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Die Fassade aufrechterhalten Luxus im Pfandhaus

30.12.2011 ·  Flugzeuge, Ferraris, Uhren: In der Krise wird das Lager des ersten Internetpfandleihers Paul Aitken zum Schauplatz der Dekadenz. Schließlich laufen Kosten weiter, auch wenn die Boni wegfallen.

Von Gina Thomas, London
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Pfandhäuser gelten seit eh und je als Plätze des Elends und des Jammers, wie sie Charles Dickens aus leidvoller Erfahrung schilderte. Aber Dickens wusste, dass es neben den gemeinhin als Kreditinstitute der kleinen Leute bekannten Läden auch gehobene Pfandleihen gibt: Das Pfandgeschäft sei, wie alles andere, in Stufen eingeteilt, und Unterschiede müssten selbst in der Armut beachtet werden, bemerkte er 1835 in einer seiner Londoner Skizzen. Dem sozial engagierten Schriftsteller ging es damals um die Niederungen des Gewerbes. Als scharfzüngiger Beobachter nicht nur der Missstände der Gesellschaft, sondern auch der menschlichen Komödie hätte er seine spitze Feder heute wohl für die Schilderung der hochwertigen Pfandleiher zum Einsatz gebracht, deren Geschäfte mit Luxusgütern geradezu emblematisch sind für den Überfluss, zu dem das leichte Leben auf Pump vor dem wirtschaftlichen Einbruch verführte.

Paul Aitken, der Gründer der ersten Internet-Pfandleihe, hat sich von der „Times“ vor einem kleinen Flugzeug und zwei Ferraris mit einem Arm voller Luxusuhren fotografieren lassen - alles zur Sicherheit hinterlegte Gegenstände. Sein von angesehenen Kapitalgesellschaften finanziertes Unternehmen ist bloß drei Jahre alt, doch hofft er in Kürze schon die hunderttausendste Transaktion abzuwickeln. Kunden können bei seiner Firma von tausend Pfund bis zu einer Millionen Pfund beleihen, solange die Sicherheit dafür steht. Die Zinsen betragen zwischen fast siebzig Prozent - für Beträge unter 10.000 Pfund - und knapp vierzig Prozent. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der Antragsteller verdoppelt und die Höhe der Darlehen verdreifacht, strahlt Aitken.

Vor dem Hungertod sind diese Kunden sicher

Sein Lager ist zum Bersten voll mit Edelkarossen, die seine zur Wahrung der Diskretion ohne Firmenemblem gekennzeichneten Abschleppwagen von den teuersten Adressen Londons fortschaffen. Jahrgangsweine, Diamanten, Yachten gehören zu seinem täglichen Brot - und auch Kunst, darunter eine Skuptur von Henry Moore. Vor einem Jahr hat Aitken ein Darlehen von einer Million Pfund gewährt, gegen eine ganze Sammlung. Auf seiner Website wirbt er mit einem Gemälde von „DeBuffet“ (sic), das einen Kredit von 25.000 Pfund hergegeben habe.

Ein Druck des Graffiti-Künstlers Banksy aus einer Edition von 150 Exemplaren sei für 4500 Pfund versetzt worden, und ein Gemälde von Jack Vettriano, dessen nostalgische Pastichen in den Auktionsälen Hunderttausende Pfund erzielen, habe 13.000 Pfund hergegeben. Anders als die armseligen Figuren bei Dickens stehen solche Kunden nicht vor dem Hungertod. Womöglich ist der erwartete Bonus ausgeblieben, und es gilt, einen Engpass zu überbrücken, um die Hypothek oder die Rechnung für eine Privatschule zu bezahlen. Diese Kreditnehmer stehen im Zwang, die Verhältnisse aufrechtzuerhalten, über die hinaus sie in den Jahren des Booms gelebt haben.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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