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Ist weniger mehr? Graff schleift Blauen Wittelsbacher

11.01.2010 ·  Der Juwelier Laurence Graff hat sich mit einem neuen Schliff des „Blauen Wittelsbachers“ in die Geschichte des Steins eingeschrieben. Doch nicht nur das, wenn es nach Graff geht, hat der Diamant nun auch einen neuen Namen.

Von Lisa Zeitz
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Im Dezember 2008 versteigerte Christie's den 35,5 Karat schweren „Blauen Wittelsbacher“, den zweitgrößten blauen Diamanten überhaupt. Den Zuschlag erhielt damals der Londoner Juwelenhändler Laurence Graff bei 14,6 Millionen Pfund. Die Schätzung hatte bei neun Millionen Pfund gelegen. Er hatte also umgerechnet 18,75 Millionen Euro inklusive Aufgeld bewilligt - das ist der höchste Preis, den jemals ein Juwel in einer Auktion erzielt hat.

Vor der Versteigerung hatte der Münchner Edelsteinhändler Rudolf Biehler in dieser Zeitung erklärt, auf keinen Fall dürfe man den „Blauen Wittelsbacher“ umschleifen: „Wenn das geschieht, dann ist er wertlos. Das wäre absolut barbarisch. Wer das tut, dem würde ich alles an den Hals wünschen.“ Bei seinem nächsten München-Besuch sollte Graff besser inkognito reisen, denn er verpasste dem Diamanten jetzt nicht nur den neuen Namen „Wittelsbach-Graff“, sondern, weitaus schlimmer, tatsächlich auch einen neuen Schliff.

Zur Auktion eingeliefert im Jahr 1931

Die Oberfläche aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ist verschwunden, die Karatzahl hat sich von 35,5 auf 31 reduziert. Der Eingriff hat die Experten schockiert. Zwar mag der Stein jetzt einen höheren Marktwert haben, doch sein historischer Wert ist stark beeinträchtigt. Und seine Geschichte ist von großer Bedeutung: Wahrscheinlich Anfang des 17. Jahrhunderts in den Minen des Großmoguls Jahangir entdeckt, gelangte der Stein von Indien an den spanischen Königshof. 1664 wurde er erstmals urkundlich erwähnt, als König Philipp IV. ihn seiner Tochter, der dreizehnjährigen Infantin Margarita Teresa, schenkte. Velázquez hat sie als kleines blondes Mädchen im Zentrum der „Meninas“ festgehalten und sie später sogar mit dem berühmten Diamanten porträtiert.

Durch ihre Hochzeit mit dem Habsburger Kaiser Leopold I. kam das Juwel erst in die Sammlung der Österreicher und schließlich 1712 mit der Ehe der österreichischen Kronprinzessin Maria Amalia und des Kurprinzen Karl Albrecht in die Sammlung der Wittelsbacher. Als Napoleon Bayern zum Königreich erhob, wurde der blau funkelnde Diamant zum Prunkstück der Königskrone. In arge Geldnot geraten, durften die Wittelsbacher den Stein 1931 mit staatlicher Genehmigung bei Christie's zur Auktion in London einliefern, wo er zwar nicht verkauft wurde, aber dann für einige Jahrzehnte von der Bildfläche verschwand. Jetzt geht der geschliffene „Wittelsbach-Graff“ als Leihgabe an die Smithsonian Institution und soll dort noch in diesem Monat neben dem noch größeren Hope-Diamanten in Washington ausgestellt werden.

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