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Fälscher vor Gericht Dann doch lieber einen „echten Ribes“

19.07.2010 ·  Vom Ende einer Fälscherkarriere: Täuschend echt imitierte Guy Ribes den Stil der großen Maler der Moderne. Damit war er erfolgreicher als mit eigenen Gemälden.

Von Angelika Heinick, Paris
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Ein begnadeter Stimmenimitator hat alle Chancen, zum Publikumsliebling zu werden. Ein Schauspieler, der glaubwürdig eine historische Figur verkörpert, wird für seine Leistung gefeiert. Einen Maler hingegen, der täuschend echte Renoirs, Picassos, Modiglianis oder Légers produziert, kann sein Talent vor Gericht führen. Guy Ribes, 61 Jahre alt, hat es in seiner dreieinhalb Jahrzehnte währenden Malerlaufbahn zu einer wahren Meisterschaft in der Imitation der großen Vertreter der Moderne gebracht.

Nun muss er sich vor der Strafkammer des Großen Zivilgerichts in Créteil bei Paris für die „Imitation von Signaturen künstlerischer Werke“ und für „organisierten Betrug und Hehlerei von Fälschungen“ verantworten. Denn in der Zeit zwischen 1997 und Anfang 2005, als er in seinem Atelier in Saint-Mandé, einem Vorort von Paris, verhaftet wurde, soll Guy Ribes rund 150 falsche Picassos, Braques, Modiglianis, Chagalls, Dufys - vom Aquarell über die Kohlezeichnung bis hin zum Ölgemälde - hergestellt haben, die dann von einer Betrügerbande für insgesamt mehrere Millionen Euro an ahnungslose Kunstsammler verkauft wurden. Zwölf Personen stehen in dieser Affäre vor Gericht.

Ein skrupelloser Händler mit der entscheidenden Idee

Im Alter von acht Jahren begann Guy Ribes zu malen; mit sechzehn Jahren versuchte er, seine Werke auf Wochenmärkten zu verkaufen. Bald stellte sich heraus, dass die Leute seinen eigenen Schöpfungen die Gemälde „in der Art von“ berühmten Künstlern vorzogen, für die er ein besonderes Talent entwickelt hatte. Ribes ist stolz darauf, keine einfachen Kopien zu liefern, sondern das Werk großer Maler kreativ fortsetzen zu können.

„Das sind alles Kunstwerke!“, so verteidigte er seine Produktion vor dem Richter. Auf die Idee, aus dieser Begabung ein lukratives Geschäft zu machen und die Renoirs und Picassos als authentische Gemälde zu verkaufen, kam an seiner Stelle ein skrupelloser Pariser Händler: Der vierzigjährige Pascal Robaglia, der das Diplom einer Wirtschaftsschule aufweisen kann, wird als charismatischer Tausendsassa beschrieben, der sowohl über ein Stadthaus voller Kunstwerke wie über ein Luxusauto verfügen soll.

Zertifikate für Imitationen

Um das Vertrauen seiner Kunden zu gewinnen, bot er ihnen zunächst echte Kunstwerke an. Einige Zeit später stellte er ihnen einen angeblichen jungen Erben aus gutem Hause vor, der mangels Liquidität ein Gemälde aus dem Familienbesitz veräußern müsse - einen Komparsen, der zweifellos das nötige schauspielerische Talent dafür mitbrachte. Zu den falschen Bildern lieferte der falsche Händler ebenso falsche Echtheitszertifikate.

Bisweilen fielen auch gestandene Kunstexperten auf die Täuschung herein und stellten den Imitationen Guy Ribes' echte Zertifikate aus. Ribes hat im Lauf seiner Karriere rund 500 solcher Imitationen geschaffen. Wie viele davon noch in Umlauf sind, ist nicht geklärt; ein Kunstexperte vermutete vor Gericht, pro Woche würden davon „zwei oder drei“ in der „Gazette de l'Hôtel Drouot“ auftauchen. Zwanzig düpierte Kunstkäufer, darunter Mediziner, kleine Industrielle oder leitende Manager großer Unternehmen, treten als Nebenkläger auf und fordern insgesamt eine Million Euro Schadensersatz.

Ein Autodidakt misst sich mit „den Größten“

Die bittere Ironie der Geschichte ist, dass der Künstler selbst am wenigsten von den Früchten seines Talents profitiert hat. Seine monatlichen Einkünfte haben zwischen 1200 und 2000 Euro gelegen, sagte Guy Ribes jetzt aus. Aufgrund seiner Geldnöte sei er von den anderen ausgenutzt worden. Manchmal habe er morgens eine „Bestellung“ bekommen, und seine Auftraggeber holten das Gemälde am Abend ab, obwohl die Farbe noch nicht trocken war.

Einen falschen Dalí konnte er in einer Stunde, einen falschen Picasso in einem Tag produzieren. Er bestand darauf, dass seine Arbeiten „künstlerische Fälschungen“ seien: „Wenn ich einen Picasso mache, kopiere ich ihn nicht, sondern esse mit Picasso zu Mittag.“ Als Autodidakt hat Guy Ribes diese Fähigkeiten erworben, indem er eben „die Größten“ imitierte und sich mit ihnen maß. Bei seiner Verhaftung im Januar 2005 sei er fast erleichtert gewesen, sagte er, und er hat gleich alles zugegeben und mit den Ermittlern kooperiert. Über das Ausmaß des Betrugs sei er nicht im Bilde gewesen.

Der Markt handelt auch mit Illusionen

Beinah ist man geneigt, ihm zu glauben - und in ihm weniger einen kalkulierenden Betrüger als einen fehlgeleiteten Künstler zu sehen. Der Staatsanwalt hat für ihn vier Jahre Haft gefordert, davon drei Jahre auf Bewährung, und eine Geldstrafe in Höhe von 10 000 Euro. Der Anstifter des Betrugs, Pascal Robaglia, muss mit fünf Jahren Gefängnis, davon achtzehn Monate auf Bewährung, und einer Strafe von 150 000 Euro rechnen.

Guy Ribes mag nur eine Randgestalt des Kunstbetriebs sein, doch sein Fall zeigt in aller Deutlichkeit, wie sehr dieser Markt auch mit Illusionen handelt: Vielleicht sollte Guy Ribes künftig unter seine Nachempfindungen, wenn sie denn wirklich besser sind als seine eigenen Erfindungen, seinen eigenen Namen setzen. Ein echter Ribes ist allemal mehr wert als ein falscher Picasso.

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