22.01.2007 · Steve Wynns Ellbogen verhinderte den Verkauf seines Picassos für die Traumsumme von 139 Millionen Dollar. Angeblich ist „Le Rêve“ jetzt nur noch 85 Millionen wert. Die Differenz soll jetzt von der Versicherung beglichen werden.
Von Jordan MejiasWie das Loch in den Picasso kam, steht außer Zweifel. Steve Wynn, Kasinokönig von Las Vegas und seit zehn Jahren Eigentümer des Gemäldes „Le Rêve“, hatte seinen Ellbogen etwas ungeschickt durch den Raum tanzen lassen und dabei die Leinwand durchbohrt. Zeugen der Tat war eine illustre Schar von Freunden, unter ihnen die Fernsehmoderatorin Barbara Walters, die New Yorker Gesellschaftsdame Louise Grunwald, der Staranwalt David Boies, die Drehbuchautorin Nora Ephron und der Kunsthändler Serge Sorokko. Alle sollen sie, wie Wynn sich erinnert, buchstäblich erbleicht sein. Er selbst verwies ein bisschen entschuldigend auf sein degeneratives Augenleiden, ließ es sich aber doch nicht nehmen, den schlagzeilenträchtigen Vorfall als „der Welt tolpatschigste und blödeste Sache, die man tun kann“ zu bezeichnen.
Jetzt will er für den Ellbogenausrutscher von Lloyd's of London 54 Millionen Dollar haben. Dazu hat er den United States District Court in Manhattan angerufen, der umgehend bestätigen soll, dass die legendäre Versicherungsfirma ihm die angegebene Summe für Restaurierungskosten und den unweigerlich verminderten Wert des Gemäldes schulde. Bisher hat Lloyd's sich nur bereit erklärt, etwas mehr als hundertzehntausend Dollar für Restaurierungsmaßnahmen, Konsultationen und Sicherheitsdienste zu erstatten.
Wertminderung von 54 Millionen Dollar
Wynn rechnet anders. Vor dem Ellbogenakt habe ein Angebot des Hedge-Fonds-Managers Steven Cohen vorgelegen, das Bild für 139 Millionen Dollar zu erwerben. Jetzt sei es, wie Sachverständige in Wynns Diensten erklärten, nur noch 85 Millionen wert. Der Versicherer habe also die Differenz von 54 Millionen zu begleichen. Aufs schönste verbündet sich da der Titel des Gemäldes, das „Le Rêve“ heißt und entsprechend traumverloren Picassos Muse und Geliebte Marie-Thérèse Walter in einem Sessel sitzend zeigt, mit ebenjenem Zockertum, das in Las Vegas bekanntlich zu höchster Blüte gereift ist. Denn ob die anscheinend einigermaßen verheilte Wunde am linken Arm von Mademoiselle Walter nun tatsächlich den Wert der Leinwand, die Wynn 1997 für 48,4 Millionen erwarb, um genau 54 Millionen mindert, wäre genau genommen nicht vor dem New Yorker Gericht, sondern nur auf dem Kunstmarkt zu ergründen.
Gewiss, diesem ist auch nicht immer so ganz zu trauen. Bezahlt waren die atemberaubenden 139 Millionen, die der kunstliebende Hedge-Fonds-Manager in Aussicht gestellt haben soll, ja noch keineswegs. Gelänge es Wynn, demnächst 54 Millionen Dollar einzusäckeln, ohne sich von dem nunmehr notorischen, damit womöglich noch attraktiver zu vermarktenden Bild trennen zu müssen, hätte er einen Jackpot geknackt, der auch in Las Vegas für Aufsehen sorgen müsste. Und niemand könnte den vielleicht doch nicht so tapsigen Sammler Wynn daran hindern, bei der nächsten Gelegenheit für „Le Rêve“ einen noch stolzeren Traumpreis zu fordern.