16.02.2012 · Der französische Fiskus hat entschieden: 600 Millionen Euro Steuern müssen die Erben des Kunsthändlers Daniel Wildenstein nachzahlen. Deklariert hatten sie nur einen Bruchteil des immensen Vermögens.
Von Angelika Heinick, ParisDas französische Finanzamt hat die Erben des 2001 gestorbenen Kunsthändlers Daniel Wildenstein zu einer Steuernachzahlung in Höhe von 600 Millionen Euro aufgefordert. Sein Sohn Guy Wildenstein schuldet dem Fiskus von dieser Summe allein 250 Millionen Euro. Die unglaublich hohe Steuernachzahlung - die Milliardärin und L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt muss dagegen verhältnismäßig bescheidene siebzig Millionen nachzahlen - ist die jüngste Konsequenz einer Reihe von Verfahren, die seit einiger Zeit gegen den Repräsentanten der Händlerdynastie im Gange sind.
Nach dem Tod Daniel Wildensteins deklarierten die Erben ein Vermögen von 42 Millionen Euro - tatsächlich wird es auf vier Milliarden Euro geschätzt. Seine Söhne haben versucht, Sylvia Roth, die Witwe ihres Vaters, vom Erbe auszuschließen. Bis zu ihrem Tod im November 2010 versuchte Roth im Gegenzug, ihre Ansprüche geltend zu machen. Ihre Klage, für die die Ermittlungen noch laufen, hat den Stein überhaupt ins Rollen gebracht.
Sylvia Roths Anwältin hat das Finanzministerium seit 2009 wiederholt auf den Verdacht aufmerksam gemacht, dass die Wildensteins ihr Vermögen größtenteils in undurchsichtigen Trusts in Steuerparadiesen verbergen. Eine Antwort bekam sie nicht. Die Untersuchungsrichter haben inzwischen eine Aufstellung des Wildenstein-Vermögens gemacht - es soll Tausende von meisterlichen Gemälden, eine Ranch in Kenia (auf ihr wurde der Film „Out of Africa“ gedreht) und eine Insel der britischen Jungferninseln umfassen.
Roth ist nicht die einzige Witwe eines Wildenstein, die vor Gericht um ihr Recht kämpft. Denn Liuba Stupakowa, der Witwe von Alec Wildenstein, dem Bruder Guy Wildensteins, erging es nicht besser. Sie hat zu Beginn des vergangenen Jahres ebenfalls eine Klage eingereicht, um den Anteil ihres 2008 verstorbenen Mannes am Nachlass einzufordern. Es ist die Rede von einer „geheimen Abmachung“, die Guy Wildenstein Stupakowa unterzeichnen ließ, um am Fiskus vorbei an das Erbe seines Bruders zu kommen.
Doch erst im Oktober 2011, drei Monate vor der Verjährung des Steuerbetrugs, hat die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gegen die Familie Wildenstein eingeleitet. Als Grund für die erstaunlich lange Zurückhaltung der Steuerfahnder im Fall Wildenstein vermutet ein Teil der französischen Presse die Tatsache, dass Guy Wildenstein Präsident Sarkozy nahesteht und zum engsten Kreis der Parteispender gehört. Im aktuellen Kontext strenger Haushaltsführung kann die Regierung bei einer Steuerflucht solchen Ausmaßes jedoch kaum die Augen verschließen.
Darüber hinaus steht Guy Wildenstein wegen Hehlerei und Vertrauensmissbrauchs unter Anklage, nachdem im Tresor des Pariser Wildenstein Instituts bei einer Hausdurchsuchung eine Reihe von als verschwunden oder gestohlen gemeldeten Kunstwerken gefunden wurde. Diese Werke - darunter Berthe Morisots auf 800.000 Euro geschätztes Gemälde „Chaumière en Normandie“ - stammen aus Sammlungen, als deren Nachlassverwalter Daniel Wildenstein tätig war.
Daniel Wildenstein gehörte zu den angesehensten und mächtigsten Kunsthändlern des 20. Jahrhunderts. Als Autor des Werkkatalogs von Monet war er zudem der unhintergehbare Experte für diesen Künstler. Ein Werk Monets, das nicht dort aufgeführt ist, gilt als unverkäuflich. Die Affäre Wildenstein lüftet ein wenig den Schleier der Diskretion, in den sich diese Kunsthandlung gern hüllt: Es geht vor allem um Geld, Macht und Einfluss. Das sieht nicht sehr fein aus.
... sehr interessant dürfte auch sein, wie die Wildenstein zu
solchem Reichtum gekommen sein könnte
Sebastian Sodbrenner (Sodbrenner)
- 18.02.2012, 13:36 Uhr
Ein Versehen
Lutz Grellmann (Lumi1)
- 17.02.2012, 11:50 Uhr
Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt, nein. Nicht nur FR, GR, IT und
auch Deutschland !
Peter Herbeck M.A. (peterherbeck)
- 16.02.2012, 12:48 Uhr