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Kölner Ergebnisse Gottvater und zwei Engel reißen aus

Erfolg für eine Auferstehung Christi auf Kupfer: Doch im Ganzen blieben die Herbstauktionen bei Lempertz hinter den Erwartungen zurück.

Der stille Star der tausendsten Altmeister-Auktion bei Lempertz in Köln übertraf alle Erwartungen: Johann Königs Kupfertafel „Auferstehung Christi“, die mit ihren intensiven Gelb-, Rosa- und Rottönen bis in die letzte Reihe des locker besetzten Saals leuchtete, war mit einer oberen Erwartung von 150.000 Euro versehen. Doch die Bieter an mehr als zehn Telefonen trieben das Werk auf einen neuen Rekord für den Künstler von 720.000 Euro.

Jacob Jordaens’ Gemälde „Die Heilige Familie mit Johannes dem Täufer und seinen Eltern“, durch Hans Vlieghe auf vor 1620 datiert, konnte die Erwartungen nicht ganz erfüllen: Das Bild wurde bei 460.000 Euro (Taxe 500.000/700.000) zugeschlagen. Auch Jan Steens Begegnung von Bauer und Satyr blieb mit einem Zuschlag von 110.000 Euro (130.000/160.000) etwas unterhalb der Erwartung.

Zwei begehrte Nachtbilder von Clausen Dahl

Das von Antonio Bellucci geschaffene und von Tiepolo vollendete Gemälde „König Davids Gesang“ wechselte für 170.000 Euro (180.000/ 200.000) den Besitzer. Tiepolos schönes Bozzetto „Ariadne, von Putten umgeben“ fand dagegen keinen Abnehmer (120.000/140.000). Juan van der Hamen y Leóns Darstellung eines üppigen Obstkorbs übernahm ein südamerikanischer Sammler für die untere Schätzung von 180.000 Euro. Ebenfalls am Rand der Untertaxe blieb die von Jan van Kessel d. Ä. 1653 geschaffene „Blumengirlande mit Verkündigung an die Hirten“, für die der Hammer bei 160.000 Euro fiel. 130.000 Euro mussten für ein „Raucherstillleben mit Stövchen und Tonkrug“ von Jan Fris eingesetzt werden (160.000/180.000).

Auch bei der Offerte mit Gemälden des 19. Jahrhunderts blieben die Hauptwerke hinter ihren Erwartungen zurück. Carl Christian Vogel von Vogelsteins Gemälde des jungen Prinzen Albert, späterer König von Sachsen, mit seinem hölzernen Pferd konnte bereits bei 80.000 Euro (120.000/ 140.000) übernommen werden. Carl Spitzwegs ungewöhnlich großes Gemälde „Felsenkessel mit Wildwasser“ aus dem Jahr 1833 wurde bei 65.000 Euro (70.000/80.000) vermittelt. Dafür übertrafen zwei Gemälde des nächtlichen Dresden von Johann Christian Clausen Dahl ihre obere Taxe von 30.000 Euro und wechselten erst bei 77.000 Euro den Besitzer.

Beim Kunstgewerbe waren die Hauptlose einer Antiken-Offerte erfolgreich: Die hölzerne Statue einer „Trauernden“, um 1600 bis 1500 vor Christus, ging für 150.000 Euro (160.000/200.000) an einen Saalbieter. Ein „Hethitischer Ochsenwagen“ aus Bronze, mit 150.000 bis 180.000 Euro bewertet, wurde bei 140.000 Euro zugeschlagen. Das Reliquiar aus dem Besitz der Kaiserin Elisabeth wurde nicht verkauft (120.000/130.000).

Auch so manche wichtigen Lose im Angebot der Moderne und Gegenwartskunst blieben am unteren Rand ihrer Erwartungen. Das Hauptlos, Jawlenskys „Stillleben mit Weinflasche“ von 1904, war beziffert auf 300.000 bis 350.000 Euro, wurde allerdings bei 360.000 Euro zugeschlagen. Das größte Interesse fand eine Aktstudie Picassos von 1952: Zahlreiche Bieter trieben die „Femme se coiffant“ auf 240.000 Euro (Taxe 160.000/180.000). Max Pechsteins „Waldinneres“ von 1919 bestätigte seine untere Erwartung von 200.000 Euro (bis 250.000).

Die Zuordnung einer winterlichen Landschaft, die Otto Dix 1912 malte, wurde während der Auktion korrigiert: Das „sächsische Städtchen“ stellte sich als Eppstein im Taunus heraus; dem Käufer war es 95.000 Euro (80.000/100.000) wert. Kirchners „Halbakt eines jungen Mädchens“ (150.000/170.000) wurde nicht vermittelt, doch Noldes Aquarell „Marschlandschaft bei Utenwarft“ bestätigte seine untere Taxe mit 110.000 Euro (bis 130.000). Louis Anquetins Porträt einer „Elégante de profil au Bal Mabille“ von 1888 aber zog Aufmerksamkeit auf sich: Minutenlang beboten, verdoppelte das Bild seine obere Schätzung schließlich auf 140.000 Euro (50.000/70.000).

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Bei den Zeitgenossen erzielte deutsche Malerei die höchsten Ergebnisse. Zum teuersten Los avancierte Baselitz’ „Frau im Fenster“; das Bild von 1979/81 kam auf 180.000 Euro (100.000/120.000). Hanne Darbovens Zyklus „Atta Troll“ wurde bereits bei 70.000 Euro (80.000/120.000) abgegeben. Einige markante Arbeiten konnten sich nicht durchsetzen, darunter Michelangelo Pistolettos - erneut - angebotenes Spiegel-Bild „Tavolo con piatti“ (120.000/140.000). Kein Glück hatte auch der Einlieferer eines Gemäldes von Penck aus dem Jahr 1982 (100.000/150.000). Immendorffs Werke hatten wenig Erfolg: „BRRR“ aus dem Jahr 1978 erzielte 60.000 Euro (70.000/80.000). Das 1996 entstandene „Den Hahn wecken“ (100.000/120.000) fiel durch, aber das bronzene Affenpaar „Malerstamm - Georg und Otto“ spielte immerhin 26.000 Euro (25.000/30.000) ein.

Teuerstes Los der Nachkriegsmoderne wurde Nays Komposition „Mit heiterem Blau“, die für 130.000 Euro (120.000/ 140.000) einen Liebhaber fand. Ein Aquarell von Gerhard Richter ließ seine Erwartung von 40.000 Euro weit hinter sich und erzielte 85.000 Euro (30.000/40.000). Es gab hier weitere Ausreißer: Die Zeichnung von Joseph Beuys „Der Tod und die Seele“ berührte die Bieter derart, dass sie das 25,2 mal 15,8 Zentimeter kleine Blatt bis auf 52.000 Euro (15.000/18.000) anhoben. Keinen Erfolg hatte Emil Schumacher: Sein „Belua I“ (60.000/80.000) blieb liegen, wie auch seine Arbeit „Nambit“ (50.000).

Quelle: F.A.Z.

 
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