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Ein Update im Fall „Jägers“ Der Stand der falschen Bilder

20.03.2011 ·  Eigentlich hätte in diesen Tagen den Fälschern der Sammlung Jägers der Prozess eröffnet werden sollen. Doch die Ermittlungen dauern noch an. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Von Rose-Maria Gropp
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Dass auch große Skandale klein angefangen haben, dafür ist in jüngerer Zeit der Fall um die angebliche Sammlung Jägers nicht das einzige Beispiel - aber ein durchaus nachhaltiges, noch lang nicht an seinem Ende angekommenes. Auch wenn es derzeit etwas ruhig um diese Kunstfälschungs-Affäre geworden ist, so handelt es sich doch um eine der weitestreichenden bisher aufgedeckten und um eine, schon jetzt, in pekuniärer Hinsicht eminent folgenreiche.

Als vor gut einem halben Jahr bekannt wurde, dass bei Lempertz in Köln im Jahr 2006 für 2,4 Millionen Euro ein angebliches Großformat des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk an eine in Malta ansässige Gesellschaft versteigert wurde, war das der Auftakt zu einem Schauspiel, wie es selbst dem Kunstmarkt nicht jeden Tag geboten wird (seither berichten wir). Denn das Bild war eine nicht einmal perfekt gemachte Fälschung. Und die Herkunftsangabe im Katalog lautete damals lediglich „Alfred Flechtheim; um 1930 bei Flechtheim erworben, seitdem in Familienbesitz, Privatsammlung Frankreich“.

Mindestens sechsundvierzig Fälschungen

Daran stimmte, das weiß man heute, nichts: Die Provenienz des deutsch-jüdischen Kunsthändlers Flechtheim war ebenso falsch wie der Klebezettel seiner Galerie auf der Rückseite des Gemäldes. „Familienbesitz“ meinte ebenjenen ominösen Kölner „Sammler“ Werner Jägers, den allerdings niemand kannte - bloß seine Enkelinnen als Einlieferinnen, deren eine mit ihrem Mann einen Wohnsitz in Frankreich hatte. Das Landeskriminalamt in Berlin und die Kölner Staatsanwaltschaft handelten schnell, schnappten die Verdächtigen und setzten sie in Untersuchungshaft.

Unterdessen stieg die Anzahl der auf dem internationalen Markt dingfest gemachten Falsifikate aus der kontaminierten Quelle „Jägers“ in ungeahntem Tempo. Eigentlich hätte in diesen Tagen der Prozess eröffnet werden sollen, aber die Ermittlungen dauern noch an: Zeit für eine kurze Zwischenbilanz. Als Fälschungen bis jetzt eindeutig identifiziert sind nach Informationen dieser Zeitung 46 Gemälde; es gibt allerdings Anhaltspunkte für noch weitere.

Bei deren Erfassung ist man auch von den Ermittlungen der Kriminalpolizei im Ausland abhängig, in Frankreich, England, Italien, aber auch in kleinen Staaten wie Liechtenstein, Luxemburg, Andorra. Zwanzig der definitiven Fälschungen - das ist wichtig - sind strafrechtlich noch nicht verjährt. In Untersuchungshaft saßen im September 2010 drei Personen: Wolfgang B., der mutmaßliche Fälscher, seine Frau Helene und deren Schwester; Letztere wurde mittlerweile gegen Kaution haftverschont.

Prozessbeginn im September?

Dafür ergänzt das Trio in U-Haft nun der Krefelder Geschäftsmann Otto S.-K., seiner Vermittlungsaktivitäten wegen. Die Anklage wird auf „gewerbsmäßigen Bandenbetrug“ lauten; schwerer Betrug hat einen Strafrahmen von bis zu zehn Jahren. Ohne der Anklage oder den Richtern damit im Geringsten vorzugreifen, lässt sich vermuten, dass dem Hauptverdächtigen eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung drohen könnte.

Als mutmaßlicher Fälscher wird gemeinhin Wolfgang B. betrachtet, der eine gescheiterte Künstlerkarriere hinter sich hat und handwerklich begabt ist. Allerdings ist es von untergeordneter Bedeutung, ob man einer der beteiligten Personen den Akt des Fälschens selbst direkt nachweisen kann; es zählt der schwere Betrug. Voraussichtlich wird der Prozess in Köln Anfang September beginnen können - und dieser Prozess wird keine Kleinigkeit.

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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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