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Schweizer Auktion : Sonnenflecken auf nackter Haut

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Bei Koller in Zürich werden am 30. Juni und 1. Juli Schweizer Kunst, Impressionismus und Moderne, Gegenwartskunst und Grafik auktioniert. Eine Vorschau

          Erst vor kurzem ist ein Gemälde von Alberto Giacometti in einer Privatsammlung aufgetaucht, das der Forschung bis dato nicht bekannt war: Das Werk wurde von der Tante der heutigen Besitzerin über Giacomettis Jugendfreund und Förderer Lucas Lichtenhan, mit dem Giacometti seine Schulzeit am Gymnasium in Schiers verbrachte, erworben: Seit 1920 pendelte Giacometti zwischen der Kunstmetropole Paris und dem heimatlichen Gebirgstal Bergell in der Schweiz, wo er sich häufig gemeinsam mit seinem Vater Giovanni den idyllischen Landschaften widmete. 1923 malte der 22 Jahre alte Künstler die massive Berglandschaft des „Monte del Forno“. Das marktfrische Bild ist mit einer Schätzung von 300 000 bis 400 000 Franken eines der Spitzenlose bei Kollers Auktion mit Schweizer Kunst, die am 30. Juni in Zürich stattfindet.

          Zahlreiche weitere Alpenpanoramen zieren das Angebot: darunter die, ebenfalls marktfrische, vier Jahre später entstandene „Berglandschaft bei Handeck“ von Cuno Amiet, die besonders durch ihre expressive Farbigkeit beeindruckt (Taxe 80 000/120 000 Franken), und die ruhige pointillistische Darstellung eines „Abends im Engadin“, 1935 von Gottardo Segantini gemalt (60 000/80 000). Mit ganz ähnlicher Wirkung, aber in anderer Technik schuf der 1960 in Zürich geborene Valentin Roschacher seine „Engadiner Seelandschaft“ (60 000/90 000) im Jahr 2015: Abertausende feine pastose Pinselstriche lassen das Bild dreidimensional erscheinen, während sich die Farben je nach Lichteinfall verändern. Im Jahr 1914 malte Giovanni Giacometti den wunderschönen lesenden Akt „Theodora“, auf 125 mal 200 Zentimeter Leinwand. Die auf Rot, Grün und Gelb reduzierte Palette versprüht eine sanfte Intimität, die keine Spur von Anrüchigkeit hat; die Schätzung dafür liegt bei 600 000 bis 900 000 Franken. Der Star der Schweiz-Offerte ist einmal mehr Albert Anker mit neunzehn angebotenen Werken, inklusive dem teuersten Los der Veranstaltung: „Schreibender Knabe mit Schwesterchen“ von 1875. Das friedliche Zusammensein zweier Geschwister paart sich hier mit einem anderen favorisierten Thema des Malers – dem kindlichen Lesen und Lernen im häuslichen Umfeld. Erwartet werden für das Sittenbild 1,2 bis 1,8 Millionen Franken.

          Ein traurig dreinblickender und übergewichtiger Pierrot

          Neben der Schweizer Kunst auktioniert Koller am 30. Juni auch Impressionismus und Moderne. Max Liebermanns „Große Seestraße in Wannsee“ ist mit einer Erwartung von 500 000 bis 800 000 Franken das Toplos des Angebots, preislich gefolgt von dem 34 mal 28 Zentimeter großen Ölgemälde „Kleiner Dampfer“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1910 (200 000/300 000) und Lovis Corinths sieben Jahre später entstandener „Küste bei Nienhagen“ (150 000/360 000). Auffallend zart erscheint die violett gefärbte Gouache auf Leinwand „La lecture“ (70 000/90 000) von Armand Guillaumin, um 1890/1900 gemalt, ebenso wie Théo van Rysselberghes Akt „Le Tub“ von 1913 (150 000/250 000).

          Unter den Zeitgenossen, die am 1.Juli zum Aufruf kommen, stechen Ernst Wilhelm Nays „Mit vielfältigem Gelb“ von 1958 (120 000/180 000) und Rupprecht Geigers Farbkomposition „792/88“ von 1988 (80 000/120 000) hervor. Die höchste Erwartung in der Sparte Gegenwart trägt die blutrote unbetitelte Leinwand, die 1998 vom „Fußmaler“ Kazuo Shiraga geschaffen wurde (15 0000/25 0000). Für 30 000 bis 40 000 Franken kann man dem traurig dreinblickenden und übergewichtigen „Pierrot“ auf der 2007 entstandenen, aquarellierten Farbstiftzeichnung von Fernando Botero ein neues Zuhause geben. Und von der Grande Dame Louise Bourgeois bietet Koller die rote Kugelschreiberzeichnung „Glorieux yeux globuleux“ von 1998 an (18 000/24 000).

          Ebenfalls am 1. Juli versteigert das Haus auch Grafiken und Multiples, wo besonders Ernst Ludwig Kirchners Farbholzschnitt von 1933 „Drei Akte im Wald“ überzeugt. Dargestellt sind Erna Schilling, Lotte Kraft-Rohner und vermutlich Esther Haufler: Das Motiv der nackten Frauen mit Sonnenflecken geht auf eine Schwarzweißfotografie zurück, die Kirchner 1928/29 aufnahm; in zahlreichen Zeichnungen, Skizzen und dem gleichnamigen Gemälde von 1934/35 findet man es wieder. Bei dem angebotenen Holzschnitt handelt es sich um eines von nur siebzehn, in diesem finalen Zustand bekannten Exemplaren; taxiert ist das 38 mal 57 Zentimeter große Blatt auf 70 000 bis 90 000 Franken. Von Damien Hirst kommt die Farbfotogravüre „Sanctum (Green and Orange)“ von 2010 (38 000/44 000) – ein Unikat-Druck in Form eines gotischen Rosettenfensters, in dessen Mitte ein schillernder Schmetterling prangt. Insgesamt erwartet Koller für seine Auktionen einen Umsatz von acht Millionen Franken.

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