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Robert Indianas L.O.V.E Streit um sein Liebeslogo

Robert Indiana streitet sich mit seinem Geschäftspartner John Gilbert über die angemessene Verbreitung seines Werks. Er fühlt sich als Opfer von Dieben.

Robert Indiana, geboren 1928, lebt seit 1978 auf einer Insel vor der Küste von Maine. Am 10.November 2010 gab er vor einem Notar eine Aussage im Rahmen eines Prozesses zu Protokoll, den sein früherer Geschäftspartner John Gilbert gegen ihn führte. Gilbert stellte als Lizenznehmer Reproduktionen und Variationen von Indianas berühmtestem Werk her, dem Typogramm aus den Buchstaben L, O, V und E. In der sechsstündigen Einvernahme durch Gilberts Anwalt gab Indiana seinem Bedauern über die Geschäftsbeziehung sarkastischen Ausdruck. Gilbert habe es ja gut gemeint, aber seine Produktion sei außer Kontrolle geraten, habe jeden Rahmen gesprengt. In jedem Museumsshop finde man die kleinen Teppiche mit dem Liebeslogo. Und das sei schlecht für die Reputation des Urhebers.

Robert Indiana ein hilfloser Idealist?

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Einerseits gab sich Indiana in seiner Aussage als hilfloser Idealist, der auf dem Kunstmarkt unter die „Diebe“ gefallen sei. Andererseits zeichnete sich im Hohn über den Nachahmer, von dem er Tantiemen bezog, ein scharfkantiges künstlerisches Selbstbewusstsein ab. Gilbert sei kein Künstler, sondern ein Teppichhersteller, wisse allerdings sehr gut, „was reiner Indiana ist“. Warum? „Weil er Indiana sein möchte, darum.“ In dieser Sicht einer Psychologie der Meisterschaft gäbe der Rechtsstreit die „donnée“ für eine Kurzgeschichte von Henry James her. Katharine Forrest, Bundesrichterin für den südlichen Bezirk von New York, die schon zwei Urteile zu diesem Thema gefällt hat, übernimmt Indianas Perspektive. Der Begründung ihres Urteils vom 17.Januar stellt sie eine Zusammenfassung im _Fabelton voran: Einem „großen Künstler“ solle von einem „kleineren Künstler“ ein „schlechtes Kunstwerk“ untergeschoben werden. Dabei handelt es sich um eine Paraphrase des „LOVE“- Blocks aus den lateinischen Buchstaben P, R, E und M. „Prem“ ist ein Sanskrit-Wort für „Liebe“.

„Das sind nicht meine Werke“

Ein Vertrag zwischen Indiana und Gilbert betraf Objekte aus diesem Urwortmaterial, freilich in indischer Schrift. Indiana musste einräumen, dass er nichts gegen Gilberts Verbreitung der lateinischen Version unternommen hatte. Auf die Frage, wann er entschieden habe, dass diese Skulpturen nicht seine Werke seien, gab er die bezeichnende Antwort: „Als Gilbert sie vorbeibrachte und in meinem Atelier deponierte.“ Es wäre also auch möglich gewesen, dass Indiana sie in diesem Moment als seine Werke anerkannt hätte, obwohl er sie nicht entworfen hatte und sie ohne sein Wissen entstanden waren. Dass Indiana auf eine von Gilbert ausgestellte Echtheitsbestätigung seine Signatur samt Widmung für den Käufer gesetzt hatte, nannte er einen „großen Fehler“. Vor Gericht gereichte ihm der Fehler nicht zum Schaden. Nur eine Freundlichkeit, keine verbindliche Anerkennung der Urheberschaft will Richterin Forrest, die vor ihrer Ernennung durch Präsident Obama Fachanwältin für Urheberrecht in einer berühmten Kanzlei war, in der Unterschrift sehen. Gilbert bestätige als Aussteller der Beschei_nigung, dass er die „Robert-Indiana-Skulptur“ hergestellt habe, eine Skulptur nicht von Robert Indiana, wie der Käufer glaubte, sondern in der Manier von Robert Indiana. So bestätigt der Fall, was Peter Winter in dieser Zeitung schon 1971 aus Anlass einer Ausstellung der Graphik Indianas schrieb: In der Vervielfältigung der „LOVE“- Ikone trete „der Warencharakter der Kunst zutage, der den Autor in die Rolle eines Markenzeichens zwingt“.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.01.2013, 07:10 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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