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Ketterer-Vorschau : Strickender Soldat

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Wenn bei Ketterer in München am 24. November Kunst des 19. Jahrhunderts versteigert wird, kommt der Malerfürst Franz von Stuck zu seinem großen Auftritt. Eine Vorschau

          Franz von Stuck sieht einem größeren Auftritt entgegen: Nicht weniger als sieben Werke des Symbolisten präsentiert Ketterers Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts am 24. November in München. Mit dabei das berühmte Motiv „Dissonanz“ vom rosigen Knäblein Daphnis, das auf der Panflöte herumpustet, was den Faun neben ihm offensichtlich akustisch mächtig quält: 30 000 bis 40 000 Euro könnte die um 1910 gemalte Ölstudie bringen, die endgültige Fassung hängt im Museum Villa Stuck. Dieselbe Erwartung gilt „Scherzo“ von 1909, dort tobt und rangelt der lüsterne Faun mit zwei munteren Nymphen, noch im originalen Künstlerrahmen. Bis 120 000 Euro soll die im roten Schleier sich räkelnde „Iphigenie auf Tauris“ einspielen.

          Reformbewegte Tänze à la Mary Wigman schwebten Ludwig von Hofmann für den monumentalen sechsteiligen Gemäldezyklus vor, der 1906 Henry van de Veldes Museumshalle auf der „Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden“ als Wandschmuck zierte. Zwei Entwürfe Hofmanns kommen jetzt nach fast hundert Jahren aus Familienbesitz zum Verkauf: „Tanzende mit Schleier“, in hellen Ölfarben auf eine 123 Zentimeter breite Leinwand gemalt, und das ebenso große „Kränzewinden“ (Taxe je 7000/9000 Euro). Bei Karl Hagemeister tanzen und schäumen Wellen im Sturm, dem er sich auf Rügen aussetzt, um mit dicker wassergrüner und gespachtelter weißer Farbe Großformate wie „Meereswogen“ von 1912 zu schaffen. Still ruht hingegen hinter braunem Laub der See auf Hagemeisters „Herbst III“ (je 25 000/35 000).

          Wegen einer Cholera-Epidemie in München flieht Carl Spitzweg 1836 ins Berchtesgadener Land, wo er, von Vereinen beauftragt, eine Reihe Schützenscheiben malt, darunter den „Strickenden Soldaten“, der heute im breiten Goldrahmen steckt (18 000/24 000). Der Zufluchtsort Wilhelm Buschs war Wiedensahl, sein Geburtsdorf im Schaumburger Land, dessen „Bockmühle bei aufziehendem Sturm“ er mit schnellem Pinsel fixiert (9000/12 000). In monddurchleuchteter Nacht lässt Adrian Ludwig Richter Hirten am Feuer die Schalmei blasen auf einem Gemälde, um 1861, das seit seinem Erwerb 1927 bei Commeter in Hamburg in Familienbesitz blieb (20 000/30 000). Ergänzt wird das Angebot norddeutscher Kunst von Menzels mit Kohle ausgeführtem Studienblatt zu einer sitzenden Dame mit Hut, Schirm und Geldbörse (10 000/ 15 000).

          Exotische Gefilde betritt Jean-Léon Gérôme, wenn er Arnauten malt, jene albanischen Söldner, die das Osmanische Reich gegen Napoleons Truppen nach Ägypten schickte; prächtig in seiner orientalischen Tracht, leert Gérômes „Arnaute buvant“ am Brunnen seine Trinkschale (25 000/35 000). Vergleichsweise bodenständig bleibt Julien Dupré, auch wenn er das Landleben kräftig romantisiert mit seinen jungen, schwungvoll schwere Heumengen wendenden Bäuerinnen, einem seiner Erfolgsmotive beim bürgerlichen Publikum: Für „La Fenaison“, gemalt um 1890/95, wird mit 30 000 bis 40 000 Euro gerechnet.

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