, 21:23 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.03.2013, 18:42 Uhr

Die gelähmte SPD

Von Majid Sattar

Vor einem Ausbrechen der Grünen aus dem linken Lager haben die Sozialdemokraten Angst. Für die SPD endet das Jahr auch wegen der Edathy-Affäre so, wie es angefangen hat – auf dünnem Eis. Mehr 21 22