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Erbstreit : Da war Kunst für eine geschätzte halbe Milliarde Dollar

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Der griechische Reeder Basil Goulandris und seine Frau Elise haben eine museale Sammlung aufgebaut. Nach ihrem Tod gibt es jetzt Streit, wem die Werke gehören.

          Verliehen haben Basil und Elise Goulandris ihre Bilder immer gern: das Frauenbildnis von Toulouse-Lautrec, das Selbstporträt von Cézanne, das „Stillleben mit Kaffeetopf“ oder den „Korb mit Orangen“ von Van Gogh. Rund zweihundert Werke im Gesamtwert von geschätzt einer halben Milliarde Dollar hatten beide im Laufe eines halben Jahrhunderts zusammengetragen. Basil Goulandris sorgte 1957 weltweit für Schlagzeilen, als er - in ständiger Sammlerkonkurrenz vor allem mit seinem Landsmann Stavros Niarchos - in Paris für ein „Stillleben mit Äpfeln“ von Gauguin den damaligen Weltrekordpreis von umgerechnet 297 000 Dollar bezahlte. Fast alles, was danach folgte, hatte museale Qualität: eines der letzten Bilder zum Beispiel, das Cézanne 1906 kurz vor seinem Tod von seinem Gärtner malte. Viele Werke hingen, wie Fotos belegen, über die Wintermonate im Châlet in Gstaad; über den Sommer wurden die Bilder dann in die Villa nach Lausanne oder in ein Lagerhaus gebracht.

          Wer immer eines für eine Retrospektive oder Themenausstellung benötigte, konnte auf die Unterstützung des Sammlerpaars mit Wohnsitz in der Schweiz rechnen. Im Sommer 1999, ein Jahr vor ihrem Tod, entschied sich Elise Goulandris sogar, die Hauptwerke für knapp drei Monate öffentlich zu zeigen - im kleinen strahlend weißen Kunstmuseum auf der Kykladeninsel Andros, das das Paar selbst hatte bauen lassen: Dort hingen neben 25 anderen Werken Van Goghs „Alyscamps“ und die „Olivenernte“, Monets „Kathedrale von Rouen“, ein Drip-Painting von Pollock, abstrakte Bilder von Kandinsky und Klee, ein Triptychon von Francis Bacon. Und dort stand auch eines der kostbaren Exemplare von Degas’ „Kleiner Tänzerin von vierzehn Jahren“, natürlich auf einer griechischen Säule. Verkauft aber wurde zu Lebzeiten der Sammler nur selten. Ein zweites Kathedralen-Bild Monets wechselte 1990 über die Baseler Galerie Beyeler in die Sammlung der japanischen Sicherheitsfirma Nomura: Zwei Fassungen desselben gesuchten Motivs schienen selbst für Milliardäre ein zu großer Luxus.

          Nun allerdings behauptet eine Erbin des Paars, große Teile der Sammlung seien verschwunden oder gegen den Willen der Sammler verkauft worden. Die Nichte, Aspasia Zaimis, hat deshalb in der Schweiz Klage eingereicht. Sie sieht den Letzten Willen vor allem ihrer Tante missachtet und fürchtet, dass Bilder unter der Hand verkauft worden sein könnten. Im April 1994 starb Basil Goulandris, der sein Geld mit den Tankern der Orion Shipping & Trading Company gemacht hatte und vor der Demokratisierung in seinem Heimatland enge Kontakte zum dortigen Militärregime unterhielt, im Alter von 81 Jahren. Seine Frau Elise überlebte ihn um sechs Jahre. Noch zu Lebzeiten hatten beide festgelegt, dass ein Kernbestand ihrer Sammlung einmal in einem Museum in Athen gezeigt werden sollte. Mit dem Bau war der japanische Stararchitekt Ieoh Ming Pei beauftragt worden: Grundfläche zehntausend Quadratmeter, geschätzte Kosten rund 27 Millionen Euro.

          Das Goulandris-Museum sollte 2012 fertig sein

          Der griechische Staat stellte ein Grundstück zur Verfügung. Der Bau stoppte aber schon, als Arbeiter im Herbst 1996 beim Ausschachten auf die antiken Mauern angeblich jenes Lyzeums stießen, in dem schon Aristoteles seine Schüler unterrichtet haben soll. Ein anderer Standort scheiterte am Protest von Anwohnern. 2009 dann gab die drei Jahrzehnte zuvor für den Erhalt der Sammlung gegründete Goulandris-Stiftung den Kauf eines neoklassizistischen Gebäudes im Viertel Eratosthenous im Vorort Pangrati mit immerhin noch 7000 Quadratmetern Fläche bekannt. Bis 2012 sollte dort das Goulandris-Museum entstehen. Es folgten drohende griechische Staatspleite, drastische Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen. Man verfolge das Ziel trotzdem weiter, heißt es seither unverbindlich im Athener Kulturministerium.

          Was von ihrem persönlichen Besitz nicht antik und nicht für ein Museum geeignet sei, so soll die kinderlose Elise Goulandris verfügt haben, sollten ihre Nichten und Neffen erhalten. Nun klagt eben eine Nichte vor einem Gericht in Lausanne gegen die Testamentsvollstrecker ihrer Tante. Aspasia Zaimis, der laut Testament ein Sechstel des Nachlasses zusteht, zählt dazu auch die Werke der Klassischen Moderne. Diese aber habe sie zuletzt Anfang dieses Jahrhunderts gesehen, so Zaimis: Seitdem seien zahlreiche Werke verschwunden, hat sie gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg beklagt. Zitiert wird dort ein auf 1995 datierter Vertrag, dem zufolge Basil Goulandris 83 Werke an eine panamaische Firma namens Wilton Trading SA verkauft haben soll - für zusammen gerade einmal 31,7 Millionen Dollar, weit unter dem Marktwert also.

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