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Eine Sammlung ohne gleichen : Die Einzigartige

Selten genug ist ein Superlativ angemessen, wie er gerade im Geschäft mit der Kunst so gern eingesetzt wird. Doch es gibt rare Ausnahmen: Eine von ihnen ist die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé.

          Es war, alles in allem genommen, eine ganz ungeheuer französische Veranstaltung. Mehr Stil ist nicht zu haben. Und welche Nation hat schon ein Stahlskelett namens „Grand Palais“, das sich in der Abenddämmerung wie ein riesiger Smaragd beleuchten lässt, in dem kultivierte Menschen den Ritus eines unwiderruflichen Abschieds begehen? Das kann nur Paris.

          Schon allein der Auktionator des Eröffnungsabends hätte sich nicht schöner malen lassen: ganz Contenance, von geschmeidiger Geduld, im wie hingemeißelten schwarzen Smoking, den eleganter Yves Saint Laurent selbst keiner seiner illustren Freundinnen und Kundinnen auf den Leib hätte schneidern können. Am Pult also war François de Ricqlès, Vizepräsident von Christie's France, und wenn er „J'adjuge“ warnte oder „Sans regret . . .?“ lockte, wenn einem im weiten Rund dann doch der finanzielle Mut zu sinken drohte, dann war man entschieden an dem Punkt, nie mehr ein „Last chance“ oder „Fair warning“ hören zu wollen.

          Das wird sich wieder geben. Aber der Zauber dieses einzigartigen Kunst-Konglomerats, das der melancholische Coutourier Yves Saint Laurent und sein langjähriger Geliebter und lebenslanger Gefährte Pierre Bergé zusammengebracht haben, wird nicht verfliegen. Nicht der Anblick der Dinge, wie sie im „Grand Palais“ vor den Augen aller und nur ein einziges Mal ausgebreitet waren, und nicht der Akt ihrer endgültigen Umverteilung.

          Auf europäische Kunst konzentriert

          Es ging dabei um eine ganz und gar europäische Sammlung, vielleicht sogar eine, wie sie im zwanzigsten Jahrhundert nur in Paris hatte entstehen können. Doch es ist auffällig an ihr, dass sie keinerlei außereuropäische Kunst umfasste, keine Südsee und nicht Afrika, obwohl doch gerade Paris und seine Künstler für deren Anerkennung so wichtig gewesen sind. Offenbar gingen aber Saint Laurent und Bergé lieber unorthodoxe Wege, zurück in die Zeit - wie zu ihren Emaillen, dem Silberzeug und den Skulpturen - oder hin zu noch unerschlossenen Feldern, wie es die Art-déco-Möbel bis vor noch nicht langer Zeit waren.

          Das übrigens vereint Yves Saint Laurent mit Andy Warhol, der sich mit ähnlicher Leidenschaft dem Art-déco zuwandte und dafür ausgedehnte Reisen nach Paris unternahm. Die Auktion mit Warhols Nachlass vor zwanzig Jahren wurde zum ersten Mekka der Art-déco-Gemeinde. Vielleicht ist es eine Seelenverwandtschaft zwischen den beiden Ausnahmemännern, eine ähnliche schöpferische Intensität, die unerklärliche Traurigkeit des alten Europäers. Bergé hat jedenfalls Warhols Porträts seines Freundes bei sich behalten.

          Kraftlose Kritik

          Kein Wunder, dass Kritik laut wurde an diesem Ereignis, und sie war nicht originell. Natürlich wollte Bergé sehr viel Geld machen mit dieser Auktion; das liegt schon im Wesen der Sache. Natürlich hat er für dieses Spektakel mit dem Pfund des Namens Saint Laurent gewuchert, und natürlich war es für Bergé selbst, dem vor allem das intellektuelle Paris sehr zugetan ist, ein narzisstischer Parcours, den er genießen wollte.

          Selbstverständlich wird herumgenörgelt an den Zuschlagsummen, was auch zu erwarten war. Solchen Beckmessereien sei entgegengehalten, dass jedenfalls in keiner Versteigerung weit und breit ein vergleichbarer Brancusi erschienen ist. Und wer sich die Mondrians aus den Jahren 1922 und 1918 angeschaut hat, dem wird als Vergleichsbild bloß „New York, Boogie Woogie“ einfallen, das im November 2004 in New York auch schon 14,625 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) kostete.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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