http://www.faz.net/-gqz-93f0h

Karl & Faber-Auktion : Orangen in Seidenpapier

  • -Aktualisiert am

Einst im Besitz der Prinzessin Pilar von Bayern: Für Eugène Joors’ „Stillleben aus Orangen“ von 1886 erwartet Karl & Faber 2500 Euro. Bild: Karl & Faber

Bei Karl & Faber in München werden am 10. November Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts und Druckgrafik auktioniert. Die Provenienzen einiger Lose sind verlockend und tragisch.

          Zwei große Laibe Schnittkäse, dazu sahnige Butter im Delfter Porzellanteller und verschiedene Semmelsorten laden auf Floris van Schootens „Banketje“ zum späten Frühstück. Ein Glas Weißwein gibt es auch und zum Nachtisch Erd- und Stachelbeeren. Das aus Privatbesitz aufgetauchte, um 1625 auf Holz gemalte Werk des Haarlemer Künstlers war der Forschung bis zu seiner Einlieferung bei Karl & Faber entgangen. Dort bereichert es am 10. November marktfrisch und mit einer Taxe von 60 000 bis 80 000 Euro versehen die Auktion Alter Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts. Fort vom Esstisch ins Freie geht es mit Andrea Locatelli zu Hirten und Schafen in „arkadischer Landschaft“ (Taxe 25 000/35 000 Euro), und schließlich öffnet sich auch noch der Himmel: Von dort fährt Christus hinab zur heiligen Felicitas und ihren Söhnen im Martyrium. In dem Rokoko-Bild erkannten Experten eine Ölskizze nach Johann Evangelist Holzers Fresken der längst zerstörten Abteikirche von Münsterschwarzach, zu der dieser Fund neue Erkenntnisse liefert (4000/5000). In der Malerei des 19. Jahrhunderts zeigt Rubens Santoros „Canal Grande mit Dogenpalast“ von 1887, wie lang das Vorbild von Guardi und Canaletto nachwirkte (40 000/50 000), und Friedrich von Amerlings „Italienerin mit Spinnrocken“ und orangerotem Kopftuch sucht dort bereits zwei Jahre nach ihrer Versteigerung bei Neumeister – der Zuschlag erging damals bei 26 000 Euro – für 35 000 bis 40 000 Euro einen neuen Liebhaber. Wie diese Italienerin stammt auch Johann Georg von Dillis’ „Wildbach bei Ohlstadt“ aus der Schweinfurter Sammlung Georg Schäfer; die feine Naturstudie erfordert 30 000 bis 40 000 Euro. Mit Prinzessin Pilar von Bayern hat auch Eugène Joors Stillleben zum Teil noch in Seidenpapier gehüllter Orangen eine verlockende Provenienz (2 500). Bitter dagegen die Geschichte um acht Gemälde Wilhelm Buschs, die Rudolf Neugass 1939 dem Wilhelm-Busch-Museum verkaufen musste. Im vergangenen Frühjahr erst restituierte das Haus sie an die Erben des in Theresienstadt ermordeten Neugass, die sich nun von den zwischen 8 000 und 25 000 Euro angesetzten Bildern trennen.

          Rembrandt Harmensz van Rijn, „Christus lehrend (La petite tombe)“, um 1652, Radierung und Kaltnadel auf Chinapapier, 15,5 mal 20,7 Zentimeter: Taxe 75 000 bis 85 000 Euro Bilderstrecke
          Rembrandt Harmensz van Rijn, „Christus lehrend (La petite tombe)“, um 1652, Radierung und Kaltnadel auf Chinapapier, 15,5 mal 20,7 Zentimeter: Taxe 75 000 bis 85 000 Euro :

          Ein eigener Katalog wendet sich an Druckgraphik-Freunde. Rembrandts Radierung „Christus lehrend“, eines seiner Hauptblätter und schon zu Lebzeiten gesucht, führt mit einer Taxe von 75 000 bis 85 000 Euro eine Offerte an, die mit Blättern von Dürer und Schongauer bis Goya und Pissarro aufwartet.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Mahlstrom der Bilder

          Paris Photo : Mahlstrom der Bilder

          Koma-Schauen auf der Messe „Paris Photo“: dichte Hängungen in zahlreichen Kojen fordern die Konzentrationsfähigkeit heraus, die Besucher kommen dennoch in Scharen.

          Topmeldungen

          Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

          Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

          Robert Habeck im Gespräch : „Erbärmlich, dass wir es nicht hinbekommen haben“

          Die FDP habe das Scheitern von Jamaika lange geplant, glaubt der Grüne Robert Habeck. Im FAZ.NET-Gespräch sagt er, warum ein Kompromiss möglich war, Angela Merkel keine Schuld trifft – und wieso er eine Neuwahl für eine „unkontrollierte Sprengung“ hält.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.