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Noortman-Bilder gefunden : Millionenraub oder Betrug?

  • -Aktualisiert am

Die Gemälde aus einem spektakulären Kunstdiebstahl sind jetzt in den Niederlanden aufgetaucht. Sie stammten aus dem Besitz von Robert Noortman. Bei dem Täter handelt es sich um einen Deutschen.

          Eines Nachts im Februar vor zweiundzwanzig Jahren, also 1987, wurden neun Gemälde aus der Galerie von Robert Noortman in Maastricht gestohlen, darunter Pissarros „Bords de la Seine à Bougival“ und Renoirs „La Clairière“, ein Paar barocker Seestücke von Willem van de Velde, ein Genrebild von David Teniers dem Jüngeren und Meindert Hobbemas „Wassermühle“.

          Die englische Versicherung Lloyds und Noortman beauftragten den holländischen Privatdetektiv Ben Zuidema mit Nachforschungen, doch die Kunstwerke blieben verschwunden, so dass Lloyds die volle Versicherungssumme von fünf Millionen Gulden, das wären damals umgerechnet 4,5 Millionen Mark gewesen, an den Kunsthändler auszahlte.

          Drei Festnahmen in Valkenburg

          Vor wenigen Tagen ist es einem Sonderkommando der holländischen Polizei gelungen, drei Verdächtige festzunehmen und acht der vermissten Gemälde sicherzustellen. Es war wieder Bewegung in den Fall gekommen, als im November vergangenen Jahres ein Deutscher, der sich als Privatdetektiv namens Kahn ausgab, Zuidema „wegen der Noortman-Sache“ kontaktierte.

          Zuidema, den ein Foto auf seiner Website als weißhaarigen Dandy lässig an einen silbernen Sportwagen gelehnt zeigt, ist als „de Nederlandse 007“ bekannt. „Mr. Kahn“ erklärte ihm nun, er habe einen Klienten, der 1987 von Noortman beauftragt wurde, die Bilder zu stehlen und sie zu verbrennen. Tatsächlich sei aber nur ein Bild verbrannt worden. Nun wolle Kahn dem angeblichen Klienten helfen, die Familie Noortman zu erpressen und ihnen die Gemälde für fünf Millionen Euro zurückzuverkaufen. Zuidema solle dabei behilflich sein und dafür eine Million Euro kassieren. Zuidema tat so, als spiele er mit, schaltete aber die Polizei ein.

          Mit schweren Beschädigungen

          Bei der vereinbarten Übergabe der Gemälde im Grand Hotel Voncken im niederländischen Valkenburg schlug das Sonderkommando der Polizei zu, stellte sechs Gemälde sicher und verhaftete den Deutschen, seine Mutter und einen holländischen Komplizen, in dessen Wohnung im nahe gelegenen Walem zwei weitere Gemälde gefunden wurden. Das kleinste Bild, die „Affen“ von Jan Breughel dem Jüngeren, misst nur 9,5 mal sieben Zentimeter, andere Leinwände, von Teniers und Trouillebert, wurden gerollt und gefaltet in Koffern aufbewahrt und dadurch teilweise schwer beschädigt.

          Das Bild von Meindert Hobbema ist nach den Aussagen aller Beteiligten wohl unwiederbringlich zerstört. Artdaily.org berichtet nun, Noortman habe das Bild einst für umgerechnet 80.000 Euro gekauft, und es für eine Million Euro versichert. Julian Radcliffe vom Art Loss Register schätzt, dass sich der Wert der acht verbleibenden Gemälde in gutem Zustand auf 2,4 Millionen Euro belaufen hätte.

          Bei dem verhafteten fünfundvierzigjährigen Deutschen handelt es sich angeblich um den ehemaligen Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft der Frankfurter Messe mit Wohnsitz in Dubai. Er wird jetzt der Hehlerei und Geldwäsche beschuldigt und sitzt in einem holländischen Gefängnis in Untersuchungshaft.

          Verbindung zu Noortman selbst?

          Meisterdetektiv Zuidema ist immer noch fest davon überzeugt, dass Noortman selbst mit dem Diebstahl in Verbindung stehe. Seinen Verdacht habe er schon 1987 gegenüber der Polizei geäußert, doch deren Nachforschungen sei ohne Ergebnis geblieben. Noortman hat als junger Mann selbst als Polizist gearbeitet, wurde aber später zu einem der weltweit bedeutendsten Kunsthändler und Begründer der Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse.

          Im Jahr 2006 verkaufte er seinen Kunsthandel in einem sensationellen Deal an Sotheby's. Er starb 2007. Die Zeitung „de Volkskrant“ zitiert Zuidema mit den Worten, er sei 1987 zwar von Noortman engagiert worden, um die Bilder aufzuspüren, „aber als ich dicht vor der Auklärung stand, musste ich aufhören“.

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