18.10.2006 · Die Grenzen zwischen klassischem Kunsthandel und Auktionsgeschäft verschwimmen, und der Wunsch nach Tranzparenz wird nicht immer gewollt. Deshalb ist auch für die Kunden nicht mehr erkennbar, bei wem sie kaufen.
Von Lisa Zeitz, New YorkAuf der nächsten „European Fine Art Fair“ in Maastricht werden im kommenden Frühjahr die Auktionskonzerne Christie's und Sotheby's in der bisher alleinigen Domäne der Galeristen und Kunsthändler mitmischen.
Daß Sotheby's im vergangenen Januar unter dem Titel „The Dealer's Eye“ Altmeistergemälde aus dem Inventar verschiedener Kunsthändler aufrief, war nur ein Signal. Kurz zuvor hatte der in Maastricht ansässige, auf Alte Meister und Impressionisten spezialisierte Händler Robert Noortman einen prächtigen Katalog mit „One Hundred Master Paintings“ aus seinem Bestand veröffentlicht. Kein halbes Jahr später dann, im Juni 2006, wurde der Verkauf von Noortmans gesamtem Inventar an Sotheby's bekannt: Der Kunsthändler und der Auktionskonzern vereinigten sich; Noortman blieb Direktor der Firma Noortman Master Paintings, ist jetzt aber in Personalunion auch Angestellter und - mit 3,2 Prozent der Aktien - wichtiger Teilhaber der Auktionsfirma.
Unerwartete Geschäftspartner
Sein Sohn William war zunächst in der Altmeister-Abteilung des Hauses tätig und hat jetzt einen Posten in der Abteilung Contemporary Art bei Sotheby's. Außerdem hatte die Tatsache, daß das Auktionshaus Eigentümerin von Noortmans gesamtem Inventar ist, zur Folge, daß Kunsthändlerkollegen, die gemeinsam mit Noortman Gemälde gekauft hatten, sich unvermutet als Geschäftspartner von Sotheby's wiederfanden.
Ganz ähnlich lief es, als Nicholas Hall und Richard Knight von der Kunsthandlung „Hall & Knight“ vor wenigen Jahren ihre angesehene Firma samt Warenbestand an Christie's verkauften - und selbst Direktoren der Altmeister-Abteilungen in New York und London wurden. Wer übrigens jetzt unbedarft bei „Hall & Knight“ in New York anruft, wird automatisch mit dem Anrufbeantworter von „Christie's Private Sales“ verbunden.
Territorium der Händler und Galeristen
Robert Noortman hat vor mehr als zwanzig Jahren eine Kunstmesse für Alte Meister in Maastricht gegründet, die mittlerweile unter dem Namen „The European Fine Art Fair“ (Tefaf) unbestritten zur weltweit bedeutendsten Veranstaltung ihrer Art geworden ist. Jetzt drohte Noortman, die Messe - ureigenes Territorium der Händler und Galeristen, nicht der Auktionshäuser - zu verklagen, wenn er nicht im nächsten Jahr wieder an der Messe teilnehmen dürfe - obwohl er jetzt zu Sotheby's gehört.
Als die Konkurrenz davon erfuhr, forderte auch Christie's für sich einen Platz auf der Tefaf ein. „Auf das Prozeßrisiko oder eine Gegenveranstaltung wollten wir uns nicht einlassen“, sagt der von München und London aus agierende Kunsthändler Konrad O. Bernheimer, Chairman der Tefaf-Sektion Pictura: Nach „mehreren dramatischen Sitzungen“ wurden beide Auktionshäuser zugelassen.
Naive Zweigunternehmen
Sie dürfen kein Auktionsmaterial oder Auktionspersonal mitbringen und werden nach außen nicht als Auktionshäuser auftreten: Sotheby's wird von Noortman repräsentiert und Christie's von einem anderen Kunsthandel, der noch nicht definitiv feststehen soll. Es wird allerdings vermutet, daß dafür der Name der alten, nicht mehr aktiven Londoner Galerie Leger herhalten wird. Als kleine Konzession an die - nicht gerade erfreute - Händlerschaft mußte Robert Noortman immerhin seinen Platz in den vorderen Reihen von Tefaf einbüßen.
Während Christie's noch keinen Kommentar zu seinen Messeplänen abgegeben hat, gibt sich die Konkurrenz naiv: „Nicht Sotheby's nimmt an der Tefaf teil, sondern Noortman Master Paintings, wie seit vielen, vielen Jahren“, läßt die Sotheby's-Pressechefin Diana Phillips auf Anfrage verlauten: „Noortman Master Paintings ist ein Zweigunternehmen von Sotheby's, das unabhängig operiert.“