http://www.faz.net/-gqz-92zfh

Koller-Ergebnisse : Die Zeit entdeckt die Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Giovanni Battista Tiepolo, „Time discovering Truth“, 1740-1750, Öl auf Leinwand: Zuschlag 115 000 Franken (Taxe 30 000/40 000) Bild: Koller

Die Ergebnisse der Alten Kunst und des 19. Jahrhunderts bei Koller in Zürich übertreffen die gehegten Erwartungen. Ein Überblick

          Der feuchtfröhliche „Violinenspieler mit Weinglas“ hat allen Grund zum Feiern: Das 1623 entstandene Genrebild von Dirck van Baburen wurde mit einem Zuschlag von einer halben Million Franken zum teuersten Los unter den Alten Meistern bei Kollers Herbstauktion in Zürich. Taxiert war das ganz im Stil der Utrechter Caravaggisten gehaltene Musikantenporträt des früh gestorbenen Malers auf 60 000 bis 80 000 Franken. Das ursprüngliche Spitzenlos der Veranstaltung, ein üppiges Blumenstillleben von Osias Beert d. Ä., blieb bei einer Erwartung von 280 000 bis 350 000 Franken unverkauft. Dafür brachte es eines von Willem Claesz Hedas zahlreichen Bankett-Stillleben auf 165 000 Franken (Taxe 40 000/ 60 000): Es entstand 1634 und ist mit seiner reduzierten Farbigkeit auf Braun- und Grüntöne und den akzentuierten Lichtreflexen charakteristisch für Hedas Speisetafeln. Während die späteren Arbeiten des Haarlemers häufig überladen wirken, sind es besonders die Frühwerke aus dem dreißiger Jahren, die durch Reduktion auf einzelne Motive bestechen.

          Claude-Joseph Vernet, „Küstenlandschaft bei Marseille im Mondschein“, 1754, Öl auf Leinwand: Zuschlag 220 000 Franken (Taxe 280 000/350 000) Bilderstrecke
          Claude-Joseph Vernet, „Küstenlandschaft bei Marseille im Mondschein“, 1754, Öl auf Leinwand: Zuschlag 220 000 Franken (Taxe 280 000/350 000) :

          Eine deutliche Steigerung seiner Taxe erfuhr auch das zwischen 1740 und 1750 gemalte Bozzetto „Time Discovering Truth“ von Giovanni Battista Tiepolo, das einen Entwurf für das Deckenfresko im Palazzo Barbarigo in Venedig zeigt. Auf ihm präsentiert sich dem Betrachter ein nackter weißhaariger Mann mit Flügeln als Personifikation der Zeit, seine Sense ragt trompe-l’œil-artig über den unteren Bildrand hinaus. Neben ihm sitzt eine teils entblößte, weibliche Figur, an den Attributen Sonnenscheibe und Globus als Personifikation der Wahrheit erkennbar. Ursprünglich auf 30 000 bis 40 000 Franken geschätzt, erreichte die Komposition, die sich einst im Besitz des deutschen Industriellen Robert von Hirsch befand, 115 000 Franken. Claude-Joseph Vernets ruhige „Küstenlandschaft bei Marseille im Mondschein“ von 1754 ging für 220 000 Franken, unter der Schätzung von 280 000 bis 350 000. Ähnlich erging es Niccolò di Segnas „Kreuzigungsszene“ auf Goldgrund; die kleine Holztafel schaffte es nur auf 80 000 Franken (90 000/120 000).

          Bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts war wieder einmal Iwan Konstantinowich Aiwasowski gefragt. Zwar wurde nur eines von zwei angebotenen seiner Seestücke verkauft – das ursprüngliche Spitzenlos der Abteilung, Aiwasowskis „Blick auf Reval“ von 1845 (500 000/ 700 000), wurde in letzter Minute zurückgezogen. Dafür erzielte die 1883 entstandene „Bewegte Meeresansicht mit steiler Küste bei Sonnenuntergang“ 520 000 Franken (460 000/560 000). Von Spitzweg gingen seine beiden charmanten Genreszenen weg: „Der Gratulant“ aus dem Jahr 1860, der versehentlich die Mutter der Angebeteten antrifft statt seiner Auserwählten, reüssierte bei 250 000 Franken (240 000/280 000), und das hübsche Hochformat mit dem „Adlerjäger“ schaffte 92 000 Franken (60 000/80 000).

          Insgesamt setzte Koller in seinen Auktionen mit Alter Kunst und mit 19. Jahrhundert 4,3 Millionen Franken um, gegenüber einer Erwartung von 3,2 Millionen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Auf dünnem Eis Video-Seite öffnen

          Klimawandel in Nordschweden : Auf dünnem Eis

          In Nordschweden ziehen die Hirten der Samen seit Jahrhunderten mit den Rentieren. Doch der Klimawandel macht den Menschen und den Tieren zu schaffen. Nun breitet sich auch noch eine neue Krankheit aus.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?
          Heute ein seltenes Phänomen: Steiger in Deutschland.

          Letztes Bergwerk im Ruhrgebiet : Schicht im Schacht

          Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor. Von 2700 Mitarbeitern werden viele in den Vorruhestand gehen, andere sich neue Jobs suchen. Die Pumpen unter Tage aber müssen weiterlaufen – für immer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.