Kunst macht reich, und Alte Meister machen glücklich: Das behauptet zumindest der amerikanische Künstler und Sammler Jeff Koons im Gespräch mit unserer Autorin Lisa Zeitz.
Herr Koons, in diesem Jahr hatten sie eine Ausstellung auf dem Dach des Metropolitan Museum. Dort erklärten Sie, dass ihre Skulpturen stark von der Kunst der Antike und von Alten Meistern beeinflusst sind. Sie sind selbst bekannt als Sammler Alter Meister. Verraten Sie, was für Werke sich in ihrer eigenen Sammlung befinden?
Ja, ich habe eine Heilige Katharina von Tillman Riemenschneider. Sie ist wunderschön. Ich besitze außerdem ein wunderbares manieristisches Gemälde von Cornelis van Haarlem, eine Darstellung von Herkules und Acheloos.
Das große Bild mit dem Stier, das jahrelang in der Berliner Gemäldegalerie hing, bevor es als DDR-Raubkunst restituiert wurde? Haben Sie es bei seiner Auktion in New York ersteigert?
Ja, das habe ich. Mir gehört außerdem „Der Kuss“ von Picasso, es ist eines von drei Gemälden des Kusses, die Picasso im Jahr 1969 gemalt hat. „Der Kuss“ ist wirklich ein wundervoller Kuss. Ich habe eine „Dora Maar“ von Picasso aus dem Jahr 1943. Sie ist sehr hübsch. Sie weint und sieht ein bisschen aus wie Nofretete. Eigentlich wäre es toll, die beiden einmal nebeneinander zu sehen, Dora Maar und Nofretete. Außerdem ist ein Poussin in meiner Sammlung, „Jupiter and Antiope“, und ich habe ein Gemälde von Fragonard, eine junge Frau mit Welpen, auch in einer New Yorker Auktion gekauft.
Und gehört Ihnen nicht auch ein Courbet?
Ich habe mehrere Werke von Courbet. Ich habe die Frau, die für das Gemälde „Femme au perroquet“ Modell war: Es ist eine Studie dafür, der Oberkörper, aber mein Bild ist auch mit Courbets „Venus und Psyche“ verwandt. Dort hebt Venus das Kleid der Psyche hoch. Auch in meinem Gemälde kann man schon die negative Form einer Hand erkennen. Zwei Wochen später hat Courbet übrigens „L’Origine du monde“ gemalt. Das ist es, was Venus eigentlich ist!
Ihr Gemälde war doch in der großen Courbet-Ausstellung im Metropolitan Museum?
Es war im Metropolitan Museum und im Grand Palais in Paris. Auch Courbets „Weißer Stier“, der dort gezeigt wurde, gehört mir.
Wo bewahren Sie ihre Kunstwerke eigentlich auf?
Tja, manche habe ich zu Hause, und manche sind als Leihgaben im Metropolitan Museum.
Meiden Sie Auktionen, wenn sie sehen, dass Werke von Ihnen versteigert werden?
Ach, ich habe immer das Gefühl, meine Werke sollten sogar noch mehr einspielen! Aber das ist wahrscheinlich eine ganz natürliche Reaktion, die alle Künstler so verspüren. Man will einfach immer, dass die Werke gut abschneiden, und man will, dass die Menschen sie zu schätzen wissen. Normalerweise denke ich: „Oh, das würde ich gern haben!“ Aber ich kaufe eigentlich nie eigene Werke zurück.
Ihre Holzskulptur „Buster Keaton“ von 1988 wird im November bei Christie’s in New York versteigert. Sie ist auf fünf bis sieben Millionen Dollar geschätzt. Vor nur zwei Jahren hat dasselbe Werk bei Phillips de Pury inklusive Aufgeld 2,7 Millionen Dollar gekostet. Wie, denken Sie, wird die Auktion jetzt verlaufen?
Das weiß ich wirklich nicht.
Als sie als junger Mann im Museum of Modern Art jobbten, haben Sie auch eine Zeitlang an der Wall Street mit Wertpapieren und Anleihen gehandelt. Deshalb verstehen sie wahrscheinlich die derzeitigen weltwirtschaftlichen Vorgänge besser als manch anderer. Was denken sie über die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den Kunstmarkt?
Das weiß ich nicht. Wissen sie, alle Märkte sind wie Wellen, sie gehen hoch und runter. Ich habe keine Ahnung, wie die Werte sich entwickeln werden. Ich bin sicher, dass sich die Werte und die Dinge einander anpassen werden. Aber wenn man darauf achtet, wer langfristig Reichtum erhalten konnte, dann sind das Leute, die in Kunst und Immobilien investiert haben.
Ist das jetzt ein Anlagetipp?
Ich akquiriere Kunst. Diese Art von Investition und Belohnung kommt aus der menschlichen Erfahrung und von der eigenen Betrachtung her. Ich habe einen dreijährigen Sohn namens Blake. Wenn man ihn fragt „Wer ist dein Lieblingskünstler?“, dann sagt er „Massys“. Er liebt es, Quentin Massys zu betrachten! Das ist der wahre Wert der Kunst. (Anm.: Quentin Massys, um 1465 bis 1530, ist ein flämischer Alter Meister.)