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Kunstmessen Der Externe: Michael Neffs Erneuerung der Art Frankfurt

10.09.2005 ·  Michael Neff hat die „Aufforstung der Art Frankfurt“ im Sinn, einen Ausbau der Messe zum „temporären fünften Haus“ am Platz neben dem Städel-Museum und der Schirn-Kunsthalle, dem Museum für Moderne Kunst und dem Kunstverein.

Von Rose-Maria Gropp
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Nach einer ganzen Menge Spekulationen seitens des animierten Publikums und nach einem gerüttelt Maß formvollendeter Vagheiten von seiten Michael Neffs, des neuen Leiters der alten Art Frankfurt, sind nun ein paar Eckdaten auf dem Tisch. Neben dem geänderten Namen der Schau - „fine art fair frankfurt“ zielt mit dem verfeinernden Attribut deutlich auf ein höheres Plateau - gibt es jährlich wechselnde Titel, in vorsätzlicher Anlehnung an Präsentationen von Museen oder Ausstellungshallen. Neff hat die „Aufforstung der Art Frankfurt“ im Sinn, einen Ausbau der Messe zum „temporären fünften Haus“ am Platz, will heißen neben dem Städel-Museum und der Schirn-Kunsthalle, dem Museum für Moderne Kunst und dem Kunstverein.

Davon, daß sich die zuständigen Herrn Max Hollein und Daniel Birnbaum, Udo Kittelmann und (noch) Nicolaus Schafhausen schon mal mit ihm zusammengesetzt haben, darf man ausgehen. Nicht ganz unentscheidend ist bei allem Spaß, der da zu erwarten ist, daß der „externe Chef“, wie Michael Peters, der zuständige Geschäftsführer der Messegesellschaft, Neff als Novum in seiner Firma bezeichnet, keine höheren Kosten verursachen wird. Denn das Budget, das die Messe Frankfurt, die insgesamt 130 Messen in ihrem Portfolio hält, ihrem neuen „Image-Projekt“ zugesteht, bleibt, so sagt Peters auf Anfrage dieser Zeitung, auf dem Niveau der bisherigen Ausgaben für die Art Frankfurt. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Kunstmessen, in der Regel jedenfalls, defizitär sind. Peters sieht die Chance am richtigen anderen Ende der nüchternen Kalkulation: Das „Positionierungsinstrument“, das Geld kostet, kann dem Standort im Gegenzug eine Klientel bescheren, die ihm sonst eben nicht so leicht in die Arme läuft und die zudem wirtschaftliche Stärke auszeichnet. Wenn Peters bereit ist, erstmals eine Hausnummer für die finanzielle Seite zu nennen - mit „unter einer Million Euro“ umreißt er das Budget -, dann darf das Transparenz heißen - übrigens Neffs Lieblingswort (neben „super“). Und wirklich ist der ein sich ständig selbsterfindendes System - „Ich find's gut, deswegen wird's so gemacht!“ ist ein Satz, der ihm erfreulich aufrichtig coram publico gelingt, wo andere sich in unhaltbaren, basisdemokratischen Begründungen ihrer selbst winden würden.

Obendrein kennt er den Charme der Selbstreferenz: Das „variable key-visual“ zum Beispiel, nennen wir es ruhig: das Signet der neuen Schau, sieht auf den ersten Blick aus wie eine schnörkelige Blüte von Gnaden des Jugendstils. Tatsächlich verbirgt sich in dem symmetrisierenden Gebilde, das die junge Frankfurter Designerin Alexandra Papadopoulou entworfen hat, Neffs Namenszug - zu erkennen für alle, die seit Dan Browns Thriller „Illuminati“ ein „Ambigramm“ nicht mehr für eine seelische Gleichgewichtsstörung halten. Daß Neff mit solchen Spielchen der Aneignung zugleich seine Verantwortlichkeit und also auch seine Fallhöhe umschreibt, gehört zu seinem ambitionierten Geschäft. Jedenfalls ist sein persönliches Risiko erheblich. Die Stadt Frankfurt indessen hat schon jetzt gewonnen: nämlich mehr Aufmerksamkeit für ihre einzig verbliebene Kunstmesse als in den vergangenen fünf Jahren zusammen.

Quelle: F.A.Z., 10. September 2005
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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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