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Kölner Ergebnisse Serge Poliakoff und Karl Hofer setzen sich an die Spitze

 ·  Eher durchwachsen: Die Herbstauktionen bei Van Ham in Köln sehen einige empfindliche Rückgänge. Bei der Alten Kunst überrascht eine Rötelzeichnung.

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Die Altmeister-Auktion bei Van Ham in Köln enttäuschte die Hoffnungen, daran konnten auch einige echte Überraschungen nichts ändern. Erfolg hatte zum Beispiel die kleinformatige Verkündigungsszene „Maria Magdalena mit dem Engelchen“ von Joseph Heintz d. Ä., die auf 95.000 Euro (Taxe 60.000/80.000) kletterte und von einer römischen in eine niederländische Privatsammlung wechselt. Das vom selben italienischen Einlieferer stammende Porträt des Charles Dupleix de Bacquencourt von Hyacinthe Rigaud bestätigte seine untere Erwartung von 30.000 Euro.

Doch das mit 150.000 Euro höchsttaxierte Los, Jakob Philipp Hackerts Ansicht einer toskanischen Landschaft aus dem Jahr 1804, fiel durch. Ausreißer des Tages wurde eine Rötelzeichnung von Matthäus Günther, versehen mit einer moderaten Erwartung von 5000 bis 6000 Euro: Das Blatt - es zeigt Gottvater und zwei Engel und ist der Entwurf für ein Fresko in der Kirche Sankt Peter und Paul in Oberammergau aus dem Jahr 1761 - stieg während eines langen telefonischen Bietgefechts bis auf 90.000 Euro. Gut hundert Jahre später, im Jahr 1862, skizzierte Adolph von Menzel mit lockerem Strich einen Baum, den er aus seinem Atelierfenster sehen konnte. Das Blatt übertraf seine obere Schätzung von 12.000 Euro weit beim Zuschlag von 30.000 Euro.

Beim 19. Jahrhundert reüssierte Géricaults etwas geisterhaftes „Cheval gris“: Das Bild wechselte bei 66.000 Euro (bis 60.000) in französische Hände. Otto Scholderers 1899 gemaltes „Stillleben mit Birnen und Weinglas“ sorgte am Ende noch einmal für Bewegung im Saal: Der Hausherr Markus Eisenbeis am Pult erteilte bei 85000 Euro (50.000/60.000) den Zuschlag. Zwei Früchtestillleben der Düsseldorfer Malerin Emilie Peyer konnte er für 35.000 und 42.000 Euro (je 23.000/ 25.000) vermitteln. Das höchste Ergebnis beim Kunstgewerbe erzielte ein Pariser Guéridon Directoire aus Schloss Herrnsheim, gefertigt von Adam Weisweiler Ende des 18.Jahrhunderts: Ausgezeichnet mit 25.000 bis 50.000 Euro reichten die Gebote schließlich bis zu 125000 Euro.

Auch bei Moderne und Gegenwartskunst konnten sich einige wichtige Lose nicht durchsetzen. Für das Hauptlos, Schlemmers „Sitzende und zwei Figuren (Blaue Treppe)“ von 1936 (300000/ 400000), laufen gegenwärtig noch Nachverhandlungen. Vermittelt werden konnten vier Werke Karl Hofers: Sein „Mädchen mit Triangel“ von 1935 wurde bei 140000 Euro (120000/180000) zugeschlagen, eine „Tessiner Landschaft“ kam bis 50.000 Euro (20.000/30.000). Ein vorliegendes Gebot von 160.000 Euro markierte den Zuschlag für eine „Composition“ von Poliakoff (160000/180000). Nicht durchsetzen konnte sich eine Reihe an Werken Johannes Molzahns. Auch Fernand Légers „Femmes aux Perroquets“ (80.000/120.000) und seine farbig bearbeitete Gouache „L’écuyère“ (28.000/30.000) fielen durch. Den Rückgängen schloss sich dann noch Paul Klee mit „Astrologische Charlatane“ (50.000/70.000) an.

Rudolf Bauers Aquarell „Green Point“ von 1926/27 wurde bei 30.000 Euro (30.000/50.000) von einem amerikanischen Telefonbieter übernommen. Medardo Rosso formte 1903 den Kopf eines Kindes: Die kaum 25 Zentimeter hohe Bronze, ein zu Lebzeiten entstandener Guss, wurde von zahlreichen Bietern an den Telefonen bis 50000 Euro (10000/15000) angehoben. Für Frank Stellas monumentales, mehr als fünf Meter langes Relief „The Chase. Second Day“, über dem Pult des Auktionators plaziert, hat ein deutscher Bieter wohl ausreichend Platz: Er bewilligte 175.000 Euro (200.000/300.000) dafür. Mit 68000 Euro setzte sich ein anderer bei Fritz Winters „Vor Grün“ (70.000/ 90.000) durch. Sigmar Polkes Interferenzbild spielte 58000 Euro (60000/80000) ein, und um Ed Ruschas „Cracks“ wurde lange gerungen bis schließlich bei 100000 Euro (50.000/80.000) der Hammer fiel.

Zufriedenstellende Ergebnisse erzielte die deutsche Nachkriegsmoderne. Eine unbetitelte Komposition in Blau von Emil Schumacher ließ mit 60000 Euro ihre Obertaxe von 50000 hinter sich. Ein Feuerbild Otto Pienes verdoppelte an einem Dutzend Telefonen seine obere Erwartung, mit dem Zuschlag bei 60000 Euro; auch Pienes „Blue Sky“ von 1975 kam am Ende auf 16.000 Euro (4000/6000). Einen neuen Höchstpreis erzielte schließlich Wolf Vostells „B52“-Multiple, das bis auf 40000 Euro kletterte von geschätzten 10.000 bis 15.000 aus.

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19.12.2012, 06:26 Uhr

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