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Für einen guten Zweck : Absage für Stieg Larsson

Nur ein Mal gibt es die Sonderausgabe von Stieg-Larsson „Trilogie“ - im schwarzen Leder und mit Goldschnitt. Dazu gehört auch eine Zeichnung des Schriftstellers und die Absage einer Journalistenschule.

          Nichts ist bekanntlich so anziehend wie der Erfolg. Diesem Reglement beugt sich gelegentlich sogar die feine Welt der Bibliophilen. Dennoch ist der vorliegende Fall ungewöhnlich, handelt es sich doch um ein Nobilitierungsverfahren für ein Produkt des Massenmarktes: Man konnte nicht damit rechnen, dass die „Millenium“-Trilogie des schwedischen Bestsellerautors Stieg Larsson einmal die Auktionshäuser beschäftigen würde. Im Gegenteil: Dem Romanzyklus war zunächst keine Fortune beschieden, bis britische und deutsche Verleger das Potential erkannten, das die Landsleute Larssons nicht gesehen hatten. Heute sind von „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ - so heißen die Titel in deutscher Übersetzung - weltweit rund sechzig Millionen Exemplare verkauft worden. Nun gibt es bei Sotheby’s London ein besonderes Schmankerl, das einem Thriller-Autor nicht alle Tage widerfährt: Am 15. Dezember soll dort eine bibliophile Ausgabe der Trilogie unter den Hammer kommen; die Schätzung liegt umgerechnet bei 9000 bis 14.000 Euro.

          Eine knappe schriftliche Absage

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Die Idee dazu hatte Mark Child, Chef des Verlagshauses Quercus, in dessen Imprint MacLehose Larssons Bücher erscheinen. Hergestellt wurde die nur in einem Exemplar existierende Ausgabe bei Sangorski & Sutcliffe, einer Londoner Traditions-Buchbinderei. Verantwortlich für die Gestaltung ist Alison Strachan, das Design schuf Eri Funazaki. Die Bücher sind in schwarzes Leder gebunden und mit Goldschnitt versehen. Nebeneinandergestellt ist auf den Rücken der Autorenname zu sehen; die Umschlagillustrationen sollen an jene männlichen Romanfiguren gemahnen, die sich als Frauenhasser hervortun. Im Inneren verbirgt sich tatsächlich eine Besonderheit. Ein Blatt zeigt einen Männerkopf, den Stieg Larsson mit Bleistift gezeichnet hat; auf der Vorderseite findet sich der Absagebrief einer Stockholmer Journalistenschule, die anno 1972 mit einem schlichten „Nej“ den Kandidaten mit der Nummer 493 ablehnte.

          Ein Treppenwitz, dass ausgerechnet der investigativste aller schwedischen Reporter für nicht tauglich befunden wurde. Larsson hat den Brief wie zum Beweis jedenfalls zeitlebens verwahrt. Sein Vater und sein Bruder haben es nun spendiert, um mit dem Erlös des Buchverkaufs die von Larsson 1995 mitbegründete antirassistische Expo-Stiftung zu unterstützen. Stieg Larsson ging als leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Unterdrückung der Frau und gegen Rechtsradikalismus große persönliche Risiken ein. Weder seinen Welterfolg noch seine Erhebung in den Stand der Bibliophilie hat er erleben können. Er erlag 2004 im Alter von fünfzig Jahren nach einem Treppenaufstieg einer Herzattacke.

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