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Karl & Faber-Auktion : Orangen in Seidenpapier

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Bei Karl & Faber in München werden am 10. November Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts und Druckgrafik auktioniert. Die Provenienzen einiger Lose sind verlockend und tragisch.

          Zwei große Laibe Schnittkäse, dazu sahnige Butter im Delfter Porzellanteller und verschiedene Semmelsorten laden auf Floris van Schootens „Banketje“ zum späten Frühstück. Ein Glas Weißwein gibt es auch und zum Nachtisch Erd- und Stachelbeeren. Das aus Privatbesitz aufgetauchte, um 1625 auf Holz gemalte Werk des Haarlemer Künstlers war der Forschung bis zu seiner Einlieferung bei Karl & Faber entgangen. Dort bereichert es am 10. November marktfrisch und mit einer Taxe von 60 000 bis 80 000 Euro versehen die Auktion Alter Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts. Fort vom Esstisch ins Freie geht es mit Andrea Locatelli zu Hirten und Schafen in „arkadischer Landschaft“ (Taxe 25 000/35 000 Euro), und schließlich öffnet sich auch noch der Himmel: Von dort fährt Christus hinab zur heiligen Felicitas und ihren Söhnen im Martyrium. In dem Rokoko-Bild erkannten Experten eine Ölskizze nach Johann Evangelist Holzers Fresken der längst zerstörten Abteikirche von Münsterschwarzach, zu der dieser Fund neue Erkenntnisse liefert (4000/5000). In der Malerei des 19. Jahrhunderts zeigt Rubens Santoros „Canal Grande mit Dogenpalast“ von 1887, wie lang das Vorbild von Guardi und Canaletto nachwirkte (40 000/50 000), und Friedrich von Amerlings „Italienerin mit Spinnrocken“ und orangerotem Kopftuch sucht dort bereits zwei Jahre nach ihrer Versteigerung bei Neumeister – der Zuschlag erging damals bei 26 000 Euro – für 35 000 bis 40 000 Euro einen neuen Liebhaber. Wie diese Italienerin stammt auch Johann Georg von Dillis’ „Wildbach bei Ohlstadt“ aus der Schweinfurter Sammlung Georg Schäfer; die feine Naturstudie erfordert 30 000 bis 40 000 Euro. Mit Prinzessin Pilar von Bayern hat auch Eugène Joors Stillleben zum Teil noch in Seidenpapier gehüllter Orangen eine verlockende Provenienz (2 500). Bitter dagegen die Geschichte um acht Gemälde Wilhelm Buschs, die Rudolf Neugass 1939 dem Wilhelm-Busch-Museum verkaufen musste. Im vergangenen Frühjahr erst restituierte das Haus sie an die Erben des in Theresienstadt ermordeten Neugass, die sich nun von den zwischen 8 000 und 25 000 Euro angesetzten Bildern trennen.

          Ein eigener Katalog wendet sich an Druckgraphik-Freunde. Rembrandts Radierung „Christus lehrend“, eines seiner Hauptblätter und schon zu Lebzeiten gesucht, führt mit einer Taxe von 75 000 bis 85 000 Euro eine Offerte an, die mit Blättern von Dürer und Schongauer bis Goya und Pissarro aufwartet.

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